Goriallanachwuchs im Zoo Duisburg | Foto: zoos media, Lizenz: Erlaubnis des Fotografen

Nach Elefanten-Streit in Hannover: Sind Zoos noch zeitgemäß?

Erschienen auf wetter.com am 26.12.2017.

Nachdem PETA mit einer Schmierenkampagne gegen den Zoo Hannover an Fakten gescheitert ist, fragt der Artikel, ob Zoos noch zeitgemäß wären und führt Pro und Contra auf.

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Anmerkung: Die Kontra-Seite im Artikel wird, wieder mal, vom Tierschutzbund bestückt, der den Weg der seriösen Tierschutzes immer mehr zu Gunsten von Tierrechtsforderungen verlässt. Erneut ist es wieder Denise Ade, mit deren kruden Thesen zur Zootierhaltung wir uns letztens erst auseinandergesetzt haben. Nun werden quasi die gleichen falschen Aussagen wiedergekäut – aber dadurch werden sie eben auch nicht wahr. Es ist fraglich, warum Journalisten solchen längst widerlegten Aussagen Raum einräumen.

Eisbärin Flocke im Oktober 2008 | Foto: On a highway to hell, Lizenz: CC BY 3.0

Erstes Thema der Desinformationsparade von Ade ist die Größe von Gehegen im Zoo. In modernen Zoos ist die Gehege-Größe an den Bedürfnissen der Tiere angepasst. Denise Ade behauptet somit völlig realitätsfremd, dass Elefanten, Eisbären, Delfine und Großkatzen generell viel größere Gehege bräuchten, um ihr natürliches Verhalten ausleben zu können. In Deutschland sind in den VdZ-Zoos die zur artgemäßen Haltung hinreichenden Gehege-Größen vorhanden und die Tiere können auch ihr natürliches Verhalten entsprechend ausleben. Ebenso realitätsfremd ist die Behauptung, dass wegen angeblich mangelndem Platz die Tiere Verhaltensstörungen ausbilden würden. Für moderne Zoos trifft dies nicht zu und deshalb ist auch diese Aussage, so generalisiert, völlig falsch. Es gibt durchaus Tiere, die Verhaltensstörungen in moderne Zoos mitbrachten, aber moderne Haltungen evozieren sie nicht. Das sind aber wenige Tiere in Deutschland – bei Delfinen zum Beispiel ist bekannt, dass keines der in Deutschland lebenden Exemplare Verhaltensstörungen hat.
Zu dem Satz „Studien zeigen auch, dass Tiere trauern und Stress empfinden können und sie Langeweile krank macht.“ ist zweierlei zu sagen: Einmal ist die „Trauer“ von Tieren eine Vermenschlichung von Verhaltensbeobachtungen, deren Richtigkeit bisher nicht nachgewiesen wurde, sondern in seriöser Wissenschaft auch immer als vergleichende Vermenschlichung beschrieben wird und nicht als nachgewiesene Realität. Zum Zweite: Langeweile würde Tiere krank machen, ist zu sagen, dass auch hier es kaum entsprechende Forschung gibt, die dieses Statement so generalisiert unterstützen würde. Moderne Zoos aber lassen keine negative Langeweile aufkommen, sondern bieten den Tieren Enrichments an, die sie nutzen können oder eben nicht. So entsteht keine Langeweile in schädlicher Dosierung.

Tigerzwillinge spielen im Zoo Duisburg ausgelassen mit enrichment | Foto: zoos.media

Ade lehnt sich als offensichtliche Laiin sehr weit aus dem Fenster mit ihren verallgemeinernden Aussagen, die schlicht falsch sind und nur ihre Hybris belegen, aber nicht auf die Realität hinweisen. Ihre Beobachtungen, dass Zoos zu Freizeitparks würden und die meisten Gehege zu wenig Abwechslung bieten, ist nicht nur falsch, sondern lässt sich auch aus ihrer Besucher-Perspektive gar nicht hinreichend beurteilen, um solche Aussagen zu treffen.

„Ade sagt zudem, dass Zoos kaum bedrohte Tierarten vor dem Aussterben bewahren, wie diese behaupten. «Nur wenige Zoos wildern wenige Tiere aus.»“ Erstmal ist es völlig falsch, dass wenige Arten vor dem Aussterben bewahrt, nur wenige Tiere ausgewildert würden und dies nur von wenigen Zoos gemacht wird. Viele Zoos haben Rettungsprogramme, nehmen an Auswilderungsprogrammen teil und/oder unterstützen Schutzprogramme. Man wird keinen modernen Zoo finden, der auch diese Bezeichnung tatsächlich verdient, der nicht im Arten- und Naturschutz engagiert ist. Leider gibt es aber tatsächlich Tierhalter, die sich Zoos nennen, aber letztlich keine sind, die das leider nicht tun. In der EU allerdings gibt es eine Zoodirektive, die entsprechende Aktivitäten in dem Bereich des Schutzes von Arten vorschreibt.
Ade scheint wohl der Meinung, dass der Schutz bedrohter Art sich darauf beschränke, Tiere wieder auszuwildern. Das ist ja total verfehlt und Artenschutz hat ja nicht exklusiv etwas mit Auswilderungen zu tun. Meistens sind an Schutzprogrammen mehrere Zoos beteiligt – da ist die Zucht der Tiere für eine etwaige Auswilderung, sofern sie denn überhaupt dem Artenschutz zuträglich wäre, nur ein Teil.

Goldgelbes Löwenäffchen im Loro Parque: Die Artenschutzarbeit von Zoos hat die Art gerettet. | Foto: Loro Parque

Der Tierschutzbund schlägt vor, dass „die Millionen an Steuergeldern, mit denen die mehr als 600 Zoos Deutschlands subventioniert werden, besser direkt in den Erhalt bedrohter Lebensräume eingesetzt würden“. Das ist eben das kurzsichtige Denken einer Möchtegern-Expertin und das muss man leider so hart ausdrücken. Wer denkt, dass Artenschutz nur aus in-situ-Arbeit besteht, hat den ganzen Komplex nicht verstanden. Die Arbeit ex situ, also außerhalb des angestammten Lebensraumes, ist mindestens genauso wichtig, da dort wichtige Forschungen und Erfahrungen gesammelt werden. Zudem erreicht man durch die Haltung ein Zielgruppe mit Edukation, die meist deutlich mehr Möglichkeiten hat, Arbeit und auch Geld in die Projekte zu stecken, als es in den Herkunftsländern der Tiere der Fall ist.
Einfach nur Geld in Projekte zu pumpen, ist viel zu kurzfristig gedacht, denn was es braucht ist auch Know-How, Forschung und weitere Unterstützung. Moderne Zoos leisten ja viel mehr Unterstützung, die weit über das allein Finanzielle hinausgeht – genau das ist ja auch, was Artenschützer an Zoos als Kooperationspartner besonders schätzen: genau die Form der Unterstützung, die man nicht mit Geld kaufen kann.