Peta-Aktion. Quelle: Arturo de Albornoz/flickr CC BY-SA 2.0

Wie entstehen PETA-Shitstorms?

Exklusiv für zoos.media – 07.01.2018. Autor: Philipp J. Kroiß

Der Artikel deckt die Hintergründe von Tierrechts-Shitstorms auf und schaut besonders auf den Shitstorm-Mechanismus der radikalen Tierrechtsorganisation PETA.

PETA: Der Shitstorm-Mechanismus

Plötzlich ist er da: Ein Shitstorm selbsternannter Tierschützer, die Parolen wiederkäuen, die sich mehr oder weniger direkt auf die Propaganda von PETA beziehen. Aber er kommt nicht immer. Es gibt Posts von Medien, die bleiben völlig unbehelligt von diesen Shitstorms und andere werden davon förmlich überdeckt. Wie kommt das? Mal wird sich schrecklich empört und mal im Prinzip gar nicht? Ist das Zufall?

PETA-Aktivistennetzwerk zur Shitstorm-Lenkung

PETA hat mit der Bildung eines so genannten „Aktivistennetzwerkes“, das nach eigenen Angaben „30.000 PETA-Aktivistinnen und -Aktivisten in Deutschland, Österreich und der Schweiz“ umfasst, im Prinzip mehrere Mail-Listen erstellt. Man kann auswählen, ob man eher der Typ für die Straße ist, die Leserbriefe schreiben möchte oder „offen für alle Aktionsformen“ ist. Ist es also zufällige Empörung oder spontane Inspiration, dass ein Fernsehsender, eine Zeitung oder ein anderes Medium plötzlich ein Postfach voller Leserbriefe hat, die ein plötzliches Mitteilungsbedürfnis gemäß PETA-Ideologie haben? Wahrscheinlich nicht.

Das ist eine wichtige Information für Medienvertreter, denn hier gibt es noch genug Entscheider, die sich durch solche Proteststürme beeindrucken lassen, weil sie die Mechanismen dahinter nicht kennen. Tierrechtler, und da ist PETA keine Ausnahme, stellen sich als Datenkraken heraus. Wer eine PETA-Petition unterschreiben will, muss seinen Herkunftsort, Namen und Mailadresse angeben. Dass solche Petitionen aber keinerlei Beweiskraft haben und niemandem helfen, außer vielleicht PETA, zeigt dieses Video ganz gut.

Medien im Fadenkreuz

Peta-Gründerin Ingrid Newkirk
(Quelle: David Shankbone/Wikipedia)

„We are complete press sluts“, sagte die PETA-Gründerin Ingrid Newkirk. Am 3. September 1991 erklärte sie US Today: „Wohl alles, was wir machen, ist eine Publicity-Aktion … wir sind nicht hier, um Mitglieder zu sammeln, zu erfreuen, zu beschwichtigen, um Freunde zu finden. Wir sind hier, um die radikale Linie zu halten.“ PETA Deutschland weiß das etwas zurückhaltender Auszudrücken:

„Uns ist bewusst, dass nicht jeder bei uns im Netzwerk eingetragene Aktivist an all unseren Aktionen teilnehmen kann, sei es aus beruflichen oder anderen Gründen. Wir richten unsere Aktionen immer medienfreundlich aus. Natürlich ist es auch wichtig, die Passanten über das unvorstellbare Leid der Tiere zu informieren und zu bitten, sich ebenfalls für die Tiere stark zu machen. Jedoch ist die Verbreitung der Tierrechtsthemen über die Medien besonders wichtig, da wir auf diese Weise viel mehr Menschen informieren können.“ – PETA Deutschland auf peta.de/aktivisten-faq, Stand 06.01.2018.

Egal wie man es dreht und wendet, sind es die Medien, um die es in erster Linie zu gehen scheint. Neben üblicher Presse-Arbeit baut man auch an der Scheinwelt einer Öffentlichkeit, indem man Shitstorms als Mittel einsetzt, die Meinung von Medienmachern zu beeinflussen. So entsteht das Zerrbild, dass die radikale Ideologie von PETA von vielen Menschen unterstützt und getragen werden. Die Tierrechtsorganisationen spricht von über 5.000.000 Unterstützern – ohne einen Beleg zu nennen. Interessant wird es, wenn man mal schaut wie viel ordentliche Mitglieder PETA in Deutschland hat: 5.000.000? Nein. 5.000? Nein. 500? Auch nicht. Tatsächlich wohnen laut dem zuständigen Ministerium nur 5 ordentliche Mitglieder von PETA Deutschland e.V. in Deutschland. Dazu kommen zwei Mitglieder, die im Ausland wohnen – eine davon ist zum Beispiel die 1. Vorsitzende von PETA Deutschland e.V. Ingrid Newkirk.

Nun beeindruckt man mit sieben ordentlichen Mitgliedern keine Menschen. Laut §56 BGB ist sieben nämlich die kleinstmögliche Mitgliederzahl für einen Verein. Das bedeutet PETA gehört mit zu den kleinsten Vereinen in ganz Deutschland – weniger Mitglieder kann man nämlich gar nicht haben. Trotzdem hat dieser Mini-Verein eine enorme Reichweite. Das wird einmal durch Spendengelder möglich, denn der überwiegende Teil einer Spende an PETA Deutschland fließt in Öffentlichkeitsarbeit und die Bezahlung der Personen, die Teil dieser Vermarktungsmaschinerie sind, aber eben auch durch solche gezielten Shitstorms, die die Illusion einer großen Anzahl von Unterstützern erzeugt. So denken natürlich Medien, dass ein Mini-Verein es wert wäre, Beachtung zu finden.

