Der neue AZA-CEO Dan Ashe während seiner zeit als Direktor des U.S. Fish and Wildlife Service | Foto: U.S. Fish and Wildlife Service Headquarters, Lizenz: CC BY 2.0

AZA-Konferenz: Fragwürdiger Auftritt von PETA

Exklusiv für zoos.media – 28.09.2018. Autor: Philipp J. Kroiß

Wieder eine Konferenz der AZA, wieder gab es Raum für radikale Tierrechtler. Eine bedrohliche Entwicklung, die dieser Artikel sehr deutlich kritisiert.

AZA: Fragwürdige Verbindungen zu PETA

Erneut fällt die AZA mit fragwürdigen Verbindungen in die Tierrechtsindustrie auf. “Warum erlaubt die AZA PETA auf seiner Konferenz?”, fragte HumaneWatch.Org berechtigterweise. Es ist eine Frage, die gestellt werden muss, weil solche Kooperationen gefährlich für die gesamte zoologische Gemeinschaft sind.

Keine Konferenz mehr ohne Skandal?

Im letzten Jahr lud man den Tierrechtsaktivist Pacelle ein.

AZA gibt HSUS die Möglichkeit hausieren zu gehen

Das kam nicht ganz überraschend, denn der neue AZA-Chef, Dan Ashe, verstand sich augenscheinlich gut mit dem fragwürdigen Aktivisten.

AZA-CEO Dan Ashe und die HSUS

Inzwischen ist Wayne Pacelle zurückgetreten.

Nach Sex-Vorwürfen: Wayne Pacelle tritt als CEO der HSUS zurück

Nun kursiert ein Plakat von PETA, das offensichtlich auf dem AZA-Kongress zugelassen wurde und die radikale Tierrechtsorganisation, die für den Tod zehntausender Tiere verantwortlich ist, bewirbt. Es hebt Kooperationen hervor und zitiert Zoo-Verantwortliche. Es erweckt den Eindruck, als gebe es einen gemeinsamen Nenner zwischen PETA und AZA.

Zutiefst lächerlicher Vorgang

Schon der erste Schritt ist lächerlich. PETA ist gegen jede Form der Tierhaltung – ob der Tiger im Zoo, die Kuh auf der Wiese oder der Hund vor dem Kamin. Die Tatsache, dass diese radikale Organisation sich so dermaßen an die AZA, die Amerikanische Zoo-Organisation heranschleimt, ist einmal in sich eine lächerlich Handlung, verfolgt aber natürlich eine Strategie, die lächerlich einfach zu enttarnen ist.

“Die Ausstellung [des Plakats] ist nichts mehr als ein trügerischer PETA-Ölzweig, der Mitarbeiter in Zoos dazu ermutigt, PETA – ein Trojanisches Pferd – die Hand zu reichen. Es gibt so viel Gemeinsamkeit zwischen PETA und Zoos wie zwischen NAACP und KKK.” – HumaneWatch.Org

Dass Aktivisten, die eine Gemeinschaft zerstören wollen, sie unterwandern, um sie zu spalten, ist eine sehr typische Taktik, doch Dan Ashe und weitere AZA-Vertreter, die sowas zulassen oder billigend in Kauf nehmen, scheinen auf diesem Auge blind zu sein. PETA zeigt sehr, sehr deutlich, dass sie Zoos zerstören wollen und lässt keinen Zweifel daran, dass sie für die völlige Abschaffung moderner Zoos und Aquarien stehen.

Somit ist es zutiefst lächerlich, dass dieses Poster, das völlig irreführend ist, zugelassen wurde. Es ist ja eine Sache, einer Partei mit einer anderen Meinung zuzuhören, aber es ist eine völlig andere Sache, einer Partei, die einen selbst zerstören will, Propaganda auf der eignen Konferenz zu erlauben.

Dan Ashe in der Kritik

Nach dem Skandal im letzten Jahr, so erklärt HumaneWatch.Org, war Ashe unter anderem damit beschäftigt, seinen Namen etwas aufzupolieren und hat ihn dabei wohl auch unter politische Kommentare zu völlig abseitigen Themen, wie etwa Schusswaffen-Kontrolle, gesetzt. Das irrtierte nicht nur dieses Projekt, das ein Auge auf unseriöse Organisationen wie die HSUS und PETA wirft.

“Wir dachten, Ashe war nur ein Dummkopf – aber diese jüngste Peinlichkeit zeigt, dass er mit Anti-Zoo-Aktivisten im Bett ist, die die Institutionen, die er repräsentieren soll, unterminieren wollen.” – HumaneWatch.Org

Tatsächlich ist dieser erneute Skandal völlig unverständlich. Die AZA ist allerdings in den USA auch nicht alternativlos: die ZAA ist eine gute Zoo-Organisation. Der Pittsburgh Zoo hat zum Beispiel, wegen definitiv zu kritisierender Vorschriften der AZA bezüglich der Haltung von Elefanten, entschieden, nicht mehr Mitglied der AZA sein zu wollen. Diesbezüglich hatte sich Dan Ashe auch mal sehr in die Nesseln gesetzt:

“Der Zoo Pittsburgh ist Weltklasse und so interessiert es uns nicht, wenn eine einzige, wichtigtuerische Organisation uns kritisiert”

Hat die AZA noch eine Zukunft?

Die Mitgliedszoos der AZA machen größtenteils gute Arbeit, aber die Frage ist, wie lange sich das noch mit einer Mitgliedschaft vereinbaren lässt. Gewinnen die Tierrechtler noch mehr Raum und Einfluss, schafft sich die AZA früher oder später selbst ab und man wird als Zoo-Verantwortlicher sehr gut Acht geben müssen, dass man davon nicht selbst in die Tiefe gerissen wird. Werbung für einen Beitritt ist das natürlich absolut nicht.

Zoo müssen sich also sehr gut überlegen, inwieweit hier ein Beitritt sinnvoll ist. Möchte man in einer Organisation Mitglied sein, die Kräfte erlaubt, die Zoos zerstören wollen? Man kann sicher niemandem verübeln, wenn er das nicht will. Sinnvoller als eine AZA-Akkreditierung wäre sicher ohnehin eine “Humane Conservation”-Zertifizierung durch American Humane – die geben zumindest keinen Raum für Propaganda von Anti-Zoo-Organisationen. Gleichwohl muss man kritisch hinterfragen wie SeaWorld mit dem implementierten, langfristig tierquälerischen Zuchtstopp für Orcas ein entsprechendes Zertifikat von American Humane trotzdem erhalten konnte.

Das Appeasement der AZA hat großen Anteil am Erstärken der Tierrechtler in den USA. In Zeiten, in denen ein Dachverband für Zoos sich schützend vor seine Mitglieder stellen müsste und aktiv mithelfen muss der Anti-Zoo-Propaganda etwas entgegen zu setzen, gibt die AZA diesen Populisten nicht nur durch Nichtstun passiv Raum, sondern auch durch völlig lächerliche Entscheidungen aktiv Raum. So ist eine Zoo-Dachverband nicht zukunftsfähig, denn er schafft sich auf Dauer selbst ab.

Es steht also an, das Ruder rum zu reißen, wenn man nicht weiter dem Abgrund entgegen segeln will. Ob allerdings Dan Ashe dafür der richtige Mann ist darf nicht nur, sondern muss sogar bezweifelt werden. Sein aktueller Kurs beeinflusst die ganze zoologische Gemeinschaft negativ. Besonders allerdings die modernen Zoos in Amerika trifft das hart und das ist bedrohlich, denn ihr hervorragendes Engagement ist so wichtig für den Natur- und Artenschutz auf der ganzen Welt.