Selbstporträt eines Schopfmakaken-Weibchens (Macaca nigra) in Nord-Sulawesi (Indonesien) mit der Kamera des Fotografen David Slater. | Lizenz: public domain

PETA: Affentheater um ein Selfie

Exklusiv für zoos.media – 02.08.2017. Autor: Philipp J. Kroiß

Dass PETA einen Fotografen in die Pleite getrieben hat, machte weltweit Schlagzeilen, aber hinter dem Fall steckt noch weit mehr und am Ende verlieren alle.

PETA: Affentheater um ein Selfie

Das berühmte Affen-Selfie, das von dem Makaken Naruto mit der Kamera des Fotografen David Slater geschossen wurde, nahm die radikale Tierrechtsorganisation PETA zum Anlass eine Gerichtsschlacht um die die Rechte für das Foto anzuzetteln. Er beansprucht die Rechte für sich, obgleich er nicht der Urheber der Fotos ist, weshalb das Foto im Prinzip gemeinfrei ist, was auch vor Gericht bestätigt wurde – weder der Affe noch Slater könnten das Urheberrecht bekommen.

PETA sorgt für Pleite des Fotografen

„Sie haben mich finanziell und emotional ruiniert“, sagte der Fotograf der Süddeutschen Zeitung über die Fotos. PETA schwang sich nämlich zum gesetzlichen Vertreter des Tieres auf und klagte gegen Slater, der Erlös soll dann angeblich den wilden Makaken zu Gute kommen. Da es sich bei PETA aber nicht und eine Natur-, Arten- oder Tierschutzorganisation handelt, sondern um eine Tierrechtsorganisation, ist fraglich, ob dieses Versprechen überhaupt eingelöst wird. Die Lust am fotografieren sei ihm vergangen und er könne seiner Tochter nicht mal mehr ein Fahrrad kaufen oder gar Reisen zu Wildtieren unternehmen. Der Streit vor Gericht hat ihn alles gekostet.

PETA gehört zu den reichsten Tierrechtsorganisationen der Welt und kann mit Millionen-Spenden lange Gerichtsverfahren führen. Es gehen ja ohnehin nur wenige Prozent in „karitativen Tierschutz“ – da bleiben viele Millionen an Spendengeldern von leichtgläubigen Tierfreunden übrig. Es ist offensichtlich genug, um einen Fotografen seiner beruflichen Existenz zu rauben und ihn privat in den Ruin zu treiben.

PETA geht übel mit ehemaliger Bündnis-Partnerin um

Diesem Hund wurde von PETA die Chance auf ein neues Zuhause genommen. Zehntausenden Haustieren ging es ähnlich. | Foto von http://whypetakills.com (Nathan J. Winograd)

Krishna Singh, dem laut eines Schreibens der Rechtsanwaltskammer Stuttgart, das von gerati.de präsentiert wurde, die Rechtsanwaltszulassung entzogen wurde, erklärte gegenüber der SZ, es sei klar, „dass Naruto die Fotos selbst aufgenommen hat, und zwar absichtlich, zielgerichtet und ohne Hilfe“. Das sollte die deutsche Primatologin Antje Engelhardt vor Gericht belegen und wurde als Rechtsbeistand berufen. Sie stimmte zu: „Ich dachte, das sei das Beste für Naruto.

Heute sieht sie das wohl anders. Sie habe sie sich bei der Zusammenarbeit immer unwohler gefühlt und zog schließlich vor mehr als einem Jahr zurück. Das entzieht PETA schlicht jede Legitimation und als die Primatologin beim PETA-Anwalt in den USA klingelte, rief der die Polizei und die ehemalige Kooperationspartnerin wurde in Handschellen aufgrund des Vorwurfes wegen Belästigung und Hausfriedensbruch abgeführt. Nun steht auch sie vor Gericht und erklärt: „Das Verfahren läuft und kostet viel Geld.

Am Schluss verlieren alle

Schopfmakake im Diergaarde Blijdorp | Foto: Sander van der Wel, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Slater rechnet mit dem Schlimmsten und hält sich als Tennislehrer über Wasser, Engelhardt sieht vielleicht einer ähnlichen Zukunft entgegen. Naruto und die anderen Schopfmakaken sehen weiterhin ihrem bevorstehenden Aussterben entgegen. PETA freut sich derweil über diesen Marketing-Coup, dessen üblen Beigeschmack die wenigsten kennen. Um den Schutz der Tiere kümmert sich das Macaca Nigra Project, das von eben jener Antje Engelhardt als „Kopf des Projektes“ im Tangkoko Reservat geführt wird und eine Kollaboration des Deutsche Primatenzentrum (DPZ), das übrigens mit Zoos konstruktiv zusammenarbeitet, und dem Bogor Agricultural Institute ist.

Wenn PETA also den angeblichen Erlös ihrer Gerichtsschlacht für die Makaken spenden wollen würde, müssen sie das Geld einem Projekt geben, gegen dessen Kopf sie prozessieren. Wie wahrscheinlich wird dies also passieren? Zumal muss man sich an dieser Stelle das berühmte Zitat der PETA-Gründerin in Erinnerung rufen: „Wir setzen und nicht für ein „Recht auf Leben“ für Tiere ein.