Elefanten im Erlebnis-Zoo Hannover (2010) | Foto: Ukko.de, Lizenz: CC BY-SA 3.0

PETA-Video über Elefantenhaltung des Erlebnis-Zoo Hannover

Exklusiv für zoos.media – 04.04.2017. Autor: Philipp J. Kroiß

Mit einem Video attackiert PETA den Erlebnis-Zoo Hannover. Der erklärt, dass es sich dabei um Desinformationen handele. Unser Autor beschreibt Hintergründe und Fakten.

PETA-Video über Elefantenhaltung des Erlebnis-Zoo Hannover

Wieder nur ein weiteres Lügen-Video?

Nun soll es ein Recherchevideo geben, das zeigt wie Elefantenpfleger die Tiere in Hannover „schlagen“ würden. „Report Mainz“ hat den zoologischen Leiter, Klaus Brunsing, sowie den Geschäftsleiter, Andreas Casdorff, mit den Aufnahmen aus den Gehegen konfrontiert. Nach deren Aussage könne man kein Schlagen der Tiere erkennen, diese würden lediglich durch den Haken geführt.

Dass solche Videos in Umlauf kommen ist nichts Neues wie der Fall zum Film ‚Bailey‘ zeigte. Vor einer Verurteilung des Zoos muss man also eine unabhängige Analyse des ungeschnittenen und unbearbeiteten Videomaterials stehen.

Zoo Hannover äußerte sich bereits klar

Über Facebook erklärt der Zoo:

Moderne Zoos arbeiten mit dem Prinzip der positiven Bestärkung und sanktionieren ungewünschtes Verhalten nicht – es wird nur ignoriert. Sollte das in Hannover anders laufen, ist dies allerdings verurteilungswürdig und hat mit moderner Elefantenhaltung nichts zu tun.

PETA verkauft Medien und Rezipienten für dumm

Bildausschnitt, der einen Elefantenhaken zeigt. Man sieht gut das stumpfe Ende, das zur angemessen zärtlichen Anleitung des Tieres verwendet wird. | Foto: Amadscientist; Lizenz: CC BY-SA 3.0

Es gibt immer wieder Missverständnisse bezüglich des Elefantenhakens. Hierbei handelt es sich allerdings nur um eine Führhilfe für den Elefanten, der zum Erlernen von Verhalten benutzt wird.

Ein solche Haken ist stumpf und dient zur sanften Anleitung der Tiere. Als Stich- oder Schlagwaffe, sind die Haken in der modernen Elefantenhaltung weder vorgehen, noch geeignet. Wer denkt, dass man mit Schlagen und Stechen, Elefanten trainieren kann, hat nichts vom modernen Training dieser Tiere verstanden.

Das Prinzip der positiven Verstärkung schließt negative Marker aus. Es basiert auf Vertrauen und Zuneigung von Mensch und Tier. Wer denkt, man könne mehrere tonnenschwere Elefanten zu etwas zwingen und darauf ein Training aufbauen, hat keinerlei nennenswerte Kompetenz in dieser Frage.

Klar kann man Tiere mit Gewalt zu etwas zwingen – das klappt von ganz kleinen bis zu ganz großen Tieren. Dies hat dann aber nichts mit Training zu tun. Das ist einfach nur Gewalteinwirkung.
Modernes Elefantentraining aber basiert auf der positiven Interaktion von Mensch und Tier – völlig ohne Gewalt. Für einen Elefanten ist es total einfach sich gegen Menschen zu Wehr zu setzen – ein Trainer, der versucht einem Tier mit Gewalt zu begegnen wird über kurz oder lang immer den Kürzeren ziehen. Deshalb arbeiten moderne Zoos nach dem Prinzip der positiven Verstärkung bzw. Bestärkung. Dabei ist es vollkommen egal, ob man die Tiere im direct oder protected contact hält – das Prinzip wird immer angewendet.

Viele Leute denken, der Elefantenhaken sei ein Folterinstrument und wenn man ein wenig an der Geschwindigkeit eines Videos dreht, sieht das sanfte Führen schnell aus wie ein Schlag oder Stich. Das hat man schon gefühlte tausendmal gesehen, dass Videos so manipuliert worden sind.
Ein wahrer Elefantentrainer aber weiß, dass er mit Schlägen oder Stichen seinem eigenen Trainingskonzept den Boden unter den Füßen wegzieht und macht es deshalb auch nicht.
Man wird die Veröffentlichung von garantiert unbearbeiteten Aufnahmen abwarten müssen, um hier zu einem abschließenden Urteil zu kommen.

Dressur im Zoo?

