Wayne Pacelle beim Handshake mit Representative Sherwood (2014) | Foto: DesertHiker81, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Nach Sex-Vorwürfen: Wayne Pacelle tritt als CEO der HSUS zurück

Exklusiv für zoos.media – 04.02.2018. Autor: Philipp J. Kroiß

Nach Anschuldigungen wegen sexuellem Missbrauch nimmt der Chef-Populist der Tierrechtsszene in den USA, Wayne Pacelle, den Hut und zieht sich zurück.

Nach Sex-Vorwürfen: Wayne Pacelle tritt als CEO der HSUS zurück

Nach Vorwürfe wegen sexuellem Missbrauch tritt der langjährige CEO der Humane Society of the United States (HSUS), Wayne Pacelle, zurück, wie die New York Times berichtete, obgleich die HSUS ihn nach Abstimmung als CEO, trotz allem, behalten wolle. Mit dieser überraschenden Entscheidung wolle er Platz machen, um einen Nachfolger zu suchen. „Ich trete sofort zurück, um diesen Prozess zügig voranzutreiben und Ablenkungen im besten Interesse aller Parteien zu vermeiden“, erklärt er. Tatsächlich war die HSUS durch die angeblichen sexuellen Übergriffe ihres CEOs so unter Druck geraten, dass sich Spender zurückgezogen haben und zurückziehen wollten. Darin wird wohl eher die wahre Motivation liegen – die HSUS, die in der Tierrechtsindustrie von Nordamerika gegen PETA um die Vorherrschaft kämpft, kann sich wohl keine finanziellen Defizite leisten und dies allein schon aufgrund der hohen Löhne für die eigenen Funktionäre.

Jim Greenbaum, der der HSUS gespendet hatte, dachte öffentlich drüber nach, ob er weiter spenden sollte und bezweifelte es, solange Wayne Pacelle noch der Chef wäre. Nicole Brodeur gab bekannt, dass sie, nachdem die ersten Anschuldigungen aufkamen, sofort aufgehört hatte, der HSUS zu spenden, weil sie Tiere unterstützen wolle und keinen sexuellen Missbrauch. Derweil behauptete Pacelle, damals noch im Amt: „Ich habe keinen einzigen Anruf von einem Spender bekommen, der gesagt hat, dass er aufhören wird, die Organisation zu unterstützen. Ich habe Hunderte bekommen, die das Gegenteil gesagt haben.“ Sein Rücktritt stellen nun auch diese Worte in Frage. Barbara King trat von Editorial Board der HSUS-Zeitschrift „Animal Sentience“, denn sie wollte hier nicht weiter Unterstützungsarbeit leisten. Den drei Personen, die das öffentlich kommunizierten, haben sich wahrscheinlich intern noch mehr Spender angeschlossen ohne dies offen zu kommunizieren.

Sexueller Missbrauch – harte Vorwürfe gegen Wayne Pacelle

HSUS-CEO Wayne Pacelle bei einer Buchpräsentation. | Foto: Dwight Burdette, Lizenz: CC BY 3.0

Die Untersuchung der Anwaltskanzlei, die allerdings Pacelle eher gnädig gestimmt sein dürfte und somit als alles andere als unparteiisch rezipiert wurde, hatte einiges zu Tage gefördert. Alison Schiebelhut (36) eine Angestellte seit 2010, sagte in einem Interview, dass sie eine einvernehmliche Beziehung mit Wayne Pacelle von 2002 bis 2003 hatte, als sie Praktikantin bei der Humane Society war. Sie kehrte 2010 in die Organisation zurück, um rechtliche und politische Arbeit zu leisten. Bei mehr als einer Gelegenheit nach 2010 wurde sie, wie sie erklärte, von Wayne Pacelle in sein Büro gerufen und der drängte dann dort auf Sex. Sie aber habe ihn beschwichtigen wollen. Nach einer Umarmung zum Abschied, drehte er sie um, zwang sie auf seinen Schreibtisch und rieb seine Genitalien an ihr, beschrieb sie.

Eine weitere Frau legte dar wie Pacelle Oralsex von ihr verlangte und in ihrer Gegenwart masturbieren wollte. Er bestritt das und diskreditierte die Anschuldigungen als Schmierenkampagne gegen ihn und die HSUS. Bei der Untersuchung wurden 31 weitere Zeugen angehört.

