Schimpanse im Zoo Augsburg | Foto: Rufus46, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Niederlage für PETA: Robby bleibt bei seiner Familie

Exklusiv für zoos.media – 09.11.2018. Autor: Philipp J. Kroiß

Ein Sieg für den Tierschutz, eine Niederlage für PETA: Schimpanse Robby bleibt bei seiner Familie. Im Artikel geht es um Hintergründe der Entscheidung.

Niederlage für PETA: Robby bleibt bei seiner Familie

Der Schimpanse Robby, der bei einer Zirkusfamilie lebt und schon lange in “Rente” ist, darf bei dieser bleiben. Ihn hatte PETA zum Bauernopfer auserkoren. Ganz getreu dem Motto der ersten Vorsitzenden von PETA Deutschland e.V.: “Wir setzen uns nicht für ein “Recht auf Leben” für Tiere ein” sollte er in den Besitz einer Stiftung übergehen und angeblich würde der Senior dort in eine neue Schimpansengruppe kommen. Dass das passieren würde, konnte aber der neue Halter, den PETA auserkoren hatte, gar nicht zusichern.

Probleme des PETA-Plans

Schimpansen-Haltung der Stiftung AAP (2004) | Foto: GerardM at Dutch Wikipedia, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Der vollkommen auf den Menschen geprägte Schimpanse ist bereits sehr alt. Ihm den Stress eines Transports und der ohnehin fragliche Eingewöhnung in eine neue Gruppe von Schimpansen, die er nicht verstehen würde, zuzumuten, wäre keinem seriösen Tierhalter oder Tierschützer eingefallen. Robby wurde in seiner frühesten Jugend fehlgeprägt. Aus einem Zoo kam er in die Zirkusfamilie, was nachvollziehbar ist, weil in eine Schimpansengruppe konnte er ja nicht.

Während man heute weiß wie man Handaufzuchten von Menschenaffen hält, damit sie nicht fehlgeprägt werden, vor etlichen Jahrzehnten – als Robby das Licht der Welt erblickte – wusste man das noch nicht. Es war immer ein moralisches Dilemma, wenn man ein junges, auf menschliche Hilfe angewiesenes Menschenaffen-Baby vor sich sieht und vor der Entscheidung steht durch Handaufzucht eine Fehlprägung zu riskieren oder das Tier einzuschläfern. Es gibt vertretbare Gründe für beide Entscheidungen.

Robby fand in der Zirkusfamilie eine liebende, neue Gruppe aus Lebewesen auf die er geprägt war. Er war und ist eben kein “normaler” Schimpanse, sondern quasi ein domestizierter Menschenaffe. Er kannte, so lange er sich erinnern kann, nichts anderes als das Leben bei und mit dem Menschen – somit ist eine menschliche Familie mit dem nötigen Sachverstand eine gute Unterbringung für ein solches Tier. Man kann an ihn nicht mit den Maßstäben herangehen, an die man an ein Tier im Zoo oder Natur, das von Schimpansen sozialisiert wurde, herangeht. Er hat gänzlich andere Bedürfnisse.

PETA verkaufte diesen Schimpansen aber völlig anders. Die nicht artgemäße Sozialisierung wurde mehr oder weniger ignoriert beziehungsweise als reversibel verkauft, was schicht nicht richtig war und ist. Ob einem nun der Ablauf der Sozialisierung gefällt oder nicht, ist ja völlig unerheblich: es geht um das Wohlergehen des Tieres. Schimpansen sind untereinander sehr rabiat und haben keine Probleme, einander bis aufs Blut und sogar bis in den Tod zu bekämpfen. Sich in einer Schimpansengruppe zu behaupten, ist für die Tiere unglaublich schwer.

