Eisbärennachwuchs in Schönbrunn (2004) | Foto: Zyance, Lizenz: CC BY-SA 2.5

Eisbären in modernen Zoos

Exklusiv für zoos.media – 07.02.2017. Autor: Philipp J. Kroiß

Dieser exklusive Artikel beschäftigt sich mit den Botschaftern einer Art und eines Lebensraums, der wesentlich vom Wandel des Klimas betroffen ist.

Eisbären in modernen Zoos

Gerade gibt es wieder viele Eisbären-News in der Zoowelt und prompt fährt PETA seine Facebook-Werbung für eine Kampagne aus Ende 2016 hoch, die sich gegen die Haltung dieser Tiere richtet. Ersetzen wir nun mal den Populismus durch Wahrheit und alternative Fakten durch Wissenschaft.

Geschichte in den modernen Zoos

Ende 2012 gab es 330 Tiere in Zoos – davon 36 in Zoos des VdZ, wovon 35 Nachzuchten waren. Den einzigen Wildfang hatte man aus einer Zirkushaltung übernommen. Noch den 1980er Jahren waren es fast doppelt so viele Tiere gewesen, die in Zoos weltweit lebten (633). Grund dieses Bestandabbaus waren neue Erkenntnisse zur Haltungsoptimierung, die viele Zoos nicht mittragen konnten und die Haltung deshalb aufgaben. Gleichzeitig entwickelten sich Anlagen, die den biologischen Bedürfnissen der Tiere gerecht wurden.

Die Nachzucht der Tiere in Menschenobhut klappt gut und die Tiere werden älter als in der Wildbahn. Laut VdZ beträgt die Aufzuchtrate der Tiere im internationalen 50% . In der Wildbahn werden von Forschern deutlich höhere Sterberaten gemessen: bis zu 85%. Auch das in Menschenobhut erreichte Alter ist deutlich höher; im Mittel werden sie sogar doppelt so alt (Zander & Kolter, 1995).

Die Mehrheit der Eisbärenanlagen im VdZ wurden seit 2000 modernisiert und weitere Modernisierungen sind in Planung. Man kann also sagen, dass sich die Eisbärenhaltung immer weiter verbessert und schon jetzt auf einem hervorragenden Stand ist.

Eisbärin Flocke im Oktober 2008 | Foto: On a highway to hell, Lizenz: CC BY 3.0
Eisbärin Flocke im Oktober 2008 | Foto: On a highway to hell, Lizenz: CC BY 3.0

Verhalten in modernen Zoos

Oft wird manches Verhalten der Tiere als leidvolle Stereotypie missverstanden. So kann man Eisbären häufig auf festen Wegen durch Gehege streifen sehen. Auch in der Natur laufen sie auf festen Wechseln. In Menschenobhut befriedigen sie so ihren Bewegungsdrang und es wurde nie nachgewiesen, dass dies von Leid zeugt oder Leid verursacht. Es mag manchen ästhetischen Ansprüchen nicht genügen, aber dass dieses Verhalten Leid bedeutet, ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Eine Übersetzung dieses Verhaltens in das menschliche Verhalten würde einem Jogger entsprechen, der, auf der Aschebahn oder in der Natur, meist auch auf feste Strecken zurückgreift.

Zu einem Problem werden Bewegungsabläufe oder so bezeichnete „Stereotypien“, wenn das Tier nicht mehr ausbrechen kann, sondern es, dann tatsächlich krankhaft, darin gefangen ist. Durch den Abbau der unadäquaten Haltungen kann man es natürlich aber auch in modernen Zoos mit Tieren zu tun bekommen, die aus nicht adäquaten Haltungen übernommen wurden und auffälliges Verhalten zeigen. Hier ist aber streng zu differenzieren und die Geschichte des Tieres zu erforschen, um keine falschen, voreiligen Schlüsse über seine aktuelle Haltung zu ziehen, wie dies allzu häufig vorkommt.