Peggy Kokernot Kaplan, eine ehemalige Vorsitzende eines Beirats der Humane Society, erklärte in einer E-Mail, dass sie angeblich erst nach ihrem Rücktritt im Jahre 2014 von sexueller Belästigung in der Organisation erfahren habe. Sie habe von vielen Frauen gehört, die sich aus Angst um ihrer Karriere, auch in anderen Tierrechtsorganisation, nicht geäußert hätten. Dazu muss man wissen, dass die HSUS einige Surrogaten-Organisationen in der Industrie hat. Somit sind die HSUS-Oberen, einmal dadurch so wie Kooperationen innerhalb der Industrie, in der Position, Karrieren für alle Zeit zu zerstören.

„Es ist gut, dass er weg ist, aber wir müssen diesen Ausschuss und die Kultur der Humane Society hinterfragen“, sagte Toni Van Pelt, Präsident der Nationalen Organisation für Frauen, denn sie geht davon aus, dass der Sumpf aus Missbrauch in der radikalen Tierrechtsorganisation, lange noch nicht ausgehoben ist. Tatsächlich bemängeln Mitarbeiterinnen eine „Kultur des sexuellen Missbrauchs“ in der HSUS, wie politico.com berichtete.

„Kultur des sexuellen Missbrauchs“ in der HSUS

Paul Shapiro, ein ehemaliger Funktionär der HSUS, der gerne über Ethik und Moral schwadroniert, sprach auf einer Betriebsreise mit einer weiblichen Mitarbeiterin plötzlich auffällig häufig über Beziehungen und Sex. Seine Mitarbeiterin sollte sie zu ihm auf einen Sessel setzen, damit sie gemeinsam fernsehen konnten und hatte offenbar auch kein Problem sich vorher bis auf die Unterwäsche auszuziehen – und auch weiter. Dieses aufdringliche Verhalten wurde der Mitarbeiterin zu viel. Als sie von der Reise zurückkam erfuhr sie durch Gespräche, dass dies kein Einzelfall war, was auch weitere Recherchen von politico.com bestätigten. Shapiro schlug vor, dass eine andere weibliche Angestellte doch „einen für das Team nehmen“ solle, indem sie Sex mit einem Spender hat. Er versendete Pornografie und unanständige E-Mails an männliche Angestellte und diskutierte mit Kollegen seine sexuellen Philosophien, wie zum Beispiel so viele Sexualpartner wie möglich zu haben. Das führte von 2015 bis Ende 2017 angeblich zu dem Rücktritt von nicht weniger als fünf Mitarbeitern.

Mit seiner sexuellen Philosophie hielt Shapiro nie wirklich hinter dem Berg. Ashley Rhinehart berichtet wie er sie bedrängte und häufig erwähnte, dass er ja in einer offenen Beziehung sei und jeder Zeit Sex haben könnte mit wem er wollte. Trotzdem wurde Rhinehart Mitarbeiterin bei der HSUS und berichtet in dem Zusammenhang von einer Begegnung mit Wayne Pacelle. Spät in der Nacht verwickelte er sie in ihrer Kabine in ein Gespräch, ob sie ihm nicht Salsa tanzen beibringen könne anschließend habe er oft versucht sie in sein Büro zu locken. Als sie dies dann Shapiro meldete, erklärte dieser, dass Wayne Pacelle ja auch jemand wäre, der in einer offenen Beziehung stecken würde. Was das bedeutete, konnte sich Rinehart dann letztendlich selbst ausmalen. Das bestreitet Shapiro, denn er behauptet ja auch nach wie vor nicht wegen der Skandale um seine Person gegangen zu sein, was bezweifelt werden darf.

