Orca mit Kalb im Loro Parque | Quelle: Loro Parque

PETA belügt die Öffentlichkeit über das Orca-Kalb im Loro Parque

Exklusiv für zoos.media – 25.10.2018. Autor: Philipp J. Kroiß

Dem Orca-Kalb im Loro Parque geht es gut und auch seiner Mutter Morgan. Trotzdem denkt sich PETA ein Lügenmärchen über das Schicksal beider aus, in dem selbst simpelste Fakten bereits nicht stimmen.

PETA belügt die Öffentlichkeit über das Orca-Kalb im Loro Parque

PETA Deutschland e.V. lügt mal wieder über den Loro Parque. Der Verein führt sein Publikum diesmal besonders dreist in die Irre. Der Zweck ist klar: man will diese Lügen in Unterstützung für PETA umwandeln, die sich dann für den Verein vorrangig finanziell lohnt.

Verhältnis zwischen Muttertier und Kalb

Das Facebook-Posting beginnt: „Der Albtraum für jede Mutter: Orca Morgan von ihrem wenige Monate alten Baby getrennt!“ Das Orca-Kalb war nicht mal einen Monat alt, als dieser Beitrag veröffentlicht wurde. Die Trennung erfolgte als lebensrettende Maßnahme und Morgan ist ja ohnehin nach wie vor im gleichen Beckensystem wie das Kleine. Sie weiß also, dass es nicht weg ist oder gestorben, sondern es ist in der Obhut der Pfleger zu dem sie eine besonders innige Vertrauensbeziehung hat.

Der zweite Satz behauptet: „Morgan war nicht lange genug mit ihrer Familie in freier Wildbahn zusammen, um zu lernen, wie man sich um ein Baby kümmert.“ Auch das ist einfach nur gelogen. Sie hat sich sehr gut um das Baby gekümmert, war eine perfekte Mutter. Sie hatte nur leider ein Problem, das bei erstgebärenden Delfinen nicht unüblich ist: eine zu geringe Milchproduktion.

„Zudem ist Morgan auch ziemlich jung, um Babys zu bekommen. In der Natur sind die Weibchen im Alter von 14-15 Jahren geschlechtsreif. Morgan ist erst etwa 11 Jahre alt.“ Das ist ebenfalls wissenschaftlich längst widerlegt. Nur geschlechtsreife Säugetiere können Babys bekommen. Beobachtungen aus der Wildbahn legten vor einigen Jahren mal nahe, dass Orcas erst ab 14 Jahren geschlechtsreif würden und man vermutete, dass sie dann 12 Monate Tragzeit hätten. Das hat sich längst als falsch herausgestellt.
Aktuelle Forschung erklärt, dass sich die ersten Schwangerschaften im Alter von rund 12-14 Jahren ereignen (Ford, 2009). Wie bei sämtlichen Säugetieren gibt es aber auch Tiere, die früher dran sind als andere. Vor der Küste von Washington State wurden wilde Orcas beobachtet, die mit neun Jahren bereits für ein Kalb sorgten. Zum Beispiel: R38 (*2000)gebahr R52 im Jahr 2009, R24 (*1987) gebahr R32 im Jahr 1996 und I92 (*2000) gebahr I125 im Jahre 2009.
Es ist also völlig lächerlich zu denken, eine Schwangerschaft mit 11 wäre ungewöhnlich, unnatürlich oder nur irgendwie zu früh und das Tier entsprechend „zu jung“.

Ist Morgan eine schlechte Mutter?