In Zoos wird zudem zur Haltungsoptimierung vun Biologie Thema geforscht wie diese Beispiele zeigen:
* Dietermann, A. (1996): Zum Ruhe- und Schlafverhalten von Bären und Kleinbären in Gefangenschaft
* Markowski, S. (2013): Tierart- und erregerspezifische Maßnahmen zur Optimierung des Gesundheitsmanagements für nordamerikanische Säugetiere in Zoologischen Gärten
* Schneider, M. (2015): Behavioural and autonomic thermoregulation in Malayan sun bears (Helarctos malayanus) and polar bears (Ursus maritimus)
* Stephan, U. (2006): Untersuchungen an Eisbären in europäischen zoologischen Gärten: Verhalten und Veränderungen von Stresshormon-Konzentrationen unter Berücksichtigung der Gehegegröße und Gruppenzusammensetzung

Man merkt also auch auf diesem Feld stark die Veresserungen und Errungenschaften der letzten Jahre. Sprechen also wissenschaftliche Fakten gegen eine Haltung der Tiere oder für die Unmöglichkeit artgemäßer Haltung dieser Art? Nein.

Wichtige Botschafter

Die Wildpopulation ist „verwundbar“, so die IUCN. Ihr Verbreitungsgebiet, das Nordpolargebiet, leidet unter den Einflüssen des Menschen und der Veränderung des Klimas. Bis zur Mitte des 21. Jahrhundert, also etwa um das Jahr 2050, werden 2/3 der Eisbären verschwunden sein – allein aus Basis Bvon Berechnungen zum Rückgang des Meereises (Amstrup et al., 2007).

Eisbär im Arctic National Wildlife Refuge | Foto: Susanne Miller/USFWS, Lizenz: CC BY 2.0
Eisbär im Arctic National Wildlife Refuge | Foto: Susanne Miller/USFWS, Lizenz: CC BY 2.0

Zoos werden aktiv und betreiben wichtigen Artenschutz. Der Tiergarten Schönbrunn etwa unterstützt das Projekt Polar Bears International (PBI) ein Projekt, das die Art in situ schützt. Aber auch ex situ wird der Tiergarten aktiv: der Polardom, das Besucherzentrum der neuen Eisbärenwelt im Tiergarten, ist ein Arctic Ambassador Center von PBI von denen es weltweit 50 gibt. Hier findet man Bildungansgebote zum Schutz der Tiere und dadurch sollen die Besucher inspiriert werden, sich aktiv für den Schutz der Tiere zu engagieren. Ein ähnliches Konzept findet man in Hellabrunn. Im Zoo Rostock, dem Zoo, der aktueller Zuchtbuchführer ist, entsteht gerade ein Polarium: hier will man die Tiere nicht nur artgemäß ausstellen, sondern auch über die Biologie und über den Schutz der Tiere aufklären.

Das sind drei Beispiele für effektiven Artenschutz in modernen Zoos – auch deshalb arbeitet PBI mit solchen Zoos zusammen, die, ihren Ausführungen nach, eine wichtige Rolle im Schutz dieser Tiere spielen. Auch Naturfotograf Norbert Rosing sieht das so und findet: „Die Zootiere machen einen richtig guten Job“.

Fazit

Moderne Zoos halten Eisbären artgemäß und leisten einen wichtigen und benötigten Beitrag zum Schutz dieser Tiere.

Tierrechtler wollen diesen Artenschutz nun behindern und erkennen zu diesem Zweck die wissenschaftlichen Fakten und Artenschutzerfolge nicht an. Stattdessen schlägt PETA in der aktuellen Kampagne die Beendigung vor, will damit dem Artenschutz schaden und den Tieren in den Zoos sogar auch noch ganz direkt: sie sollen in einen Zuchtstopp gezwungen werden, der gegen die EU-Zoorichtlinie verstößt.

Solch schädlichem Populismus tritt man am Besten mit Fakten entgegen, da solche Kampagnen den Artenschutz schädigen. Wir möchten nicht, dass die wichtige Schutzarbeit solchen „alternativen Fakten“ von Tierrechtsorganisationen zum Opfer fallen – dafür ist die Arbeit der Akteure, seriöse Schutzprojekte gemeinsam mit Zoos, viel zu wichtig.