Schmiererei radikaler Veganer | Quelle: oFace Killah/Flickr CC BY 2.0

Nationale Konferenz der Tierrechtler 2018: Was Aktivisten so erzählen

Exklusiv für zoos.media – 22.08.2018. Autor: Philipp J. Kroiß

In den USA wurde die Nationale Konferenz der Tierrechtler abgehalten und was dort gesagt wurde, wirft ein Schlaglicht auf die Tierrechtsindustrie.

Nationale Konferenz der Tierrechtler 2018: Was Aktivisten so erzählen

In den USA gibt es Zusammenkünfte der Tierrechtsindustrie, die allerdings auch von Tierhaltern besucht werden und die dann darüber berichten – wie etwa die Animal Agriculture Alliance. Sie schreibt ebenso Aussagen von Sprechern auf der Konferenz nieder, die durchaus spannend sind, weil sie ein Schlaglicht auf die Ideologie der Tierrechtsaktivisten werfen.

“Es geht um leere Käfige”

Tigerbaby im Big Cat Rescue (Tampa, Florida): es wird nie Nachkommen haben dürfen. | Foto: Tony Webster, Lizenz: CC BY 2.0

Zu häufig werden Tierschützer und Tierrechtler noch verwechselt, doch auch auf dieser Konferenz wurde erneut klar gestellt, warum das grundlegend falsch ist.

“Animal rights is different from animal welfare. It’s not about better cages; it’s about empty cages.”  – Anita Krajnc, The Save Movement
[Deutsch: “Tierrechte ist etwas anderes als Tierschutz. Es geht nicht um bessere Käfige; es geht um leere Käfige.”]

Obgleich die Tierrechtsszene das immer wieder beteuert und sich, vor allem intern, vom Tierschutz abzugrenzen versucht, genießen sie doch auch gerne die Vorteile, wenn man sie als Tierschützer bezeichnet und wahrnimmt. Das ist ein interessanter Tanz auf dem Schwebebalken des Opportunismus. Wahrscheinlich wissen die Tierrechtler nämlich sehr genau, dass ihre Thesen, wenn sie umfänglich bekannt würden, dem Spendenfluss schaden. Das ist gut zu sehen an diesem Beispiel:

“Owning another living being is an act of violence.” – Ashley Capps, Mothers Against Dairy and A Well-Fed World
[Deutsch: “Ein Lebewesen zu besitzen, ist ein Akt der Gewalt.”]

Chihuahua Maya – von PETA den Besitzern entwendet und getötet | Foto von http://whypetakills.com (Nathan J. Winograd)

Hier verurteilt man mal eben alle Tierhalter als gewalttätige Monster. Das ist eine spannende Aussage, wo sich doch die Tierrechtsindustrie so gerne gerade an bestimmte Tierhalter, man muss schon fast sagen, heranschleimt. Wenn man unter sich ist, macht man aber auch keinen Hehl daraus, radikale Kräfte für sinnvoll zu erachten, während man sich ja sonst eher als gemäßigt nach außen hin verkaufen will:

“Our movement must adopt all avenues, the methodical and radical.” – Simone Reyes, Tierrechtsaktivisting und Autorin bei One Green Planet
[Deutsch: “Unsere Bewegung muss alle Wege annehmen, die methodischen und die radikalen.”]

“Using any means necessary is morally and ethically responsible.” – Dr. Jerry Vlasak, Gründer des North American Animal Liberation Press Office
[Deutsch: “Alle notwendigen Mittel zu nutzen ist moralisch und ethisch verantwortlich.”]

