Auge eines Elefanten in Elephant Odyssey | Foto: Psych USD, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Elefanten-Export aus Swasiland: Wurden 18 Wildfänge in die USA exportiert?

Exklusiv für zoos.media – 18.10.2018. Autor: Philipp J. Kroiß

Immer wieder ein Thema: eine Geschichte aus dem Jahr 2016, die von 18 wildgefangenen Elefanten spricht, die in Zoos in den USA importiert worden seien. Was ist dran?

Elefanten-Export aus Sambesi: Wurden 18 Wildfänge in die USA exportiert?

Leider auch durch das Teilen schlicht falscher Artikel, die offenbar durch einseitige Information von der Tierrechtsindustrie zu Stande gekommen sind, macht ein Gerücht die Runde. WAZA-Zoos sollen 18 Elefanten der Wildbahn entnommen haben, um sie in den USA zu halten. Beispielsweise wird auf dallas.culturemap.com behauptet: “In 2016, the Dallas Zoo and two partnering zoos pulled a fast move in their battle to import 18 elephants from the wilds of Swaziland, by secretly flying them out of the country […].” Das ist schlicht gelogen.

18 Tiere kamen aus Parks

Diese 18 Tiere (3 erwachsene Kühe und 15 bereits von den Müttern unabhängig gewordenen Teenager im Alter zwischen 6 und 15 Jahren aus dem Hlane Royal National Park and Mkhaya Game Reserve) kamen aus den Big Game Parks (BGP) in Swasiland. Diese Parks haben mit der Wildbahn nicht wirklich etwas zu tun, obgleich es vielleicht auf dem ersten Blick anders aussehen mag. Tatsächlich ist zum Beispiel der Hlane Royal National Park ein eingezäunter Park, in dem es noch mal innerhalb Zäune gibt, durch die zwar Kleintiere passieren können, aber die Großtiere eben nicht. Die großen Säugetiere bleiben somit nur je in bestimmten Bereichen. Der Park selbst ist im Prinzip vollständig touristisch erschlossen. Es gibt Übernachtungsmöglichkeiten, zahlreiche Tour-Angebote – mit Wildbahn oder unberührter Natur hat das im Prinzip nichts zu tun. Der andere Park funktioniert mit vergleichbarem Konzept.

Wir haben es also nicht von Tieren “from the wilds of Swaziland” zu tun. Sie leben in groß und wild anmutenden Parks, weil eben viele Arten nur noch in solchen geschützten Arealen überhaupt überleben können. Geschützte Areale haben aber den naheliegenden Vorteil, dass die Tiere eben auch durchaus gut überleben und auch natürlicherweise reproduzieren. Das führt nun dazu, dass es teils zu viele Tiere gibt. Zu viele Tiere in einem geschützten Bereich bedeuten aber auch, dass die Lebensqualität aller sinkt. Warum? Es gibt ja eben für Elefanten nur eine begrenzte Anzahl an Nahrungsressourcen. Zu viel Konsum von einer zu großen Masse bedeutet, dass es weniger für alle gibt und der Konsum nicht nachhaltig ist.

Aus diesem Grund gab es schon 2003 einmal einen Transport von überzähligen Tieren in Zoos, was immerhin besser ist, als sie zu euthanasieren, was die andere Alternative wäre. Im aktuelleren Fall, um den es hier geht, gab es nun eine Kooperation zwischen den Big Game Parks, eine non-profit-Organisation, und dem Dallas Zoo (Texas), Omaha’s Henry Doorly Zoo and Aquarium (Nebraska)) sowie dem Wichita’s Sedgwick County Zoo (Kansas) – allesamt akkreditierte, moderne zoologische Einrichtungen. Zu dieser Zeit kam auch noch eine Dürre erschwerend hinzu – das heißt, es gab zu wenig Nahrungsressourcen in den abgesperrten, geschützten Bereichen, damit alle überleben. Letztendlich also eine Win-Win-Win-Situation für alle: die Tiere bleiben am Leben und bekommen ein tiergerechtes, neues Zuhause, die Zoos erhöhen die genetische Diversität des Zuchtprogramms, die BGP bekommt Geld, das in ihre Arbeit für eine nachhaltige Verbindung von Artenschutz und Tourismus fließt.

Was haben denn die Aktivisten dagegen?

Nun, die Aktivisten mögen eben keine Zoos. Das ist letztendlich der Grund. Jede Tierhaltung soll ausgemerzt werden und zwar völlig unabhängig davon, ob sie objektiv sinnvoll ist oder nicht. Das wird dann aufgeladen mit allerlei Populismus: aus Park-Tieren werden dann, zum Beispiel, plötzlich Wildtiere. Ebenso wird die Frage gestellt, warum man die Tiere nicht auswildert, in ein Land, in dem pro Tag so und so viele Elefanten gewildert würden – die Antwort gibt man sich in der Frage ja quasi schon selbst: warum soll man Tiere auswildern, die ohnehin recht schnell abgeknallt werden? Das wäre sinnlos.

Es gibt sogar Beschwerden, dass man in den Parks nicht verhüten würde. Das wiederum würde ja aber dem Sozialleben der Tiere widersprechen, die man im Zoo aber gut nachempfinden kann. Warum soll man also Elefanten in eine nicht natürliche Sozialumgebung zwingen, wenn man es auch anders und besser lösen kann? Auch das würde ja keinen Sinn ergeben. Diese Tiere sind in Not, weil es nicht genügen Platz bzw. Nahrung für sie gibt, aber Zoos haben die Möglichkeit solches zu bieten – das ist für die Tiere die allerbeste sämtlicher möglicher Optionen. Es ist ja nicht so als kämen die Tiere in schlechte Hände, sondern sie werden aktuell von Experten mit viel Liebe und großem Respekt versorgt.

