Orcababy im Loro Parque nimmt an wichtiger Forschung Teil | Foto: Loro Parque

Loro Parque: Forschung zur Echo-Ortung bei Orcas

Exklusiv für zoos.media – 31.12.2018. Autor: Philipp J. Kroiß

Wie entwickelt sich die Echo-Ortung bei Orcas? Dieser Frage gehen Wissenschaftler aktuell im Loro Parque nach und das Orca-Baby hilft dabei fleißig mit.

Loro Parque: Forschung zur Echo-Ortung bei Orcas

Moderne Zoos und Aquarien sind Orte der Forschung – häufig auch eben gerade solcher, die man in der Natur gar nicht durchführen kann. Im Loro Parque läuft gerade eine wissenschaftliche Untersuchung im Bereich der Grundlagenforschung. Dabei geht es darum, die Entwicklung der Echo-Ortung bei Schwertwale zu erforschen.

Wie entwickelt sich die Echo-Lokation?

Orca mit Kalb im Loro Parque | Quelle: Loro Parque

Orca-Dame Morgan hat ein gesundes Baby zur Welt gebracht und beide leben aktuell im Orca Ocean, einer der modernsten Installationen für Orcas weltweit im vielfach ausgezeichneten Loro Parque auf Teneriffa. Diese Geburt war nicht nur eine große Freude für die vielen Orcafreunde weltweit, die begeistert Anteil nahmen, sondern auch für Wissenschaftler. Den kritisierenwürdigen Zuchtstopp in SeaWorld hatten Wissenschaft sehr bedauert und umso wichtiger war natürlich die Geburt im Loro Parque, um wichtige Forschungsfragen zu klären für die man Schwertwale in Menschenobhut dringen braucht.

Schwertwale orientieren sich unter anderem mit einem Echo-System: sie senden bei Bedarf so genannte Klicks aus, die deren Echo dann genutzt wird, um sich unter Wasser zu orientieren, wenn das mit den Augen nicht möglich ist. “Derzeit gibt es keine ausreichenden Informationen zu dem Thema, sodass nicht klar ist, ob es sich um ein erlerntes Verhalten der Cetaceen handelt oder ob es angeboren ist, beziehungsweise ab welchem Moment sich diese Fähigkeit entwickelt”, erklärt der Loro Parque in seiner Pressemitteilung. Die Echo-Lokation von Walen zu verstehen, ist auch für ihren Schutz wichtig, denn man muss die Entwicklung verstehen, um die Auswirkungen von akustischer Umweltverschmutzung zu verstehen.

Zusammen mit Wissenschaftlern aus Dänemark geht es nun um genau dieses Thema, nämlich die Echo-Lokation und ihre Entwicklung genauer zu verstehen, damit man wichtige Grundlagenkenntnisse erwirbt, die den Tieren in der Natur zu Gute kommen sollen. Walschutz kommt von Walkenntnis. “Im Fall der Delfine deuten Aufnahmen in menschlicher Obhut darauf hin, dass sich die Echo-Ortung nach drei bis vier Wochen entwickelt, obwohl es auch andere Studien gibt, die darauf hinweisen, dass sie längere Zeit in Anspruch nimmt”, erklärt der Loro Parque, der nun mehr Licht ins Dunkle bringen will, denn während es Daten von anderen Delfinen gibt, wurden Orcas diesbezüglich noch gar nicht untersucht.

Für das Jungtier kein Problem

Das Orcababy geht entspannt mit dem Messgerät um. | Foto: Loro Parque

Das liegt einmal daran, dass SeaWorld aktuell so enorm auf der Bremse steht, was die Forschung an Orcas in jungen Jahren angeht, aber auch daran, dass natürlich sehr genau geprüft und überlegt wird, wie viel und welche Art von Forschung man den jeweiligen Jungtieren zumuten kann, denn das Wohlergehen des Tieres darf natürlich durch solche Forschung niemals beeinträchtigt werden. Da ist jedes Jungtier eben auch anders und gerade, das junge Orcas ohne Immunsystem geboren werden, wird peinlich genau auf jedes Detail geachtet. Der moderne Zoo auf Teneriffa erklärt: “Durch die periodischen Aufzeichnungen des Jungtieres kann die Entwicklung der Fähigkeit der Echo-Ortung nachempfunden werden, insbesondere im Bezug darauf, wann und wie sie sich entwickelt, bis sie das Niveau eines ausgewachsenen Tieres erreicht hat.” Solche Aufnahmen stören das Jungtier nicht, aber es ist durchaus neugierig wie auf dem Foto zu sehen.

Auch sonst geht es der Kleinen ausgezeichnet. Sie hat akustisch und visuell Kontakt zur ganzen Gruppe, zu der auch ihre Mutter gehört, aber leider produziert sie immer noch nicht genügen Milch, damit sie die Kleine ernähren kann. Das ist bei erstgebährenden Orca-Müttern auch gar nicht schlimm oder ungewöhnlich, denn in Menschenobhut ist man gut darauf vorbereit. Schlimm ist das nur in der Natur, denn dann würde das Orcababy innerhalb weniger Tage elendig verhungern. Das kann man glücklicherweise in Zoos und Aquarien sehr erfolgreich verhindern – das hat der Kleinen das Leben gerettet. Wer genau hinschaut, sieht übrigens auf dem Foto auch noch die Streifen, die für neugeborene Delfine sehr typisch sind, weil sie gefaltet im Mutterleib liegen.

Die kleine Orca-Lady nimmt auch hervorragend zu und entwickelt sich prächtig, aber man muss auch immer im Hinterkopf behalten, dass die Jungtiersterblichkeitsrate von Delfinen in der Natur sehr hoch ist und dass man auch in Menschenobhut nicht alle Faktoren ausschließen kann, die so etwas verursachen – allerdings ist die Chance auf Überleben in Menschenobhut deutlich höher. Die besonders kritische Zeit hat das Schwertwal-Mädchen auch schon gut überstanden. Grundsätzlich sieht es also sehr gut aus.

Auch den übrigen Schwertwalen geht es nach wie vor sehr gut und sicher haben auch sie dafür gesorgt, dass der Loro Parque zum Ende des Jahres hervorragende Zahlen feiern kann. Die Schmierenkampagnen von Zoogegnern hat dem modernen Zoo auf Teneriffa nicht geschadet, der auch in diesem Jahr wieder als bester Zoo der Welt das Ranking von TripAdvisor anführt.