„Diese jungen Frauen schließen sich dieser Bewegung an – ich auch – wir sind so blauäugig. Wir haben die Schlachthofvideos gesehen. Man schließt sich dieser Bewegung an und will einfach alles dafür tun. Man glaubt, diese Jungs sind die Helden. Du glaubst, sie werden barmherzig sein, weil sie sich für Tiere einsetzen und du ihnen vertraust.“ Alexandra Bury, arbeitete 2011-15 mit Shapiro zusammen

Die Frau, der Shapiro vorgeschlagen haben soll, dass sie doch „einen fürs Team nehmen“ sollte und mit einem Spender schlafen, was er abstreitet, war Alexandra Bury. Sie wollte es nicht und dann wurden ihre Arbeitsbedingungen plötzlich schlechter. „Ich fühlte mich, als würde ich rausgeschmissen werden“, sagte sie. „Wayne [Pacelle] sprach nicht mehr mit mir. Sie haben mich degradiert; Sie haben meine Bezahlung nicht gekürzt, aber ich musste mich an jemand anderen wenden, der in der Hierarchie viel niedriger stand und ich hatte keinen Kontakt mehr mit der Führung. Ich wurde nicht zu Treffen mit meiner eigenen Abteilung eingeladen. Sie haben davon gesprochen, dass sie keine Stellen mehr für mein Team finanzieren.“ Als sie im Jahr 2015 kündigte, wurden Bury $ 19.000 angeboten. Im Gegenzug sollte sie  eine Vertraulichkeitsvereinbarung unterzeichnen, die sie davon abhielt, etwas zu enthüllen, das dem Image der Organisation schaden würde. Das ergibt sich aus einer Kopie, die sie POLITICO zur Verfügung stellte. Sie lehnte ab.

Als es dann, im Rahmen der Weinstein-Affaire, eine höhere Sensibiltät für dieses Thema gab, meldeten sich dann auch Spender bei der HSUS, denen das Verhalten der Funktionäre nicht verborgen geblieben war – so auch Rachel Perman. Sie bekam eine skandalöse Antwort von einem Mitglied des Boards: „Bist du verrückt?“, schrieb Erika Brunson, eine Hollywood-Innenarchitektin. „Hast du nichts besseres im Leben zu tun, als deine verdrängten sexuellen Phantasien in der Öffentlichkeit zu lüften?“ Auf Nachfrage von politico.com widerrief sie dies nicht. „Dieses Land ist verrückt. … Es ist wie diese Lynch-Hysterie.“ Sie schlug vor, dass Frauen „härter werden müssen, nicht herum jammern und sagen, dass sie sexuell belästigt worden sind“.

