Delfine springen bei der edukativen Vorstellung im Zoo Duisburg vor vollen Rängen. | Foto: zoos.media

Offener Brief an den Bundeslandwirtschaftsminister

Versendet von zoos.media am 07.09.2017.

In einer offenen Mail klärt zoos.media den Bundeslandwirtschaftsminister über eine Desinformationskampagne der radikalen Tierrechtsorganisation PETA auf.

Sehr geehrter Herr Schmidt,

sicherlich ist Ihnen die radikale Tierrechtsorganisation PETA bekannt, von der Sie auf deren Webseite als „willfährige Marionette“ von „Tierqualprofiteuren“ bezeichnen. Trotzdem möchte diese Organisation Sie überzeugen, einen tierquälerischen Beschluss zu fassen: Sie sollen Delfinarien verbieten – nach dem üblen französischen Vorbild. Nun haben Sie ja am eigenen Leib den Populismus von PETA erlebt und man kann diesen den Tierrechtsextremisten auch in der Delfinarienfrage nachweisen.

Die Delfinlagune des Tiergarten Nürnberg: gut besucht bei einer der edukativen Vorstellungen | Foto: Jed, Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Zu dieser Kampagne hat PETA erneut einen Promi gefunden, der seinen Zenit schon längst überschritten hat: Kaya Yanar. Der ist nun besonders unglaubwürdig, weil er schon im Delfinarium Duisburg für einer seiner Fernsehshows, als die noch erfolgreich liefen, drehte und die Vorzüge dort für sich ausnutzte. Man darf gespannt sein wie oft er seine Meinung noch ändert, kann aber seine Haltung zu Delfinarien wohl kaum ernst nehmen.

Ein zentrales Argument von PETA ist, dass die Ministerin der alten Hollande-Regierung in Frankreich im letzten Moment ein, in den Augen der radikalen Tierrechtsorganisation richtiges, Dekret erließ, dass Tierrechtler zwar in den Kram passt, aber wohl auch gegen die EU-Zoorichtlinie verstößt. Zur Beendigung der Delfinhaltung wird die Zucht gestoppt und die Haltung auslaufen gelassen.
Es gibt allerdings keine tiergerechte bzw. artgemäße Möglichkeit einen solchen Zuchtstopp für Delfine zu implementieren. Da die Ex-Ministerin sich aber, um es im Jargon von PETA auszudrücken, als „willfährige Marionette“ von „Tierqualprofiteuren“ herausstellte, die auf Tierrechtslobbyisten eher hörte als auf seriöse Experten, hat sie dieses umstrittene Dekret (übrigens auch entgegen der Ratschläge der wissenschaftlich geführten Zoos in Frankreich) trotzdem verabschiedet. Diesen Fehler sollten Sie, sehr geehrter Herr Minister, nun für PETA wiederholen, da unseriöse Organisationen von der Tierquälerei, die solch ein Zuchtstopp bedeutet, profitieren wollen.

Delfin springt vor vollbesetzem Stadion im Six Flags Mexico. | Foto: Rodrigo SanSs, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Weiterhin behaupten die radikalen Tierrechtler, dass Mexiko City ein Haltungsverbot für Delfine verabschiedet habe, was eine Lüge ist. Wir stehen in direktem Kontakt mit Zuständigen vor Ort und wissen daher, dass es sich um einen Vorschlag handelt, der aktuell nicht offiziell implementiert ist. Selbst wenn er aber durchgesetzt würde, wäre es kein Haltungsverbot, sondern lediglich ein Verbot kommerzieller Nutzung.

Die Auswilderungen in Südkorea, die PETA anführt, sind weder seriös, noch wissenschaftlich ordentlich begleitet und wären in einem Land mit seriösen Naturschutzgesetzen ohnehin nicht möglich. Es handelte sich um eine Auswilderung protegiert von einer Anti-Zoo-Organisation wie sie bereits zuvor gescheitert sind. So wurde der Anti-Delfinarien-Aktivist Ric O’Barry (übrigens der ehemalige Trainer, der aus dem TV bekannten „Flipper“-Delfine) bereits nach einer solchen misslungenen Aktion rechtskräftig verurteilt. Er plant nun ein ähnliches Projekt auf der Insel Lipsi, das PETA unterstützt.

Das National Aquarium in Baltimore, das von PETA so lobend erwähnt wird, will nun ein neues Delfinarium, wohl vergleichbar mit anderen Anlagen in Nord- und Mittelamerika, gegen die PETA kurioserweise vorgeht, als sog. Sea-Pen-„Sanctuary“ bauen, weil das Delfinarium in Baltimore selbst zu klein wurde. Diese Baute versucht man Ihnen und anderen nun als „Auffangstation“ zu verkaufen. Generell sind solche Meeresgehege mit Vorsicht zu genießen, da es kaum Ökosystem gibt, die sie beherbergen oder aushalten können. Anders als in Binnendelfinarien sind die Tiere hier nämlich einer schlechteren Wasserqualität ausgesetzt. Dazu müssen im Katastrophenfall ohnehin benachbarte Delfinarien bereitstehen ohne direkten Zugang zum Meer, um die Tiere evakuieren zu können. Wer allerdings denkt, dass Tierrechtler solche Meeresgehege wirklich unterstützen würden oder wollen, irrt, denn sie sind gegen jede Form der Tierhaltung vom Delfin bis hin zum Chihuahua.

