Scharnierschildkröte im Aquazoo Löbbecke Museum, Düsseldorf | Foto.: zoos.media

Express über Zoos: Fragwürdige Berichterstattung

Exklusiv für zoos.media – 01.02.2019. Autor: Philipp J. Kroiß

Der Artikel spricht über eine fragwürdige Berichterstattung des Express über zoologische Einrichtungen. Das reiht sich nahtlos in einige vergleichbare, unseriöse Artikel.

Express über Zoos: Fragwürdige Berichterstattung

“Sind Zoos überhaupt noch zeitgemäß?”, fragt der Express. In einer Zeit, in der die akkreditierten zoologischen Einrichtungen des VdZ mehr Besucher als die Bundesliga Stadion-Zuschauer hat, wirkt die Frage schon ziemlich aus der Zeit gefallen. Dass Paulina Meissner, die den vorliegenden Artikel verfasste, allerdings von der Materie anscheinend nicht viel Ahnung hat, zeigt schon ihr Aufhänger.

Aufhänger mit längst widerlegten Anschuldigungen

Delfine springen bei der edukativen Vorstellung im Zoo Duisburg vor vollen Rängen. | Foto: zoos.media

“Schon länger stehen Zoos aufgrund einer nicht-artgerechte Haltung der Tiere in der Kritik. Jüngste Meldungen von Delfinen unter Valium oder Fotos eines zerbissenen Bonobo-Affen, haben diese nur noch verstärkt”, schreibt die Journalistin.

  1. Der Begriff “artgerecht” ist verhaltet und ist keine Bezeichnung für die bestmögliche Haltung von Tieren – mehr dazu hier.
  2. Delfine stehen in akkreditierten Zoos nicht unter Valium. Auch in diesem Fall von haltlosen Verdächtigungen der Tierrechtsindustrie gegen den Duisburger Zoo haben wir ausführlich berichtet.
  3. Der Fall von Bonobo Bili wurde vom Zoo selbst sehr transparent behandelt. Das Tier ist auch nicht “zerbissen”, sondern hat einige Blessuren von artgemäßen Rangkämpfen davon getragen – so sind Bonobos zu mal. Wer mit natürlichem Verhalten nicht umgehen kann, der sollte sich besser nicht mit Tieren beschäftigen.

Hier werden also nachweislich Fake News verbreitet. Aber es geht sogar noch weiter: “Ein Zoobesuch kommt daher für viele nicht mehr infrage.” Dann ist also auch Fußball eine total unpopuläre Sportart, weil in Deutschland ja kaum noch einer hingeht. Denn, wenn man schon schreibt, dass ein Zoobesuch “für viele nicht mehr infrage käme”, dann ist es ja um die populärste Sportart in Deutschland offenbar noch schlechter bestellt – Schockschwerenot!

Tierschützer werden mit Tierrechtlern verwechselt

Dass jemand offensichtlich seine Hausaufgaben nicht gemacht hat, wenn man, mit Verweis auf Tierschützer, PETA zitiert, dürfte eigentlich klar sein. Beim Express ist das offenbar noch nicht angekommen. Unter der Überschrift “Tierschützer unterstellen rein wirtschaftliches Interesse”, findet sich nämlich folgende Passage:

“„Wir setzen uns grundsätzlich dafür ein, dass die Tierhaltung in Zoos ausläuft“, so Dr. Yvonne Würz, Fachreferentin für Zoo und Zirkus bei Peta. Zoos seien lediglich „Gefängnisse für die Tiere“. […] Dass die Besucher und besonders Kinder so etwas über die Tiere lernen können, sei kein Argument. „Die Kinder erleben die Tiere in Gefangenschaft. Dort können sie ihre natürliche Lebensweise gar nicht ausführen“, so Würz. “

Auf andere Organisationen, die wirklich Tierschützer repräsentieren würden, wird gar nicht verwiesen. PETA sagt aber selbst: “Wir machen gar keinen Tierschutz“. Dass Zoos übrigens in Wirklichkeit keine Gefängnisse sind, ist genauso überflüssig zu erwähnen, wie, dass man Frau Würz nicht unbedingt als Expertin in diesen Fragen ansehen kann – mehr zu ihr liest man hier. Das PETA über Zoos und Aquarien systematisch falsch informiert, kann man in diesen Artikeln lesen:

So lügt PETA über Zoos

PETAs “Zoo-Hintergrundwissen” hat mit Wissen nichts zu tun

Das PETA-Audioportal: Lügen über Zoos, Aquarien & Delfinarien

Dass Zoobesucher in Zoos nichts lernen, ist auch schon mehrfach wiederlegt wurden. Ein Artikel von vielen auf dieser Seite, gibt es hier:

Zoo-Edukation funktioniert!

Wenn Interviewpartner solche eklatanten Lügen verbreiten, gebührt es eigentlich dem Respekt vor dem Leser, darauf aufklärend hinzuweisen. Es ist nämlich nicht Aufgabe von Journalisten einfach extreme Positionen zu referieren, sondern es gehört zur Sorgfaltspflicht, Fehl- und Desinformationen zu enttarnen und nicht unkommentiert zu zitieren.

Licht und Schatten

Immerhin aber wurden ja tatsächliche Experten aus dem Grünen Zoo Wuppertal und dem Aquazoo Löbbecke Museum zu Rate gezogen und die Meinung der Grünen in Wuppertal referiert: “Gäbe es heute keine Zoos, müsste man sie erfinden!” Es ist nur schade, dass diese wichtigen Zitate in so einem defizitären Artel eingebettet sind, in dem auch eine offensichtliche, laikale Pseudo-Expertin wie die PETA-Vertreterin zu Wort kommt. Hier entsteht eine deutliche Schieflage in der Berichterstattung, denn es wird so getan, als habe Würz ansatzweise so viel Kompetenz wie Menschen, die wirklich seit Jahren mit Tieren in Menschenobhut sehr erfolgreich in Zoos zusammenarbeiten, was bei ihr nicht der Fall ist.

Über die Erhaltungszucht und weitere Artenschutzprojekte im Aquazoo Löbbecke Museum, was leider im Artikel nur am Rande erwähnt wird, haben wir übrigens schon mehrere Videos veröffentlicht:

Das zeigt auch wie wichtig moderne und akkreditierte Zoos und Aquarien sind. Deshalb sind sie auch natürlich zeitgemäß, weil sie gebraucht werden, denn viele Arten haben keine Chance ohne sie zu überleben. Ebenso wurden bereits viele Arten gerettet, die bereits ausgestorben wären, wenn es keine zoologischen Einrichtungen gegeben hätte. Auch vor diesem Hintergrund ist die Frage mehr als lächerlich.

Nichtsdestotrotz sollte man kritisch mit Zoos und Aquarien umgehen – das tun wir auch. Kritik bedeutet aber auch Fairness und eben nicht, Populismus, Fehlinformationen und Lügen gegen zoologische Einrichtungen ins Feld zu führen. So zu tun, als hätten dahergelaufenen NGO-Mitarbeiter mehr oder gleich viel Expertise wie erfahrene und erfolgreiche, sowie renommierte Experten, ist schlicht nicht fair. Das ist kein exklusives Problem vom Express, sondern eine Unart in vielen Medien und bei vielen Themen. Leider füttert dies genau die Interessengruppen, die Medien insgesamt mit dämlichen Rufen wie “Lügenpresse!” schlecht machen wollen, obwohl es ja durchaus nicht wenige Journalisten gibt, die hervorragend arbeiten.