Portrait von Morgan im Loro Parque | Foto: zoos.media

„Bisher wurden zwei Orca-Babys im Loro Parque geboren, beide mussten mit der Flasche aufgezogen werden. Eines davon, Vicky, starb im Alter von nur zehn Monaten.“ Kohana, die Mutter der beiden betreffenden Tiere, hat sich für die beiden Babys schlicht nicht interessiert. Das passt vielleicht nicht in das völlig fehlerhaft romantisierte Bild von Orcas, das viele haben, ist aber nun mal so. Solche Entscheidungen treffen Säugetiere eben hin und wieder mal.
In der Natur erfährt man von diesen Kälbern nichts, weil man das nicht beobachten kann. Kälber sieht man meist nicht bevor sie ein halbes Jahr alt sind, was an den Beobachtungsbedingungen hängt, mit denen die Wissenschaftler zu kämpfen haben. Die ignorierten Kälber sind bereits ein paar Tage nach der Geburt verstorben.
Was man vielleicht unterschätzt ist die soziale Bedeutung einer Schwangerschaft in der Hierarchie der Orcagruppen. Wer Matriarchin sein will, und das sagt der Name ja schon, muss auch Mutter werden. Das hat man nach der Geburt erledigt. Pragmatisch, mit dem Fokus auf das Festigen der Position in der Rangordnung, gesehen, ist das Baby dann zu nichts mehr nütze und wird nicht mehr versorgt. Man findet in der Natur ja auch Fälle von anderen Arten des Infantizids bei Delfinen, bei denen das Baby nicht sich selbst überlassen, sondern gleich getötet wird. Das ist nicht schön, das ist nicht moralisch, aber eben Natur.

In Menschenobhut kann man dieses Verhalten des Zurücklassens von Jungtieren beobachten, aber eben auch die Jungtiere retten. In der Natur bestehen beide Möglichkeiten nicht. Kohana ist deshalb keine „schlechte Mutter“ oder verhält sich unnatürlich – ganz sicher nicht! Es ist eben leider im wahren Leben dieser Tiere nicht so romantisch wie PETA es gerne verkauft – pointiert gesagt: Orca-Mütter sind nicht wie menschliche Mütter nur in Schwarz-Weiß.
Der Tod von Vicky lag an einer Erkrankung, die Orca-Kälber leider hin und wieder ganz natürlich befällt und gegen die leider noch kein Kraut gewachsen ist. Das passiert in Menschenobhut, das passiert aber auch genauso in der Natur; mehr als 40% der Orca-Kälber, die man in der Natur überhaupt erstmal sieht, überleben nicht. Das ist traurig, aber wahr.

Morgan hingegen hat alles erfüllt, sodass man sie als „gute Mutter“ bezeichnen würde. Ihr Problem mit der zu geringen Milchproduktion teilt sie mit sehr vielen Säugetieren – besonders erstgebährenden. Darauf war der Loro Parque natürlich vorbereitet und hat entsprechend richtig reagiert. Auch Millionen menschlicher Mütter erleiden dieses Schicksal Jahr für Jahr und müssen dann auch ihr Baby ganz oder unterstützend mit Ersatzprodukten ernähren. Menschliche Mütter können bei ihren Kindern bleiben und sie können die Babys mit der Flasche selbst großziehen, bei Orcas ist das aus anatomisch nachvollziehbaren Gründen eben nicht möglich.

Kein Alptraum für Morgan

Morgan weiß, dass es ihrer Kleinen gut geht und der Kontakt reißt nicht ab. Für sie ist das also kein Alptraum. Das Muttertier verhält sich normal, ist nicht gestresst und bereits mit ihrer Familie vereint. Genau wie mit Adán, wird das kleine Orca-Mädchen auch zu gegebener Zeit in diese Gruppe integriert.

Ein tatsächlicher Alptraum für Morgan wäre es gewesen, sofern man an dieser Stelle mal auf den vermenschlichenden Zug von PETA aufspringen will, wenn die Trainer das Baby einfach sterben lassen und ihm nicht das Leben gerettet hätten. Natürlich aber verdreht PETA die Tatsachen so, dass keiner mal auf diese Idee kommt, die die falsche Argumentation selbst unter Wahrung der falschen Prämissen einfach aushebeln würde.

 

Hinweis: Ergänzend dazu sind diese Artikel über PETA sicher interessant.

PETA: “Wir machen gar keinen Tierschutz”

PETA: Rekord-Ausgaben für Personalkosten & Öffentlichkeitsarbeit

Noch mehr Tötungen im Tierheim von PETA im Jahr 2017