Delphin-Show im Zoo von Madrid | Foto: Anagoria, Lizenz: CC BY 3.0

Naturforscher spricht über die Anti-Delfinarien-Verschwörung

Exklusiv für zoos.media – 01.08.2019. Autor: Philipp J. Kroiß

Álex N. Lachhein zeigt am Beispiel der Delfinhaltung in Madrid wie die Desinformationsmaschinerie der radikalen Tierrechtler funktioniert und gibt Hintergründe zu bedenken.

Naturforscher spricht über die Anti-Delfinarien-Verschwörung

In Spanien gibt es in Europa die meisten Delfinarien – dadurch ist das Land ein massiver Schwerpunkt für die Aktivisten, aber auch zugleich schwieriges Terrain, denn Spanien ist auch das Land mit den meisten akkreditierten und zertifizierten Delfinarien in Europa. Auf den Kanaren befindet sich sogar der, laut den Benutzern der App TripAdvisor und der IAAPA, beste Zoo der Welt.

Im Loro Parque kann man gleich zwei Delfinarten bewundern: Große Tümmler und Orcas. Sie leben zudem in den besten Anlagen des Landes und sind bei Touristen enorm beliebt. Das Renommee des Zoos ist weltweit bekannt und die Haltungserfolge werden international gefeiert sowie respektiert. Das hält die Aktivisten aber nicht von Schmierenkampagnen ab, die gegen den Loro Parque oder andere Delfinhaltungen, wie etwa die hervorragende Haltung im Rancho Texas Park auf Lanzarote, zu fahren.

Es begann in Madrid …

In seinem Artikel „La conjura anti-delfin al descubierto“, was auf Deutsch so viel bedeutet wie „Die Wahrheit über die „Anti-Delfin“-Verschwörung“ bedeutet, beschreibt Naturforscher und Journalist Álex N. Lachhein zuerst die Kampagne gegen das Delfinarium in Madrid. Dass die Hauptstadt Spaniens neben 3,2 Millionen menschlichen Einwohnern auch für neun Delfinen eine Heimat ist, wissen nicht viele Menschen.

Aktuell leben drei Nachzuchten vor Ort, weitere 11 Nachzuchten leben in drei anderen Delfinarien, die am Europäischen Erhaltungszuchtprogramm für Atlantische Großtümmler teilnehmen. Seit 2001 funktioniert die Zucht in Madrid und 2002 kam der letzte Wildfang. Heute ist der Zoo von Wildfängen von Großen Tümmlern unabhängig, da die Zucht innerhalb des Zuchtbuchs so gut und nachhaltig funktioniert.

Álex N. Lachhein beschäftigt sich mit dem Delfinarium in Madrid aber weniger damit, sondern ihn beschäftigen im Artikel die Schmierenkampagnen der Tierrechtler. Besonders im Blick hat er dabei NGOs, wie zum Beispiel das Projekt Gran Simio, PACMA oder ZOOXXI und weitere, die immer wieder versuchen, Zoos in Spanien zu schaden und an den Pranger zu stellen. Bereits 2010 wurde der Madrider Zoo beschuldigt, seine Delfine schlecht zu behandeln. Die Vorwürfe dehnten die Aktivisten auch auf alle anderen Tiere aus und nicht nur den Madrider Zoo traf es, auch Delfinarien in Barcelona, Tarragona und Málaga wurden Ziel der Anschuldigungen.

Auf diese ersten Beschwerden hin, führte die Gemeinde Madrid eine obligatorische Inspektion durch, in der sie keinerlei Verstöße seitens des Zoos feststellen konnte und schloss somit den Fall ab. Die Empörung darüber bei den Aktivisten sei groß gewesen, erklärt Lachhein, und sie drohten jetzt erst recht weiter zu machen. Seitdem hätten die Angriffe auf Zoos und Aquarien nicht aufgehört, berichtet der Naturforscher: im Gegenteil die Aktivistengruppe rund um „Gran Simio“-Direktor Pedro Pozas beschloss, den Konflikt zu “internationalisieren”.

… und setzt sich weiter fort

Im Dezember 2018 gab es den nächsten Versuch gegen den Zoo in Madrid – darüber hatten wir auch berichtet. Álex Lachhein widerlegt die Anschuldigungen auch in seinem Artikel und betont, dass sich dort Spezialisten 24 Stunden am Tag um das Wohlergehen der Delfine kümmern und die Tiere sich in bestem Gesundheitszustand befänden.