Tiertraining in modernen Zoos dient zuallererst den Tieren. Das ist der Unterschied zu anderen Konzepten, die primär auf Unterhaltung abzielen. Zwar gibt es in Zoos auch durchaus Vorführungen oder Shows, aber sie sind nur ein zusätzliche Trainingseinheit, die einmal der Transparenz des Trainigs für die Zuschauer, aber auch der Edukation über die Tiere, ihre Art und ihren Lebensraum.

Was man im Zoo also sieht ist das Training und dies dient der psychischen und physischen Gesundheit der Tiere. Bei manchen Arten ist der Ausstoß von Glückshormonen beim Training wissenschaftlich nachgewiesen. Zudem erleichtert medical training veterinärmedizinische Prozesse, die dann stressfrei ablaufen können.

Direkter oder geschützer Kontakt?

Der Kölner Elefantenpark | Foto: zoos.media

Es tobt teilweise ein ‚Glaubenskrieg‘ zwischen Haltern von direct/free und protected contact. Letztendlich bieten beide Formen, wenn sie richtig durchgeführt sind, den Elefanten eine völlig tiergerechte Haltung zu ermöglichen. Wir haben über Wohlfühlimplikationen bereits mit einem Fachartikel berichtet.

Jede Form hat Vor- und Nachteile und es liegt beim Halter wie er sie gewichtet und so zu einer Entscheidung kommt. So eine Entscheidung ist ein Mutlifaktorensystem und muss im Einzelfall erfolgen. Global gesehen, gibt es kein richtig und kein falsch in dieser Frage: richtig durchgeführt, können beide Haltungsformen ein Gewinn für die Tiere sein.

Ein Elelfantenhaken, oder besser: guide, den wir auch dem direct/free contact kennen, ist kein Folterinstrument, kein Schlagstock und keine Stichwaffe für den modernen Elefantentrainer. Man macht dem Elefanten, entsprechend sanft und ohne ihn zu verletzten, klar, welche Bewegung man von ihm sehen möchte. Wenn er die nicht ausführt, ist das völlig okay. Das Training ist ein Angebot, keine Pflicht – wenn der Elefant nicht will, zwingt ihn in modernen Zoos niemand.

PETA und Zoos

Mit solchen Veröffentlichungen verfolgt PETA eine Anti-Zoo-Kampagne. Sie wollen Zoohaltung beenden. Das ist ein Ziel der Organisation. Sie sind nicht unabhängig, sondern dies ist Teil ihrer Anti-Tierhaltung-Agenda. PETA bringt immer mal wieder „Skandale“ und „Skandälchen“ mit denen sie Aufmerksamkeit generieren. Aufmerksamkeit wofür? Für sich selbst. Solche Aktionen sind nämlich immer mit Fundraising-Aktionen kombiniert. Beweise kommen nicht von PETA, sondern von unabhängigen Prüfstellen, die solche Haltungen checken. Deshalb sind unabhängige Gutachten abzuwarten vor einer Beurteilung der Sachlage.

Getöteter Hundewelpe – einer von über 34.000. | Quelle: Offizielles Pressefoto

Aber wie viel kommt von den Spenden bei den Tieren an? Rund 10%. Wer PETA also 10€ spendet, muss wissen, dass nur 1€ in das geht, was man dort „karitativen Tierschutz“ nennt. Was sich wohl hinter dem Wort versteckt, sieht man auf dem Bild rechts.
Das ist ein Hundewelpe von über 36.000 Tieren, die im Kill-Tierheim von PETA und im „Todesvan“ eingeschläftert wurden. Diese Massentötung von Tieren ist schon herausragend – selbst in den USA. Mehr dazu liest man hier.

Vielleicht sollte PETA zukünftig seine Reichweite für die Vermittlung der Tiere in ihrem Tierheim nutzen (aktuelle Adoptionsrate von unter 3%) und diese Einrichtung erweitern, um mehr Tieren ein artgemäßes Zuhause zu bieten. Leider macht aber die Gesetzgebung der USA es Tierheimen sehr einfach, auch gesunde und eigentlich adoptionsfähige Tiere, einzuschläfern. Es gibt auch die Gegenströmung der No-Kill-Tierheime, die Tiere nur nach strengster medizinischer Indikation Tiere einschläfern, was dann auch noch unabhängig geprüft wird – ähnlich wie man das in Deutschland kennt.

Der Tierrechtsorganisation sollte eigentlich empfohlen werden, vor der eignen Haustür zu kehren, statt solche Videos zu promoten, denn auch das kostet Geld, das dem Tierheim fehlt. Wer in der eigenen Tierhaltung so versagt und so jedes Jahr eine erneute Bankrotterklärung unterzeichnet und an die Behörde solche Zahlen sendet, sollte sich eher nicht herausnehmen, moderne Tierhaltungen mies machen zu wollen – das wirkt nämlich sehr unglaubwürdig. Leider gibt es immer noch Leute, die auf diese Masche hereinfallen.