Aktivisten mit fragwürdigen Ansätzen

Zoogegner lehnen natürlicherweise Zoos ab. Ihr Ansatz sind “Sanctuaries”. Diese haben aber diesen euphemistischen Namen nicht verdient, denn letztendlich sind sie Endlager. Tiere werden hier in Gehegen unter Zoo-Standards ohne ohne jede Möglichkeit der Zucht gehalten. Ein Beispiel ist da, was etwa in einer solchen Einrichtung, die in Verbindung mit der Born Free Foundation steht, passiert.  Gemeinsam mit Vertretern des NABU besuchten Wolfgang Kiessling und sein Sohn Christoph im Spätherbst 2015 eine Auffangstation der Born Free Foundation in Äthiopien. Das „Zentrum” Esessakotteh, 30 Kilometer von Addis Abeba entfernt, beherbergt unter anderem Löwen. Dort sind auch für diese Tiere Gehege zu finden, die mit gerade einmal 300 Quadratmeter Fläche alles andere dem gängigen Standard entsprechen.

Im Zentrum sprach die Reisegruppe mit dem vor Ort verantwortlichen Mitarbeiter der Born Free Foundation, den Education und Outreach Officer Mr. Million Genta. Bezeichnend ist sicherlich auch, dass der Mitarbeiter der Born Free Foundation dort ein Gehege von gerade einmal 300 Quadratmetern, und somit einer Fläche, die nur etwas größer ist als ein Tennisplatz, aber merklich kleiner als ein Basketballfeld, als „groß” bezeichnet. Kaum tiergerecht ist auch, dass in dem Gehege, vor dem er beim Gespräch stand und das auch diese Maße hat, ein drei Jahre alter Löwe, zu diesem Zeitpunkt sind die Tiere körperlich ausgewachsen, allein lebt – ein Zustand, den es in modernen Tierhaltungen nur in Ausnahmefällen in Übergangsphasen gibt.

Die in dieser Auffangstation der Born Free Foundation gepflegten sieben Löwen sind aufgrund ihrer Geschichte alle nicht auswilderungsfähig. Zwei der Tiere sind Handaufzuchten und folglich zu menschenfreundlich zur Auswilderung, zwei andere hatten dadurch, dass sie vormals von Steine werfenden Menschen gequält worden waren, starke Aggressionen gegen Menschen. Lediglich ein aufgrund einer in der Vergangenheit eingewachsener und dadurch seine Halswirbel schädigenden Kette erblindeter Löwe in dieser Station hatte eine Partnerin. Zucht war allerdings nicht erlaubt, was zu einer für Löwen unnatürlichen Sozialkonstellation führt.

Zwar betont die Born Free Foundation, dass es sich bei ihrer Auffangstation nicht um einen Zoo handelt, aber dennoch kann man diese Anlage besuchen. Und zwar wird dies von dem besagten Mr. Million Genta (Gemea) organisiert, der offenbar gleichzeitig auch Inhaber von Erekata Tour bzw. Milly Ethiopia Tours ist. Interessenten für einen Besuch der Auffangstation werden unter Angabe der Mailadresse erekata_tour[at]yahoo.com von der Born Free Foundation auch genau darauf hingewiesen. Wie praktisch, dass Herr Million hier sein Business mit der Born Free Foundation verknüpfen kann, nicht wahr? Aber das ist wohl nur reiner Zufall.

Solche Endlager sind das, was Aktivisten als Idealfall von Tierhaltung bezeichnen. Über das Schreckens-Sanctuary der Aktivisten für Elefanten in Tennessee hatten wir auch bereits mehrfach berichtet – zum Beispiel hier. Andere Optionen nennen die Aktivisten nicht. Zusammenfassend kann man deren Lösungsansätze für solche Elefanten auf zwei Hauptzweige verdichten: Tötung oder tierquälerische Haltung.

Elefanten kamen aus guten Gründen in die USA

Somit war der Transport in Ermangelung anderer Option eben die wirklich beste Alternative für die Tiere. Im Artikel, den wir oben als Ausgangspunkt nahmen, ging es darum, das zwei der Tiere aus dem Dallas Zoo angeblich heimlich verschifft worden wären. Mehr dazu liest man dann im öffentlichen Statement des Zoos zu diesem Transport:

Man sieht also sehr schnell, dass es hier keinen Skandal gibt. Die Zoos haben Tiere in Zeiten der Not gerettet, denn die Dürre zu diesem Zeitpunkt war wirklich heftig. Für die Zukunft wird es in Afrika wichtig sein, solche Schutzgebiete immer weiter zu vergrößern und schließlich keinen kompletten Schutz zu ermöglichen, damit die Elefanten Afrikas auch außerhalb geschützter und eingezäunter Schutzgebiete, eine Zukunft haben. Moderne Zoos und Aquarien arbeiten täglich daran, dass das Wildleben in Afrika nicht weiter zurückgedrängt wird und schließlich irgendwann verschwindet. Dafür sind Zuchtpopulationen der Tiere enorm wichtig, um die notwendige Edukations- und Forschungsarbeit zu machen, die Artenschutzprojekte erst ermöglichen.