Delfinkalb Debbie im Zoo Duisburg putzmunter | Foto: zoos.media

Sind Delfine die perfekten Tieftaucher?

Exklusiv für zoos.media – 01.06.2017. Autor: Philipp J. Kroiß

Unser Autor beschäftigt sich mit neusten wissenschaftlichen Ergebnissen und blickt auf generell auf das Tauchverhalten von schwerpunktmäig Großen Tümmlern.

Sind Delfine die perfekten Tieftaucher?

Portrait eines Delfins im Loro Parque auf Teneriffa (Spanien). | Foto: zoos.media

Nein, deckt eine Studie (Williams et al., 2015) zumindest für Große Tümmler auf. Terrie Williams (University of California, Santa Cruz) erklärt, dass man früher immer dachte, dass der Sauerstoff gehortet würde und alles gut sei, weil sie so perfekt angepasst wären. Aber tatsächlich ist es alles andere als gut, wie sie vor ein paar Jahren herausfand. Man ging vorher davon aus, dass Delfine ihren Herzschlag reduzieren würden. Tatsächlich aber wurden Herzrhytmusstörungen beim Tieftauchen festgestellt. Sie bekämen keine Herzinfarkte, aber gut für sie wäre es auch nicht, so Williams.

Grund für Massenstrandungen gefunden?

Pilotwale gehören zu den Delfinen und sind nah verwandt mit Orcas. Hier sieht man eine Massenstrandung der Tiere in Neuseeland (2005). | Foto: Chagai at English Wikipedia, Lieznz: public domain

Das Ergebnis, dass tiefes Tauchen die Tiere anscheinend stresst, führte die Wissenschaftlerin zu einer neuen Forschungsfrage: wie wirkt sich das auf ein fliehendes Tier aus? Dazu fertigte sie auch eine Studie an.

Natürlich ist der Energiebedarf hoch, aber, und das betont Williams, auch nicht nachhaltig. Da nicht mal alle Delfine gute Taucher sind kann es für die schlechten Taucher besonders Probleme geben. Aber auch für die passablen Taucher ist dies alles andere als ein Spaß.

Williams dachte dann bald über Massenstrandungen nach. Könnte es sich um fliehende Tiere handeln, die sich bei der Flucht (vor etwa Unterwasserlärm) übernommen haben? Für die Tiere ist es eine massive Belastung, die sie überstehen müssen. “Warum sollten wir nicht erwarten, dass es manchmal schief geht?”, fragt Williams.

Wie tief tauchen Delfine?

Dörte schaut neugierig durch eine Scheibe im Delfinarium des Zoo Duisburg | Foto: zoos.media

Delfine generell haben, je nach Art, ganz unterschiedliche Tauchtiefen. Wir haben uns auf zoos.media schon intensiv mit Orcas beschäftigt und, da sich die Studie von Terrie Williams mit den Großen Tümmlern befasst, wollen wir uns nun mit dieser Art beschäftigen.

Bei Großen Tümmlern kann man mehrere Typen unterscheiden: die an der Küste lebenden Tiere (inshore), die Habitate von maximal 20 Metern Tiefe bewohnen, und die Tiere, die weiter von der Küste entfernt leben (offshore) und entsprechend tiefere Gewässer bewohnen. Offshore-Großtümmler tauchen selten über 180 Meter tief.

Große Tümmler in modernen Delfinarien gehören zum inshore-Typus. Am besten erforscht und deshalb ganz gut vergleichbar ist die residente Population von Sarasota in Florida. Das genutzte Habitat ist grösstenteils unter 4 m tief mit einer Maximumtiefe von 10 m in Teilbereichen (Wells et al. 1987). Das Tauchverhalten ist im Wesentlichen von der Nahrungssuche beeinflusst.
Meistens findet man die Großen Tümmler der inshore-Form in Wasser mit drei Metern Tiere oder sogar weniger (Wells and Scott, 1999; Hersh et al., 1990; Connor et al., 2000).