Martin Lacey beweist mit seiner Löwin, dass gegenseitige Liebe und Respekt des Basis für ihre Interaktionen sind. | Foto: Astrid Reuber (Lacey Fund e. V.)

“Das ist Rassismus!” – Tierlehrer nimmt Stellung zum Unfall in Italien

Erschienen auf der Facebook Seite des Lacey Fund am 07.07.2019. | Von: Martin Lacey Jr.

Der tragische Tiger-Unfall hat menschenverachtende Kommentare hervorgerufen: Tierlehrer Martin Lacey Jr. nimmt dazu in klaren Worten Stellung.

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Kommentar: Der Hass der in diesen Kommentaren, die Martin Lacey Jr. anspricht, hat im Wesentlichen zwei Wurzeln. Es ist einmal das Aufhetzen der Tierrechtler gegen Zirkusleute und eine gesellschaftlich tradierte und rassistisch motivierte Abneigung gegen Leute aus dem Zirkus. In der Zeit der Nazi-Diktatur wurden dem Zirkus sein Dasein als Kulturgut abgesprochen und leider bis heute nicht wieder anerkannt. Auch weitere Beschlüsse der Nationalsozialisten schadeten der Institution Zirkus enorm, die ja immer multikulturelle Vielfalt lebte und bis heute lebt. Diese rassistischen Narrative blieben auch nach 1945 lebendig.

Ein wesentlicher Grund ist hier der braune Rand der Tierrechtsbewegung, der nicht zu verleugnen ist und massiv ideologisch und personell Einfluss nimmt. Inzwischen aber erleben wir auch eher in sich politisch links definierenden Kreisen, die gleiche Argumentationsweise. Man nimmt tatsächliche Beispiele schlechter Tierhaltung oder manipuliert Aufnahmen in guter Tierhaltung und verallgemeinert dann auf alle Zirkusleute – das ist eine bekannte Vorgehensweise bei rassistisch motivierter Propaganda. Bis heute erleben Zirkusleute deshalb Alltagsrassismus aus solchen Kreisen.

Die Hass-Kommentare gegen den verunglückten Tierlehrer zeigen wie gesellschaftlich verwurzelt dieser Rassismus bis heute in der Gesellschaft ist. Dieser ist auch nicht durch angeblichen Tierschutz zu legitimieren. Ein Mensch bleibt ein Mensch und sich über dessen Tod zu freuen ist immer menschenverachtend. Der Verstorbene galt als guter Tierlehrer, der seine Tiere liebte und sich gut um sie kümmerte. Egal wie man zu seiner Profession stehen mag, rechtfertigt nichts die Menschenverachtung dieser Person, die natürlich vor allem der Familie schadet und sie in ihrer für Außenstehende unvorstellbaren Trauer trifft.

Auch Angehörige von Verunfallten in modernen Zoos und Aquarien übrigens haben vergleichbaren Hass erlebt und auch weitere Tierhalter. Deshalb ist es in solchen Fällen dringend notwendig, solche Vorgänge in deutlichen Worten zu verurteilen.

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