Immerhin ehrlich ist, dass man auch kein Geheimnis mehr daraus macht, dass man gar nicht den Anspruch hat, die Wahrheit zu verbreiten oder gar Experte zu sein, sondern nur etwas in seinem Sinne verändern möchte:

Der Schwarzfußiltis (Mustela nigripes) wurde auch durch die Arbeit von Zoos gerettet. | Foto: Kimberly Fraser / USFWS Mountain-Prairie, Lizenz: CC BY 2.0

“You don’t even have to be an expert or tell the truth to make change.” – Barbara Gates, Lean Green Kids
[Deutsch: “Du musst nicht mal ein Experte sein oder die Wahrheit erzählen, um etwas zu verändern.”]

“It’s not up to science to say what’s right or wrong, it’s up to communities.” – Erica Meier, Compassion Over Killing
[Deutsch: “Es liegt nicht an der Wissenschaft zu sagen, was richtig oder falsch ist, es liegt an den Gemeinschaften.”]

Passend zu dem letzten Satz, der jede Errungenschaft der Aufklärung über Bord war, wurde es sogar Religion instrumentalisiert:

“We are accountable at the gates of Heaven for how many people we lead to veganism and how many we don’t.” – Rabbi Dr. Shmuly Yanklowitz, Jewish Vegan Movement
[Deutsch: Wir sind vor den Pforten des Himmels dafür verantwortlich, wie viele Menschen wir zum Veganismus führen und wie viele wir nicht.]

Wer war dabei?

Vielleicht anders als die bisher genannten Personen vermuten lassen, durften natürlich auch die “dicken Fische” auf der Konferenz nicht fehlen. So waren die HSUS, PETADirect Action Everywhere (DxE), der Animal Legal Defense Fund, das Farm Animal Rights Movement (FARM), Compassion Over Killing (COK) und Mercy For Animals als bekanntere Gruppen vor Ort.

Die Szene lieferte sich also ein Stelldichein. Wie die allerdings alle verknüpft sind, sieht man gut an diesem Netzwerk:

Here are two charts created by the Animal Agriculture Alliance that show how animal rights extremist organizations are…

Gepostet von Protect The Harvest am Donnerstag, 9. August 2018

Starker Fokus auf die Reproduktionsrechte von Tieren

Die Orca-Show “Believe” in SeaWorld. | Foto: Michael Lowin, gemeinfrei

Man würde den Tieren nicht erlauben das zu sein, was sie so gut könnten: Mutter. So beschrieb es Susie Coston, denn Eier von Hennen oder Milch von Kühen zu nutzen wäre eine Ausbeutung weiblicher Tiere. Hier versuchte sie natürlich auch den Feminismus zu triggern, womit sie auch auf der Konferenz nicht alleine war, was natürlich vor dem Hintergrund der Enthüllung im Bereich #ARmetoo ziemlich lächerlich wirkte.

Es ist aber auch sehr interessant, dass man in der Landwirtschaft plötzlich auf den Rechten für Tiere beharrt, die man ihnen in Zoos und Aquarien komplett wegnehmen will – obgleich dies Tierquälerei bedeuten würde. Man bejubelt die auf lange Sicht tierquälerische Entscheidung von SeaWorld eines Zuchtstopps für Orcas, verkauft sich aber im Bereich der Landwirtschaft als Vorreiter der Rechte auf Reproduktion? Nun könnte man argumentieren, dass konsistente Positionen natürlich noch nie eine Stärke der Tierrechtsindustrie waren.

Man sieht aber auch daran wieder gut wie sehr man darum kämpft, das Fähnchen im Wind zu spielen, damit sich bloß jeder Spender irgendwie in die Ideologie einordnen kann. Nachdenken und Hinterfragen stört da nur und das will man ja auch nicht wie sich aus den Aussagen oben ergibt. Letztendlich wirkt diese Ideologie wie ein schlechter Scherz, aber man muss sie ernst nehmen, weil sie Tier-, Arten- und Naturschutz bedroht.

Weiterführende Artikel:

Tierrechte, Menschenrechte & Zoos

Was würde passieren, wenn Tierrechte deklariert werden?

PETA: “Wir setzen uns nicht für ein “Recht auf Leben” für Tiere ein”