Schimpansen verprügeln, ermorden und essen ihren ehemaligen Tyrannen

In der Haltung der Stiftung kam noch hinzu, dass es auch keine natürlichen Schimpansengruppen dort gibt. Da die Tiere dort unter einem unnatürlichen Zuchtstopp gehalten wurden und einen völlig im Dunkeln liegenden Sozialisierungshintergrund haben (leider ist die Stiftung nicht sonderlich transparent, was dies anbelangt), hätte selbst ein Tier ohne Fehlprägung unter Umständen Probleme sich in eine solche Gruppe einzufinden, weil die Zusammenführung von richtig sozialisierten Schimpansen ja auch bereits ein Problem ist. Leider sind die Tiere eben nicht Menschen mit Fell, die sich dann schon irgendwie zusammenraufen.

Berufungsgericht regelt, dass Schimpansen keine Menschen sind

Robby hat nie gelernt so rabiat zu sein oder mit anderen Schimpansen zu kommunizieren. Er musste sich in seinem ganzen Leben nie in eine Rangordnung einkämpfen, sondern wurde voller Liebe aufgezogen und letztendlich kein Härchen gekrümmt. Er weiß gar nicht damit umzugehen, wenn ihn ein Männchen oder Weibchen dominiert und auch nicht wie er sich dann verhalten muss, damit bei einem Konflikt eben nicht sprichwörtlich die Fetzen fliegen. In Menschenobhut ist er also am Besten aufgehoben, wenn man ihn nicht auf eine sehr fragwürdige Art umbringen will. So ein Tier professionell zu halten, ist sehr schwer und man kann froh sein, wenn man Familien findet, die den Sachverstand und die Leidenschaft haben, diesem Tier und seinem Wohlergehen einen großen Teil ihres Lebens zu widmen.

Das hat auch das zuständige Oberverwaltungsgericht gut verstanden. Robby hat die Familie, die perfekt für ihn ist, und darf bei ihr, der Familie des Direktors vom Zirkus Belly, nun bleiben und dort seinen Lebensabend genießen. Er lebt zwar nicht in einer Haltung, die für einen Schimpansen typisch ist, aber die ihm, im Hinblick auf seine außergewöhnliche Geschichte, gerecht wird. Es ist eine tiergerechte Haltung.

Für PETA wäre Robby nur ein weiteres Bauernopfer gewesen

“Nachschub” an solchen Tieren gibt es ohnehin nicht. Im modernen Zoos kann man solche Fehlprägungen prima vermeiden und hat Prozedere entwickelt wie man es verhindert. Niemand muss also wirklich befürchten, dass er nicht der letzte Zirkus-Schimpanse war, denn in der Manege ist er bei Zirkus-Shows längst nicht mehr. Trotzdem spielt PETA natürlich genau damit, diese Angst zu schüren. Dass Robby nicht mehr auftritt, wird schlichtweg ignoriert und man verkauft eine Story an Spender in spe, die so herzzerreißend ist wie sie falsch ist.

PETA will jeder Tierhaltung ein Ende setzen. Das ist Ziel der radikalen Tierrechtsorganisation. Um dieses Endziel zu erreichen, geht PETA nach Prioritäten vor: Zirkusse sind bekannt, was gut für mediale Aufmerksamkeit ist, sie sind verhältnismäßig wenige konkurrierende Unternehmen, weshalb sie sich nicht so schnell gemeinsam würden wehren können, und es sie sind gesellschaftlich nicht hoch angesehen. Schaut man sich die Geschichte des Zirkus an, besuchten die Leute zwar gerne die Shows, aber es gab leider auch eine tradierte Abneigung auf der persönlichen Ebene. Bereits in der Nazizeit, in der sich das Regime jede auch noch kleine gesellschaftlich tradierte Abneigung zu nutze machte, hatten die Zirkusleute bereits unmittelbar nach der Machtergreifung zu leiden.

