Ein Tigerhai auf den Bahamas | Foto: Albert kok, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Postkarten und SMS, die keinem Tier was bringen

Exklusiv für zoos.media – 30.04.2017. Autor: Philipp J. Kroiß

Der Artikel beschreibt wie radikale Zoogegner mit falschen Versprechungen an die Daten ihrer Spender in spe kommen und wozu die dann tatsächlich genutzt werden.

Postkarten und SMS, die keinem Tier was bringen

Im Bereich des Internetzeitalters sprechen wir immer über Datenkraken – der Hintergrund: Persönliche Daten werden immer mehr wert, weil sie für Werbung immer lukrativer werden. Zielgruppenorientierung ist das Zauberwort moderner Werbung. Während Plakatwerbung pauschal jeden erreicht, aber nicht jeder sich für das beworbene Produkt interessiert, ist ein Teil der Reichweite, je nach Produkt und dessen Kommerzialität, nutzlos. Lukrativer für Werber sind soziale Netzwerke wie Facebook. Facebook weiß, wer was mag und verteilt entsprechend die Werbung. Umso wertvoller werden Daten von potentiellen Käufern, die eben wirklich und nachgewiesenermaßen sich für ein Produkt interessieren könnten, um später selbst zielgerichtete Kampagnen durchführen zu können. Das ist günstiger, als Externe (wie etwa Facebook) mit der Verteilung der Werbung zu beautragen.

Wer effizient werben will, für den sind persönliche Daten fast so viel Wert wie Gold. Das haben aber nicht nur Staubsaugervertreter erkannt, sondern auch Spendensammler. Das ist per se nicht schlecht, weil auch Organisationen solche Technologien gerne nutzen können. Unseriös wird es aber, wenn man Daten mit einem Versprechen sammelt, das man gar nicht einhalten kann.

Postkarten-Aktion zum Zoohass

So möchte die Born Free Foundation an Adressdaten kommen:

Gehen wir an diese Kampagne mal durch: Der Zoogegner schreibt eine Mail mit seiner Postadresse and die Born Free Foundation. Dann bekommt er von der Born Free Foundation eine Postkarte zugesendet, die er dann wiederum auf eigene Kosten verschickt. Jeder weiß, dass die Born Free Foundation dem Anti-Zoo-Lobbyismus zuzurechnen ist und entsprechend ‘ernst’ wird diese Karte auch genommen – nämlich gar nicht. Solche Shitstorms nimmt kein ordentlicher Politiker ernst. Die Wirkung ist also gleich null.

Der eigentliche Sieger der Kampagne ist die Born Free Foundation, denn die hat gleich mal eben nicht nur die Mailadresse bekommen, sondern auch die Postadresse und dies im Austausch für eine billige Postkarte mit einem so tendenziösen Foto, dass es schon peinlich ist. Für Fundraising-Kampagnen aber sind diese Daten natürlich enorm viel wert – viel mehr als die Postkarte, die ohnehin richtigerweise im Papierkorb des addressierten landet.

SeaWorld zerstören per SMS

Die Jugendkampagne von PETA, peta 2, zielt in einer anderen Kampagne auf andere Daten: Die Handynummer. Das ist logisch: Diese Zielgruppe macht so viel übers Handy oder Smartphone, da ist dieser Datensatz von enormer Wichtigkeit.

Wem gehört wohl diese ominöse Nummer, durch die man angeblich SeaWorld überzeugen könnte, seine Orcas in ein ‘seaside sactuary’ zu bringen, das, nebenbei sei es erwähnt, nicht existiert? Einem SeaWorld-Verantwortlichen? Einem wichtigen Politiker? Nein, dieses Nümmerchen gehört PETA selbst. Es handelt sich dabei um den PETA text message and alert service. Also da erreicht niemand irgendetwas für Tiere, man aktiviert nur ein Abo, um SMS von PETA zu bekommen. Es folgt ein SMS-Spam von der radikalen Tierrechtsorganisation, mehr nicht.

Der große Sieger der Kampagne ist wieder die radikale Tierrechtsorganisation, wie schon beim Born-Free-Beispiel zuvor, denn sie hat nun einen Datensatz für den man sonst viel Geld bezahlen müsste, kostenlos bekommen.

Datenkrake Tierrechtler

Man muss wirklich sehr genau abwägen, wem man seine persönlichen Daten gibt. Besonders aber ist zu prüfen, wofür die Daten, die man so freigibt, gebraucht werden. Meist sind die an Versprechen gebunden. Bei unseriösen Organisationen sind die schwammig genug formuliert sind, dass sie nicht strafbarerer Betrug sind, können aber auch, wie in den beiden Fällen oben, falsche Erwartungen wecken.

Eine Mail oder SMS zu verschicken ist so einfach heutztage, aber man muss darauf achten, wem man sie zugehörigen Daten gibt und welche Folgen das hat. Selbst, wenn man den nervigen Werbe-Spam dann abbestellt, hat die Organisation weiterhin die Daten und was sie damit tut kann man in den wenigsten Fällen selbst nachprüfen.

Es spricht nichts dagegen, grundsätzlich an solchen Kampagnen teilzunehmen, nur muss man darauf achten, ob man wirklich etwas mit der Weitergabe seiner Daten erreicht. In den beiden Fällen oben, ist es sicher nicht das, was man sich davon verspricht bzw. was die Werbung suggeriert. Solche Kampagnen sind weitere Beispiel dafür, wie Zoogegner mit gutgläubigen Tierfreunden, Geschäfte machen.