Rehkitz in Blumenwiese | © nautilusfilm / polyband Medien GmbH

Die Wiese: Ein Paradies nebenan

Exklusiv für zoos.media – 22.02.2019. Autor: Philipp J. Kroiß

Diese Wiese ist ein fast vergessenes Paradies. Mit einem Film möchte nun die Deutsche Wildtier Stiftung auf den Schutz dieses wichtigen und bedrohten Ökosystems hinweisen.

Die Wiese: Ein (vergessenes?) Paradies nebenan

Es ist immer spannend zu sehen wie echte Naturschützer auf die Natur blicken und welche Sorgen sie haben. Öko ist zwar zum Hype geworden, doch ist es so, wie es meist, dass ein Hype die Kernproblematik eigentlich nur streift und dass der Kern fast schon egal ist. So demonstrieren Pseudo-Klimaschützer für die Rettung des “icebeers” und demonstrieren damit nichts als ihre eigene Naturentfremdung. Dabei muss man gar nicht unbedingt in die Ferne schweifen, um etwas für die Natur zu tun, sondern kann direkt nebenan anfangen. In einem berührenden Film stellt die Deutsche Wildtier Stiftung nämlich die Wiese vor – ein fast schon vergessenes Paradies.

An der Wiese hängt das Leben vieler Arten

Bereits seit Jahren beschäftigt die Stiftung der dramatische Rückgang artenreicher Wiesen: “Der Verlust solcher Biotope aus Wildkräutern, Blumen und Gräsern ist eine Hauptursache für das Verschwinden kleiner und großer Wildtiere.” Das wissen aber viele nicht. Der neue Film vom vielfach preisgekrönten Tierfilmer Jan Haft soll das nun ändern. Beeindruckende Aufnahmen lassen den Zuschauer dabei in die Wiese quasi eintauchen und eröffnen eine Welt, die vielen verschlossen bleibt. Es ist faszinierend, was vor der eignen Haustür passiert – oder besser passierte. Vielfach verschwinden nämlich diese faszinierenden Mikrokosmen, die so schützenswert sind, weil das Leben vieler Arten daran hängt.

Das sind natürlich einmal die Tiere, die direkt auf der Wiese leben und ihn als ständigen Lebensraum nutzen. Aber die Wiese ernährt ja auch eine ganze Nahrungskette und ist zugleich ihr wichtigster Startpunkt. Verschwindet die Wiese, verschwinden sehr viele Arten von der Bildfläche – ein ganzes Ökosystem kollabiert. Seit dem Jahr 1990 sind etwa 600.000 Hektar Wiesen bzw. Weiden zu Ackerland geworden. “Die Gründe dafür waren die besseren Einnahmemöglichkeiten durch den Anbau von Getreide, Veränderungen in der Nutztierhaltung und politische Impulse zur Erzeugung von Energiepflanzen, vornehmlich Mais, für Biogasanlagen”, erklärt die Wildtierstiftung auf ihrer Webseite.

Das ist aber nicht mal das größte Problem. Natürlich ist es ein nicht zu unterschätzendes Problem, aber nicht das größte, denn viel schlimmer als die Umwandlung von so genanntem Grünland in Ackerland ist die qualitative Verschlechterung des Grünlandes, das überhaupt noch besteht. Das wurde nämlich zu Hochertragsgrünland: “Solche Grasäcker werden bis zu fünfmal pro Jahr gemäht. Die Nester am Boden brütender Vögel kommen dabei unter die Räder ebenso wie Amphibien und Reptilien. Häufig wird auch der Nachwuchs von Säugetieren wie Feldhase und Reh beim Mähen getötet.” Aber nicht nur das: denn durch übertriebene Düngung, wächst das Gras dichter – klar, es soll ja hohen Ertrag bringen. Das sorgt allerdings dafür, dass ein feuchtkaltes Bodenklima entsteht, in dem kaum Insekten überleben können.

Warum? Insekten brauchen Wärme und Trockenheit. In Wiesen und Weiden, also klassischem Grünland, haben sie das, aber eben nicht im Hochertragsgrünland. Es sinkt allerdings auch die Pflanzenvielfalt, denn bei der übertriebenen Düngung gedeiht der Löwenzahn zwar, aber sehr viele andere Wildpflanzen eben nicht mehr. Die Biodiversität leidet also enorm und das wirkt sich auch auf sehr viele Arten aus. Dass die Bienen und Schmetterlinge verschwinden, hängt auch damit zusammen, allerdings auch die Bestandsrückgänge in der Vogelwelt. Zu den ganz großen Verlierern zählen hier zum Beispiel Kiebitz und Feldlerche.

Zoo kooperieren beim Schutz

Neben dem Kino-Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen kann, wenn man Einblicke in die Wiese bekommen will, die man sonst nie bekommt, kann man sich auch anhand eines Live-Erlebnisses informieren. Im Tierpark Hagenbeck kann man zum Beispiel Wildbienen ansehen. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Wildtier Stiftung wurde hier eine schöne Wildbienen-Weide mit Nistmöglichkeiten angelegt. Dazu gibt es einen Lehrpfad zur schützenswerten, heimischen Spezies. Theo Pagel, damaliger Präsident des Verbands der Zoologischen Gärten (VdZ) und Direktor des Kölner Zoos erklärte dazu: „Die dem VdZ angehörenden Zoos setzen sich weltweit für den Erhalt der Biodiversität ein. Durch zahlreiche Artenschutzprojekte und intensive Umweltbildung – vom Kindergarten bis ins Rentenalter – versuchen wir Menschen für den Erhalt der Natur zu begeistern. Zu so einem Projekt gehört auch die Wildbiene“.

In vielen Zoos, wie zum Beispiel dem Zoo Krefeld, kann man sich selbst Saatmaterial holen, um die eigene Wiese oder auch nur den Garten tierfreundlicher zu gestalten, damit diese Arten und somit ein gesamtes Ökosystem nicht für immer, und dazu noch unbemerkt verschwindet. Natürlich geht niemand in Zoos, um sich über die heimische Wiese zu informieren, aber viele Zoos haben unterschiedliche Wege gefunden, auch auf deren Schutz aufmerksam zu machen. So arbeitet man Hand in Hand zum Schutz eines Mikrokosmos, der bei genauerer Betrachtung gar nicht so mikro ist wie er auf den ersten Blick scheint. Auch das zeigt der Film.