In der Tierrechtsszene kann man mit Zirkushass die “braune Zielgruppe” bespielen. Dass Neo-Nazis auf Anti-Zirkusdemos mitmarschieren, ist kein Geheimnis. Hass gegen Zirkusse hat bei Nazis eine lange Tradition. Der tolerante, multikulturell ausgerichtete Zirkus ist diesen Leuten ein Dorn im Auge und so durften ab 1934 keine nicht-“arischen” Artisten mehr auftreten – Juden und Ausländer waren verboten. Manche Artisten und Zirkus-Mitarbeiter konnten sich rechtzeitig retten, andere wurden verschleppt und ermordet.

Es gibt also viele Gründe, warum es aus taktischen Erwägungen klug war, dass sich die Tierrechtsindustrie, selbst massiv durch einen “braunen Rand” gestützt, auf die Zirkusse einschoss, denn es spielte ihr vieles in die Karten. Durch die Hetzkampagnen, die auch Straftaten gegen Zirkusse evozieren, fühlt sich zum Beispiel Zirkusdirektor Reiner Probst an die Nazizeit erinnert. Robby wäre ein Bauernopfer gewesen, mit dem sich die Tierrechtsindustrie und vor allem PETA sich wieder hätte schmücken können. Man hätte ihn nutzen können, um weitere Hetzkampagnen gegen Zirkusbetriebe zu fahren.

So hat man auch den Verbot von Zirkustieren in Mexiko zum Feiern genutzt und es war ebenso ein Anlass für weitere Hetze gewesen. Was hat sich PETA nicht gefreut und was wurde nicht gefeiert als diese Nachricht kam. Ein Jahr später waren 80% der Zirkustiere tot. Das verschweigt PETA und der Rest der Tierrechtsindustrie natürlich. Tiere, die noch am Leben sein könnten, sind auf dem Schrein der Ideologie der Minderheit der Tierrechtler brutal geopfert worden.

Es lebe der Zirkus und alle seine Tiere!

Das Märchen vom großen Leiden der Zirkustiere

Scheinproblem Zirkustiere

Sieg für den Tierschutz

Für den Tierschutz war die Entscheidung ein großer Sieg. Tierschutz ist dann seriös und richtig, wenn er sich auf Fakten beruft und das Wohlergehen des Tieres bzw. der Tiere im Blick hat, die es schützen will. Auch moderne Zoos sind Orte des Tierschutzes: so hat der Zoo Karlsruhe eine Art Senioren-Residenz für Elefanten, auch aus dem Zirkus, eingeführt. Der große und viel bewunderte Zoologe Berhard Grzimek, der den moderenen Zoo wesentlich geprägt hat, war ein Freund des Zirkusses.

Im Tierschutz geht es um das Wohl des Tieres – man will ihm ein tiergerechtes Leben geben, also eines, das dem Tier selbst gerecht wird. Dieses Urteil erreicht das für Robby. Schon vor der Verhandlung konnte der Direktor deshalb sehr optimistisch sein.

Nach der Verhandlung zeigte er sich auch entsprechend glücklich:

Nun sagt PETA selbst, dass man gar keinen Tierschutz macht und entsprechend ist eine Niederlage für PETA und ein Sieg für den Tierschutz auch kein Widerspruch. Trotzdem liegt nun eine harte Zeit hinter der Familie und die Hetze der Tierrechtler gegen Zirkusse wird dadurch ja nicht aufhören. Politisch fallen immer mehr auf diese populistischen Kampagnen herein, wie etwa die Grünen, aber es gibt auch Politiker, die sich mit der Familie freuen. Gero Hocker (FDP) zum Beispiel:

Die Zukunft wird zeigen wie es mit dem Zirkustieren in Deutschland insgesamt weitergeht, aber Robby ist jetzt erstmal vor dem schädlichen Einfluss der Tierrechtler gerettet.

„You either love animals or you love PETA, but you can’t love both because the two are mutually exclusive.” – Nathan J. Winograd
[Übersetzung: Du liebst entweder PETA oder du liebst Tiere, beides geht nicht, denn das eine schließt das andere aus.”]