Das Delfin-Weibchen Lala, leide in der Tat an einer chronischen Hautentzündung, wie die Aktivisten behaupten. Eine solche aber könne allerdings auch jeder Mensch haben und es beeinträchtige sie nicht – Ansteckungsgefahr für die anderen Delfine gibt es auch nicht. Diese Darstellung deckt sich völlig mit den Ergebnissen veterinärmedizinischen Begutachtungen, aber die Aktivisten behaupten gerne das Gegenteil und schlagen sogar vor, das Tier sinnloserweise so isolieren, obwohl eine solche in einem Quarantänebecken ihre Hautkrankheit nicht heilen würde, sondern verschlimmern, weil sie nicht trainieren könnte und sich durch die Einsamkeit gestresst fühlen würde.

Für ein Tier, das so aktiv und sozial sei, wie ein Delfin, erklärt der Naturforscher, sei die Nähe zu seinen Artgenossen essentiell. Genauso verhält es sich auch mit all den anderen Anschuldigungen. Von angeblichen Bindehautentzündungen sei bei den Delfinen keine Spur, denn das Wasser, in dem sie leben, ist sauberer als das im Meer: ohne Verschmutzung oder Mikroplastik. Die Fische, die die Delfine zu fressen bekämen seien von höchster Qualität und frei von jeglichen Belastungen.

Naturschützer warnt vor Fake News über Delfinarien

Abschluss der edukativen Delfinshow im Loro Parque | Foto: zoos.media

Álex N. Lachhein hat selbst in mehreren biologischen Reservaten in Spanien gearbeitet und an unzähligen Film- und Fernsehproduktionen mitgewirkt. Er kennt die Medien und ist Experte mit mehr als dreißig Jahren Berufserfahrung in der Arbeit mit Tieren aller Art. Heutzutage sieht sich der Naturschützer aber immer mehr mit Fake News seitens der Tierrechtsindustrie konfrontiert und warnt als einer der wenigen auch sehr aktiv davor.

Deshalb möchte er das Bewusstsein für einen verantwortungsvollen Umgang mit News schärfen und dazu aufrufen, nicht alles für bare Münze zu nehmen, was in der Öffentlichkeit als Meinungen kursiert, sondern immer zu hinterfragen und sich zu informieren, bevor man sich eine eigene Meinung bildet. Im Fall des Madrider Zoos sei nun die Gemeinde Madrid verpflichtet, entsprechende Inspektionen durchzuführen und einen Bericht zu erstellen. Wenn die Ergebnisse vorlägen, so fürchtet er, würden diese bestimmt nirgends auf der Titelseite erscheinen, um das Ansehen des Zoos wiederherzustellen.

Noch zu wenige Naturschützer gehen im Kampf gegen Fake News so voran wie Lachhein das in bewundernswert klarer Weise und auch teils in polarisierenden Worten tut. Gewiss will er so aufrütteln. Das Problem ist, dass selbst Naturschützer, die gegen Fake News quasi aus den eigenen Reihen kämpfen, negativ geframed werden – das sieht man auch in anderen Wissenschaftsbereichen. Daran sieht man auch die Macht, die Populisten bereits gewonnen haben.

Massive Fehler der Medien

Ein Sprung eines Großen Tümmlers während der Delfinshow im Marineland Antibes | Foto: Axou, Lizenz: CC BY-SA 1.0

Was Lachhein beschreibt, kommt deutschen, amerikanischen oder britischen Zoofreunden nur zu bekannt vor: Mainstream-Medien gieren nach Skandalen, die sie aufbauschen ohne Rücksicht auf Verluste. Existenzen werden zerstört, Institutionen in den Schmutz gezogen und Populismus verbreitet, weil mit Pressemitteilungen von NGOs kaum kritisch umgegangen wird. Dass diese häufig falsch sind, wird einfach ignoriert und trotzdem weiterverbreitet.

Die Tierrechtsindustrie macht sich dabei mehrere wesentliche Probleme im Journalismus zu Nutze: mangelnde Expertise, einen immensen Zeitdruck in den Redaktionen und auch die Sensationsgeilheit unseriöser Journalisten. Für alles bieten solche Schmierenkampagnen eine scheinbare Lösung an: man bekommt eine Sensation, kann die schnell aufbereiten und die NGO gibt den Anstrich einer Seriosität der Meldung

Der Fall Madrid ist ein exzellentes Beispiel: drastische Fehldiagnosen der angeblichen Experten von etwa Gran Simio, der spanischen Version vom Great Ape Project, sind für wirkliche Experten schnell zu enttarnen, aber denen gibt die Presse dann keine Stimme. Vor Jahren wollte ein Funktionär des Great Ape Projects am Blick auf Menschenaffen im Zoo erkennen, welche Medikamente die Tiere bekommen – auch diese völlig irre Idee wurde von Medien reproduziert, allerdings nicht, dass er in keinem Fall wirklich Recht hatte.

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