PETA belügt Sie, sehr geehrter Herr Minister, zudem über den Zustand der Delfine in Deutschland. Die Tiere sind weder physisch krank, noch depressiv oder aggressiv. Ebenso werden sie nicht mit „Psychopharmaka ruhiggestellt“. Die Tiere bekommen Medikamente, wenn sie krank sind, was selten passiert.
Wenn sie allerdings im Krankheitsverlauf den Appetit verlieren, wird es lebensbedrohlich und man muss den Appetit anregen, da die Tiere die lebenswichtige Flüssigkeit über den Futterfisch aufnehmen. Als Appetitanreger gibt man dann Diazepam in einer Dosis, die gar nicht psychogen wirkt. Mit Ruhigstellen hat das nichts zu tun. Genauso wurden nie chronische physische oder psychische Krankheiten bei Delfinen in modernen Delfinarien beschrieben.

Volle Besucherränge im Delfinarium des Zoo Duisburg | Foto: zoos.media

Wie sieht es tatsächlich aus? Die Delfine in modernen Delfinarien sind gesünder als ihre wilden Artgenossen, was jüngst wissenschaftlich belegt wurde. Ebenso wurden die Stresswerte bestimmt, die zeigen, dass die Delfine in Menschenobhut sind nicht so gestresst wie ihre wilden Artgenossen. Schon länger wurden die Überlebenschancen und die Lebenserwartung von Delfinen in der Wildbahn und in Delfinarien vergleichend erforscht – das Ergebnis ist eindeutig: Delfine in Delfinarien leben deutlich länger als ihre wilden Artgenossen. Im Bereich des Trainings konnte nachgewiesen werden, dass die Tiere beim moderen Training mit positiver Verstärkung Glückshormone ausschütten – diese Methode wird in allen deutschen Delfinarien angewendet. Für das Sozialverhalten konnte ebenso festgestellt werden, dass die Tiere in Menschenobhut sich nicht signifikant von den wilden Tieren unterscheiden.

Von Leid der Tiere also keine Spur. Die Anlagen sind naturnah gestaltet und entsprechen den Bedürfnissen residenter Großtümmler von denen die zumeist in Delfinarien geborenen Großen Tümmler abstammen. Die Delfinarien in Duisburg und Nürnberg nehmen am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für atlantische Große Tümmler teil – aber nicht nur das: sie schützen auch die wilden Artgenossen der Tiere in ihrer Obhut, die mit der von PETA heraufbeschworenen Gefangenschaft so rein gar nichts zu tun hat. Das passiert auf drei Weisen: einmal kooperieren sie mit Arten- und Naturschützern vor Ort und unterstützen sie bei ihrer Arbeit, zum Zweiten ermöglichen sie Forschung zum Schutz der Tiere, die ohne solche modernen Walhaltungen nie möglich würden, und Drittens bekommen in den Zoos Millionen von Menschen wichtige zoopädagogische Angebote, die für den Schutz dieser Tiere motivieren soll, mit auf den Weg.

Diesem Hund wurde von PETA die Chance auf ein neues Zuhause genommen. Zehntausenden Haustieren ging es ähnlich. | Foto von http://whypetakills.com (Nathan J. Winograd)

PETA derweil tut nichts Positives für die Tiere. Ihre Unseriösität in Sachen Tierschutz offenbart sich allerdings nicht nur im Bereich der Forderung nach einem Zuchtstopp für Delfine. PETA will jede Form der Tierhaltung beenden: Vom Elefanten bis zum Hamster, vom Haushund bis zum Lawinenhund und eben auch vom Bengalischen Tiger bis zum Stubentiger. Wie die Haltung sich faktisch darstellt, ist im System PETAs irrelevant, da sie generell gegen das Konzept der jeder Tierhaltung sind. Das sehen sie als Tierrechtsposition, die sie vertreten – das Recht auf Leben allerdings ist keines ihrer Anliegen, wie die Gründerin Ingrid Newkirk von PETA persönlich klarstellte.
In der praktischen Umsetzung zeigt PETA das auch in seinem Tötungstierheim in den USA, wo bereits über 36.000 Tiere starben. Das sind 85% der aufgenommenen Tiere – der Durchschnitt des Anteils getöteter Tiere in US-Tierheimen liegt übrigens bei 40%. PETA behauptet, sie würden nur kranke Tiere euthanasieren, obgleich sie nachweisen lässt, dass auch schon viele gesunde und vermittelbare Tiere durch PETA getötet wurden. Die meisten dieser armen Tiere, die in ein PETA-Tierheim kommen, sterben innerhalb der ersten 24 Stunden – ohne dass sie anscheinend eine Chance auf Vermittlung in tierliebe Hände gehabt hätten.

Vor dem Hintergrund der Lügen, Desinformationen und Tiertötungen von PETA fragt man sich ohnehin, inwieweit eine solche Organisation in Deutschland den Status der Gemeinnützigkeit genießt, denn immerhin gehen um die 40% der angenommenen Spenden für die horrenden Personalkosten, etwa genauso viel für Öffentlichkeitsarbeit und nur etwa 10% für das, was man bei PETA „karitativen Tierschutz“ nennt. Außerdem ist fraglich wie eine Organisation gemeinnützig sein kann, die der Meinung der meisten Deutschen entgegensteht, die sich nämlich nicht nur zu Haustierhaltung, sondern auch ganz deutlich und mehrheitlich zu artgemäßer Zootierhaltung bekennen.

Entlarvend war ja auch PETAs manipulatives Video, dass die Elefantenhaltung im Zoo Hannover, aber auch die Haltung von Elefanten generell, in den Dreck ziehen sollte. Dies wurde dann garniert von dem Anstrengen eines Verfahrens gegen den Zoo, das jüngst durch die Staatsanwaltschaft eingestellt wurde.

Mit freundlichen Grüßen
Philipp J. Kroiß
zoos.media

Anmerkung: Die Fotos und Videos ließen sich in die Original-Mail nicht sinnvoll einbinden. Wir haben Sie in dieser Version allerdings zur Unterstützung der Lesefreundlichkeit des Beitrags eingefügt.