#ARmetoo geht weit über die Grenzen der HSUS hinaus

Wie auch in der Filmbranche, so ist dies auch in der Tierrechtsindustrie kein neues oder gar unbekanntes Problem. Die Untersuchung der Humane Society finden vor dem Hintergrund eines Zusammenschlusses von Frauen in der Tierschutz- und Tierrechtsbewegung statt, die erklären, dass ein öffentliches Gespräch über sexuelle Belästigung und geschlechtsspezifische Vorurteile längst überfällig sei. Pattrice Jones, Mitbegründerin eines Tier-Sanctuarys, berichtet, dass sie persönlich von “duzenden” betroffenen Frauen gehört habe. Wegen solcher chronischen Probleme hat die Tierrechtsindustrie bereits Spender verloren.
“Wie bei vielen anderen Industriezweigen hier in den USA und weltweit, erkennen wir, dass die fortschrittlichen Werte, die darauf abzielen, Tierquälerei, -leid und -bedrängung zu verhindern, in mancher Hinsicht nicht wirklich auf die Behandlung von Frauen (und einiger Männer) an unseren Arbeitsplätzen angewandt wurden.”
Diese Worte schrieb eine Bloggering zum Thema #ARMeToo (grob übersetzbar als #TierrechtsMeToo). So wirkt es ein wenig lächerlich, wenn eine Szene von “humaner” und “ethischer” Behandlung von Tieren spricht, wenn man dies nicht mal bei Menschen schafft. Dieses Problem ist sogar so groß, dass sich schon eine Coalition Against Nonprofit Harassment and Discrimination gebildet hat.
Was man auf der Seite der Koalition an Berichten von Opfern liest, ist erschütternd.
Ich war Teil der Crew für eine Tierrechtskampagne und arbeitete eng mit dem Manager und CEO zusammen. Von dem Moment an, als wir auf einem anderen Kontinent landeten, veränderte sich das Verhalten des Managers so, dass er mir gegenüber aggressiv sexuell wurde. […] Ich hatte auch keine vorherige Erfahrung mit Missbrauch und […] als der Missbrauch eskalierte, wurde ich furchtbar deprimiert und konnte kaum noch meine Arbeit machen. Dies führte dazu, dass der CEO gegenüber mir noch beleidigender wurde. Was zu mentalem und emotionalem Missbrauch und Beschimpfungen wurde, begann bald körperlich zu werden. […] Irgendwann hatte er mich gegen eine Wand geschleudert und verlangte von mir, ich solle ihm mein Geld geben und sagte: „Ich habe deine Scheiße schon durchgemacht und weiß, wie viel Geld du hast, also versuche nicht einmal, mich anzulügen, dass du kein Geld hast! “ […]. Ich denke, ich war so emotional traumatisiert und dachte, er würde mich weniger beleidigen, wenn er bekam, was er wollte, also fing ich an nachzugeben. Ich war jung und er war der CEO und als ich es ihm erlaubte, wurde der Missbrauch für eine Zeit lang weniger. Dann fing der Teufelskreis wieder von vorne an. […] Bevor ich diesen Mann getroffen habe, habe ich nie geglaubt, dass ich jemand wäre, der jemals in eine von Missbrauch geprägte Beziehung geraten würde und ich hätte nie geglaubt, dass ich ein Monster innerhalb der Tierrechtsgemeinschaft treffen würde. Als ich schließlich von ihm weggelaufen bin, war es direkt nach einem körperlichen Angriff und ich glaubte, dass etwas Schreckliches passieren würde, wenn ich bei ihm bleiben würde, weil es jeden Tag weiter eskalierte. […] Dieser Mann arbeitet weiterhin mit Tierorganisationen außerhalb der Vereinigten Staaten zusammen.
Ich war Praktikantin für eine große Nonprofit-Organisation und in dem Bemühen, dass die Organisation Geld auf Reisen spart, sollten Angestellte und Praktikanten verschiedener Geschlechter während der Reise Zimmer und sogar Betten teilen. Ein weißer männlicher Angestellter, der sowohl älter als ich war, als auch mein Vorgesetzter, kam zu mir, als wir unterwegs waren und uns ein Zimmer teilten. Wir hatten Sex, aber ich hatte nicht das Gefühl, dass ich angesichts seiner Machtposition in der Organisation “Nein!” sagen könnte.
Während ich in einem veganen Geschäft angestellt war, besuchten ich und mein Manager das Hauptquartier einer veganen gemeinnützigen Organisation. Wir waren mit einem der Mitgründer in seinem Büro, als der Mann mich plötzlich auf seinen Schoß zog. Er war viel älter und ich war Anfang 20. Ich stand sofort auf und sagte, dass das Sitzen in seinem Schoß unpassend sei. Dieser Vorfall ließ mich in Frage stellen, ob ich meinem Manager vertrauen konnte, weil er nichts unternommen hatte, um sich einzumischen.
Ich stand in der Scheune eines gemeinnützigen Tier-Sanctuarys, das ich zu Forschungszwecken besuchte, und hörte einem langjährigen, hochrangigen Mitarbeiter zu, der über seine sechsjährige Arbeit im Sanctuary sprach. Er kommentierte: „Ich habe früher gedatet und hatte eine langfristige Beziehung, aber jetzt nicht mehr. Ich habe eine endloses Versorgung mit Freiwilligen, und fast alle sind Mädchen.“
Zu der „Kultur des sexuellen Missbrauchs“ gesellt sich in der Szene der Tierrechtler auch noch offenbar eine große Anzahlen an Leuten, die das wissen und schweigen. Ebenso muss man sich fragen wie viel Pacelles Kollaborateure in der Zoo-Szene, Joel ManbyDan Ashe und Ron Kagan, wohl von all dem wussten. Auch das muss lückenlos aufgearbeitet werden, damit die ohnehin unsägliche Kooperation mancher fehlgeleiteter Zoo-Funktionäre mit der HSUS und Pacelle nicht noch Auswirkungen auf seriöse Tier-, Arten- und Naturschützer nimmt. Es ist ohnehin schon fragwürdig, warum man nicht schon längst alle Seilschaften zerschnitten hat.