Ein Southern Resident Orca des L-Pod jagt einem Lachs nach. | Foto: Kevin Nichols, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Inzucht in bedrohter Orca-Population höher als gedacht

Erschienen auf zslpublications.onlinelibrary.wiley.com am 16.04.2018. | Von: M. J. Ford, K. M. Parsons, E. J. Ward, J. A. Hempelmann, C. K. Emmons, M. Bradley Hanson, K. C. Balcomb und L. K. Park

Eine neue Studie hat nun zu Tage gebracht, dass die Inzucht in der bedrohten Orca-Population der Southern Residents weit höher ist als gedacht. Eine schlechte Nachricht für den Schutz der Population.

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Hinweis: Zu der ohnehin schlechten Reproduktionsrate, kommt nun auch noch eine hohe Inzuchtrate. Letztendlich würden zwei Männchen “alle Arbeit” machen, wie es ein Co-Autor ausdrückte. Das sind keine guten Aussichten für die Population. Obgleich das Ausmaß überraschend war, ist seit langem bekannt, dass Inzucht unter Delfinen etwas ziemlich normales ist. Die sexuell sehr aktiven Tiere ignorieren dabei entweder die Verwandtschaft oder sie ist ihnen schlicht unbekannt.

Was wir hier erleben, ist das Ergebnis einer Entwicklung, die man bei vielen Populationen beobachtet: Es findet eine Verinselung der Populationen statt – und zwar durch Eingriffe in den Lebensraum. Anschließend gehen die Population an genetischer Armut zu Grunde. Deswegen ist (genetischer) Austausch so wichtig.

Die Tatsache, dass Orcas sich sehr schnell an Menschenobhut gewöhnen, macht es auch unmöglich, hier durch Auswilderungen der Population unter die Arme zu greifen. In modernen Haltungen ist es möglich die Tiere auf Artificial Insemination (AI) zu trainieren und so auch eine Population genetisch zu managen. Mit wilden Tiere geht das nicht. Hier wäre nur ein schneller Fang und eine Besamung unter Zwang theoretisch möglich. Diese Praktik, die schon viele Jahre aus der Delfinhaltung veschwunden ist, weil sie durch freiwilliges Training ersetzt werden konnte, könnte der Population unter die Arme greifen, würde aber ein Pionierprojekt erfordern und wäre sehr kompliziert durchzuführen, da die Tiere keine positive Assoziation damit verbinden dürfen, weil man sonst an Boot gewöhnte Weibchen und Kälber produziert, die das Problem eher verschlimmern als lösen.

Ob es reelle Chancen für so einen Eingriff gibt, ist fraglich, denn die Tierrechtsindustrie drängelt sehr in die Schutzprojekte der Orcas ein und es könnte im Bereich des Möglichen liegen, dass Menschen, wie etwa K. C. Balcomb, die so an der Populismusmaschinerie gegen Delfinhaltung beteiligt sind, sich hier nicht gegen einen Versuch stemmen würden, ähnlich wie Sea Shepherd das bei den Vaquitas tat und tut. Zukunftsprognosen zur genetischen Populationsentwicklung sind schwierig und brauchen Zeit – ob die Southern Residents diese Zeit aber noch haben, ist fraglich.