Kleiner Schwertwal (Pseudorca crassidens) im Sea Life Park Hawaii (1993) | Foto: Stefan Thiesen Buntrabe, Lizenz: CC BY 3.0

Kleiner Schwertwal auf Hawaii versteckt?

Exklusiv für zoos.media – 11.02.2017. Autor: Philipp J. Kroiß

Unser Autor beschäftigt sich mit einem Artikel einer Tierrechtler-Seite, die für das Betteln um Klicks bekannt ist.

Kleiner Schwertwal auf Hawaii versteckt?

Die Tierrechtler-Zeitschrift ‚The Dodo‘ behauptet dies in einem Titel, der einfach nur Click-Baiting ist. Der Transport des Tieres war bekannt und in den Medien. Ein Versteckspiel erkennt man nicht.

Wie das Tier nach Hawaii kam

Nach einem Wildfang vor Jahrzehnten und einer darauffolgenden Unterbringung in einem fragwürdigen Delfinarium, nahm sich die US-Navy dem Tier an und verbrachte es endlich in ordentliche Haltung. Sie wurde Teil der Forschung des Hawaii Institute of Marine Biology auf Coconut Island, wo sie an wichtigen Forschungen zur Echolokation teilnahm.

Nun in den Händen seriöser Wissenschaftler, die die Treibjagden, aus denen sie anscheinend stammt, ablehnen und bewahrt vor inadäquater Haltung, half sie ihre Art besser zu verstehen. Forschungen zur Echolokation sind wichtig, um zum Beispiel Beifang zu reduzieren.

Forschungen sind aber auch sehr teuer und die Haltung der Tiere wurde der Universität zu viel – so ging es schon anderen Hochschulen vor ihnen. Deshalb ging man eine Partnerschaft mit dem Sea Life Park in Hawaii ein. Die Tiere kamen dorthin, aber die Forschung durfte weitergehen.

Delfinische Partner

Kina, der kleine Schwertwal (auch: falscher Schwertwal oder Pseudorca), der inzwischen rund 40 Jahre alt ist, wird und wurde, in der ordentlichen Haltung in den Staaten, natürlich nicht alleine gehalten. Seine Partner sind zwei Große Tümmler, die sie auch ihrer Zeit auf Coconut kennt. Ähnliche artgemischte Gruppen findet man auch in der Wildbahn.

Das Tier lebt auch im Sea Life Park nicht allein, obgleich ‚The Dodo‘ einen gegenteiligen Eindruck erweckt, sogar die eigenen Fotos zeigen offene Gates. Zur Gruppe ist inzwischen ein weiterer Großer Tümmler gestoßen. Über den Tag verteilt ist die Gruppe in wechselnder Besetzung zusammen und die Tiere werden beschäftigt, wie man aus dem Park hört. Nachmittags sollen dann alle Gates offen sein.

Kleiner Schwertwal (Pseudorca crassidens) im Sea Life Park Hawaii (1993) | Foto: Stefan Thiesen Buntrabe, Lizenz: CC BY 3.0
Kleiner Schwertwal (Pseudorca crassidens) im Sea Life Park Hawaii (1993) | Foto: Stefan Thiesen Buntrabe, Lizenz: CC BY 3.0

Fragwürdige Quellen beim Dodo

Die komplette Argumentation stützt ‚The Dodo‘ auf ausgewiesene Tierrechtler – besonders auf eine: Natalie Parra, eine fanatische Tierrechtlerin, die unter dem Namen „Keiko Conservation“ zum Beispiel Anti-Delfinarien Merchandising verkauft (u.a. T-Shirts für 20-30 Dollar das Stück). Natürlich wird sie die Haltung negativ darstellen, sonst kann sie ja den ganzen Merchandising-Shop vergessen, der sich ja an eine entsprechende Klientel wendet, die Delfinarien aus ideologischen Gründen ablehnt.

Natürlich wird auch Ric O’Barry befragt, der vorschlägt, sie solle doch in ein Sanctuary in Japan – etwa ‚Mikura Island‘, denn dort würden Delfine beschützt und respektiert. Ein Problem gibt es dabei allerdings: Dort gibt es kein Sanctuary und wilde Delfine werden dort touristisch ausgebeutet. Das einzige, was es dort gibt, sind Tauchprogramme mit wilden Delfinen, die man an Menschen gewöhnt – also genau das, was man in Hawaii gerade aus guten Gründen verbieten will.
O’Barry wurde bereits wegen falschem Umgang mit Delfinen verurteilt und verdient daran, gegen Delfinarien zu sein. Er ist also nicht so wirklich der Mensch, den man fragen sollte, wenn es um das Wohlergehen dieser Tiere geht. Aber am Schluss des Artikel liest man dann natürlich noch einen Spendenaufruf an seine Organisation. Das zeigt schon welche Färbung dieser Artikel hat.

Was ist das für ein Park?

Der Sea Life Park in Hawaii gehört zur „Parques Reunidos“-Gruppe, die auch den Movie Park Germany unterhält. Ebenso gehören zur Gruppe das Marineland in Antibes (Frankreich), das Miami Seaquarium (USA) und L’Oceanografic in Valencia (Spanien).

Der Sea Life Park auf Hawaii ist von der AZA akkreditiert und hat jährlich knapp eine starke Zuschauerschaft von fast einer Dreiviertel Millionen. Zudem ist der Park AMMPA-Mitglied. Deshalb muss sich der Park höchsten Anforderungen gerecht werden, was die professionelle Pflege seiner Tiere und u.a. den Artenschutz anbelangt.

Erneut versucht sich ‚The Dodo‘ mal wieder in desinformierender, einseitiger und voreingenommener Berichterstattung. Ernstzunehmen sind die journalistischen Versuche der Plattform, die hauptsächlich auf Click-Baiting – etwa durch putzige Tiervideos – ausgerichtet ist, nicht, aber so ein Vorgehen ist hochgradig unseriös und wird leider von zu vielen doch ernst genommen. Wahrheit ist aber bei ‚The Dodo‘ ausgesorben, denn die ist im Geschäftsmodell wohl nicht enthalten. Es wäre wünschenswert, dass eine Seite, die ein ausgestorbenes Tier im Namen trägt, sich wenigstens für Artenschutz stark machen würde, statt den Steigbügelhalter für Tierrechtler-Spendenkampagnen und stumpfen Populismus zu spielen, die dafür sorgen wollen, das Artenschutz behindert und Artensterben dadurch begünstigt wird.