Ähnliche Herangehensweisen auch in anderen Teilen der Tierrechtsszene

Ein Grüner Kugelfisch (Tetraodon nigroviridis) | Foto: Starseed, Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Dieses Beispiel macht natürlich Schule und es gibt Nachahmer, die dann die Szene nochmal aufplustern. Besonders ulkig ist die Konstruktion einer gemeinnützigen Unternehmergesellschaft: da braucht es nur eine Person, die dann Gesellschafter und Geschäftsführer in Personalunion ist und sich sogar, Lücken im Gesetz geschickt ausnutzen, Spendengelder auf eigene Konto schleusen kann. Das ist legal und somit zwar moralisch fragwürdig, aber nicht strafbar. Die Geschäftsform der Unternehmergesellschaft wird auch auch als Mini-GmbH bezeichnet. Mini-Vereine, wie PETA, Mini-GmbHs und ähnliche Konstruktionen prägen die Landschaft der Tierrechtsorganisationen, die sich durch Geld künstlich so aufblasen können.

Wenn man also mal hinter die Kulissen schaut, sieht man, wie klein diese Szene tatsächlich ist. Sie versteht es nur, sich aufzuplustern. Der Biologe denkt da gerne an einen Kugelfisch, der sich auch künstlich vergrößert, obwohl er eigentlich recht klein ist. Die Rezipienten des Kugelfischs wissen nicht, wie klein er wirklich ist, sondern nehmen den völlig aufgeblähten Fisch als Realität war – ähnlich ergeht es gutgläubigen Tierfreunden, Medienvertretern und Politikern, wenn sie mit Tierrechtsorganisationen konfrontiert werden. Hier hilft ganz einfach Aufklärung.

Shitstormer werden auch hinters Licht geführt

Diesem Hund wurde von PETA die Chance auf ein neues Zuhause genommen. Zehntausenden Haustieren ging es ähnlich. | Foto von http://whypetakills.com (Nathan J. Winograd)

Opfer dieser Kugelfisch-Strategie sind aber auch die, die sich zum Shitstorm instrumentalisieren lassen. Ob sie jetzt Opfer der eigenen Entscheidung sind, nicht weiter zu hinterfragen, oder Opfer einer Populismus-Maschinerie von zum Beispiel PETA sind, ist eine Frage, die man sicher nicht in jedem Fall generell klären kann.

Fest steht aber, dass, wenn man mit solchen Shitstormern ins Gespräch kommt, man sich fragt warum sie PETA unterstützen. Viele dieser „besorgten Tierfreunde“ halten selbst ein Haustier – unterstützen aber PETA, die Gegner jeder Form der Tierhaltung sind und dies vom Sibirischen Tiger bis zum Stubentiger. Den Shitstormern liegt das Überleben der Tiere am Herzen – die eben erwähnte PETA-Gründerin erklärt aber ganz klar: „Wir setzen uns nicht für ein „Recht auf Leben“ für Tiere ein„. PETA-Unterstützer echauffieren sich auch, wenn ein Tier stirbt, ignorieren dabei aber zehntausende von PETA getöteten Tiere unter denen ein nicht geringer Teil gesund und vermittelbar gewesen wäre. Diese Liste ließe sich fortsetzen und sie zeichnet ein Bild von willigen Shitstormern, die sich für etwas einsetzen, das eigentlich gar nicht ihre Sache ist und stärken so Lobbyisten, die etwas ganz anders wollen als sie. Man erlebt Menschen, die gegen die „Gefangenschaft“ von Tieren schreiben, während sie offenbar die geliebte Hauskatze auf dem Schoss sitzen haben, um den Widerspruch mal in ein Bild zu bringen.

Bärendienst für den Tier-, Arten- und Naturschutz

Der Schwarzfußiltis (Mustela nigripes) wurde auch durch die Arbeit von Zoos gerettet. | Foto: Kimberly Fraser / USFWS Mountain-Prairie, Lizenz: CC BY 2.0

Mit dem Populismus, den PETA so verbreitet, leisten sie dem Tier-, Arten- und Naturschutz einen Bärendienst – vor allem auch, weil man zum Beispiel mit modernen Zoos, gegen Tier-, Arten- und Naturschützern vorgehen. Moderne Zoos sind auf der ganzen Welt tätig, um Tiere, Arten und ihre Lebensräume zu retten und haben schon viel Erfolge feiern dürfen. Dank Zoos gibt es noch Arten wie den Kalifornischen Kondor (Gymnogyps californianus), den Schwarzfussiltis (Mustela nigripes) und die Hawaii-Krähe (Corvus hawaiiensis). Ohne Zoos wären diese und viele andere Arten für immer verschwunden.

Wirkungsvoller, umfassender und erfolgreicher Artenschutz kombiniert ex-situ- und in-situ-Maßnahmen. Ohne die artgemäße Haltung von Tieren wird man viele Arten nicht retten können. Das Ende von Zoos würde dem Arten- und Naturschutz den Boden unter den Füßen wegziehen und den Schutz von Tieren, ihren Arten und Lebensräumen um Jahre zurückwerfen. Das ist eine Konsequenz der Erfüllung der Forderung von Tierrechtlern: den hohen Standard, den moderne Zoos als Unterstützer von Tier-, Arten- und Naturschutz bieten, einfach wegzuwerfen. Und das dann nur, damit Mini-Vereine und Mini-GmbHs nichts als heiße Luft zu Geld machen können. Vor allem schaden solche Tierrechts-Kugelfische nämlich denen, die wirklich wie Löwen gegen die sechste große Aussterbewelle der Arten kämpfen und dieses Geld in Projekte stecken, statt in teure Marketing-Kampagnen.