Dörte schaut neugierig durch eine Scheibe im Delfinarium des Zoo Duisburg | Foto: zoos.media

Wurden Delfine im Duisburger Zoo mit Valium ruhiggestellt?

Exklusiv für zoos.media – 13.12.2018. Autor: Philipp J. Kroiß

Nein, natürlich nicht. Der Artikel schaut sich den Express-Artikel an und zeigt auf wie sich Fake News durch journalistische Bankrotterklärungen verbreiten.

Wurden Delfine im Duisburger Zoo mit Valium ruhig gestellt?

Wer sich schon länger professionell mit Delfinhaltung beschäftigt, weiß, wie dumm die Frage ist. Aber von Anfang an: Das Wal- und Delfinschutzforum (WDSF) bzw. dessen, nach unseren Informationen, einzigen Gesellschafter und Geschäftsführer, Jürgen Ortmüller, ein Steuerberater in Hagen, hat eine Pressemitteilung veröffentlicht. Es wurde wieder das alte, falsche Lied von angeblicher Kontrolle von Delfinen durch Psychopharmaka-Gabe gesungen. Darauf hat dolphinria.truth schon erstklassig geantwortet:

Wal- und Delfinschutz-Forum WDSF will wieder mal Leute für dumm verkaufenJürgen Ortmüller, Steuerberater in Hagen,…

Gepostet von dolphinaria.truth am Donnerstag, 13. Dezember 2018

Wie der Express die Öffentlichkeit fehlinformierte

Tierschützer würden toben, dramatisiert das Blatt. Das ist einfach gelogen. Bei dem WDSF handelt es sich um Delfinariengegner: weder ist die Organisation unter den so genannten anerkannten Tierschutzorganisationen in NRW gelistet – eine Liste, die ohnehin mit Vorsicht zu genießen ist – noch hat man in irgendeiner Weise tatsächliche Hinweise, dass hier wirksamer Tierschutz betrieben wird. Das WDSF redet vielleicht viel darüber, aber unabhängig bestätigte, erfolgreiche Aktionen, die wirklich zum Schutz der Tiere geführt haben, sind uns hier nicht bekannt. Ebenso fragwürdig, warum eine Organisation, die von einer einzigen Person vertreten wird, vom Express zum Sprachrohr von “Tierfreunden” gemacht wird.

Zitat Express: “Tierschutzorganisationen ist diese Tradition ein Dorn im Auge. Grund seien eine nicht-artgerechte Haltung sowie der Stress, dem die Tiere dabei ausgesetzt werden.

Jetzt sind es dann auf einmal Tierschutzorganisationen. Wie diese magische Vermehrung passiert sein soll, bleibt unbekannt. Trotzdem bleibt es natürlich falsch, dass es hier Tierschützer wären, die sich darüber aufregten, sondern Zoogegner und auch das WDSF gehört zu diesem Spektrum. Die These mit dem Stress ist längst widerlegt und zwar durch zahlreiche vergleichende Forschung über die wir bereits groß und breit berichtet haben und die ebenso jeder kennt, der sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigt.

Sind Wale in menschlicher Obhut gestresster?

Denkwürdig ist dann noch diese Aussage, die der Express wie folgt zitiert:

„In Duisburg betrifft es den Delfin Daisy. Auf der Medikamentenliste des Zoos steht Diazepam – sprich Valium“, erklärt Jürgen Ortmüller vom WDSF. „Angeblich sei das Mittel zu Appetit-Anregung verwendet worden sein, das ist natürlich ein Unding“, so der Tierschützer.

Das zeigt erstklassig die Inkompetenz des Hagener Steuerberaters, der ja noch nie professionell einen Delfin versorgt hat oder auch eine veterinärmedizinische Ausbildung besitzt. Präventiv müsste man nach dieser Aussage auch fast schon ein entsprechendes Berufsverbot erteilen, denn in diesem Fall hätte er einen Delfin sterben lassen, weil er die Gabe eines lebensrettenden Medikaments als “Unding” bezeichnet.

Was war passiert? Daisy fraß plötzlich schlecht. Das alarmiert jeden verantwortlichen Halter, denn ohne das Fressen des Fisches, verdursten Delfine, weil sie über den Fisch ihren lebenswichtigen Flüssigkeitshaushalt regulieren. Diazepam wirkt bei Delfinen erst aber einer bestimmten Dosis psychogen, bei der Dosis, die Daisy bekam, ist das nicht Fall. Die Gabe des Medikaments in einer Dosis zur Appetitanregung hat ihr wahrscheinlich das Leben gerettet. Das war also kein “Unding”, sondern Lebensrettung.

Sehr fragwürdig ist dann noch diese Behauptung des Express: “Der Zoo Duisburg äußerte sich nach einer Anfrage des EXPRESS allerdings nicht zu dem Vorfall.” Nun, gegenüber anderen Medien wurde sich ja nachweislich geäußert und der Duisburger Zoo ist auch nicht dafür bekannt solche Anfragen nicht zu beantworten. Wir ziehen das also doch sehr deutlich in Zweifel, was hier behauptet wird. Wer entsprechende Mails oder Anrufe tätigt, bekommt beim Zoo auch Antwort.

Focus teilte den Artikel ungeprüft

Für diesen Artikel verantwortlich zeichnet sich eine Paulina Meissner, die sich offenbar erfolgreich jeder seriösen, journalistischen Aufbereitung des Themas verweigert hat, wurden doch keine seriösen Experten zum Thema gefragt, sondern einzig eine Pressemitteilung einer fragwürdigen NGO in einen Artikel umformuliert. Dieser journalistischen Bankrotterklärung des Express folgt eine vom Focus, der diesen Artikel einfach veröffentlicht und noch dazu schreibt: “Es gibt keine redaktionelle Prüfung durch FOCUS Online.”

Diese Praxis von Focus Online öffnet natürlich Tür und Tor für das Verbreiten von Fake News. Hier hat das WDSF schlicht Fake News verbreitet und zwei Medien haben das einfach durchgewunken und aus einer Pressemitteilung völlig ungeprüft einen Artikel fabriziert, der eigentlich journalistische Arbeitsverweigerung in viele Zeilen ausbreitete. Solche Artikel schaden natürlich dem Journalismus im Gesamten, weil er die Leute füttert, die anhand solcher Artikel hervorragende Vorlagen finden, das Vertrauen in alle Medien zu schädigen.

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