Morgan (r) und die beiden anderen Weibchen Kohana und Skyla springen während der edukativen Orca Show im Loro Parque. | Foto: zoos.media

PETAs Lüge über Morgans Familie

Exklusiv für zoos.media – 31.12.2017. Autor: Philipp J. Kroiß

PETA behauptet, dass Morgans Familie gefunden worden sein – da stellt sich aber als Lüge heraus. Zudem weiß niemand wo diese angebliche Familie ist.

PETAs Lüge über Morgans Familie

PETA hat in der Zeit „zwischen den Jahren“ dieses Meme veröffentlicht.

Was PETA schreibt, ist eine Lüge. Ihre Familie wurde nicht ausfindig gemacht. Es gab zwar Ähnlichkeiten zwischen ihren Vokalisationen und denen der P-Familie, aber in der Studie erklären die Wissenschaftler:

„Es gibt jedoch mehrere Faktoren, die solche akustischen Vergleiche schwierig machen.
Die kurze Aufnahmezeit (56 min) und der begrenzte Kontext (Karusselljagd und Sozialisierung) der Aufnahme aus der Gruppe P können die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass nicht das gesamte Repertoire von dieser Gruppe P aufgenommen wurde. […] Es besteht die Möglichkeit, dass Morgan durch ihr junges Alter ihr Vokal-Repertoire noch nicht voll entwickelt hat. […] Unter der Annahme, dass Morgan bei der Aufnahme ungefähr 1 ½ bis 2 Jahre alt war (Van Elk, 2010), war ihr akustisches Repertoire möglicherweise nicht vollständig entwickelt, was die Versuche, ihre Laute einer wilden Gruppe zuzuordnen, vereiteln könnte.
Darüber hinaus ist das Sammeln qualitativ hochwertiger Aufnahmen und Fotos von wilden Schwertwalen und die Analyse zur Identifizierung von Individuen und akustischen Vergleichen nicht nur schwierig als langwieriger Prozess, sondern begrenzt die verfügbaren Daten und die Schlussfolgerungen, die auf einem kurzen Vergleich wie diesen beruhen. Da mehrere Rufe auch mit anderen Gruppen geteilt werden, von denen einige in der Nähe von Gruppe P waren, ist es plausibel, dass Morgan aus einem weniger bekannten, verwandten Pod stammen könnte, der ein ähnliches akustisches Repertoire wie die Gruppe P hat, für das aber vollständige Beschreibung des Repertoires noch nicht verfügbar ist.“ (Vester & Samarra, 2011; Übersetzung: zoos.media)

Morgans Familie wurde also gar nicht gefunden

Orcas vor Lofoten, Norwegen | Foto: Rene at Danish Wikipedia, Lizenz: public domain

Diese Studie, die also ihre eigenen Schwächen erkannt hat und vor einer eindeutigen Zuordnung zurücktritt, nimmt PETA und behauptet, dass Wissenschaftler ihre Familie ausfindig gemacht haben, obgleich diese aber von sich selbst behaupten, dass sie nur Ähnlichkeiten zwischen Vokalisationen in nicht vergleichbaren Situationen gefunden haben und eine eindeutige Zuordnung überhaupt nicht für möglich halten.

2012 veröffentlichte Ellyne Dudkowski ihre Bachelorarbeit. Sie hatte sich auf die Suche nach der Gruppe P gemacht und 119 Tiere identifiziert, aber die Tiere der Gruppe, die Morgan zugeordnet wird, nicht gefunden. Im Juni des gleichen Jahres wurde das Mitglied P118, aber in einer völlig anderen Gruppenkonstellation, gesichtet. Es wurde innerhalb weniger Tage in Gesellschaft zweier bis dahin unbekannter Gruppen gefunden (Vester & Ilmoni, 2012). Man weiß also nicht nur nicht, wo diese P-Gruppe gerade ist, sondern hat sogar Anzeichen dafür gefunden, dass sie auseinander gebrochen ist.

Man kann Morgan also nicht zu ihrer Familie zurückbringen, weil man keine Ahnung hat, wo diese gerade ist oder ob sie überhaupt noch existiert. Die letzte Sichtung eines versprengten Mitglieds liegt ja nun auch schon fünf Jahre zurück.

Morgan bereits Teil einer neuen Familie

Portrait von Morgan im Loro Parque | Foto: zoos.media

Morgan ist schon längst in ihrer neuen Familie integriert: Keto, Kohana, Tekoa, Skyla, Adán und sie bilden eine harmonische Gruppe. Da die hörbehinderte Morgan nach wie vor vokalisiert, haben sogar die anderen Tiere schon Rufe von ihr übernommen. Geht man also nach der Ähnlichkeit des Vokalrepertoires, ist die Gruppe, die am meisten mit ihr gemeinsam hat, die im Orca Ocean im Loro Parque auf Teneriffa.

Morgan hat sich wunderbar eingelebt und Mensch und Tier in Orca Ocean haben sich auf sie perfekt eingestellt. Nun ist sie sogar schwanger von einem der beiden adulten Männchen. Das war eine Überraschung für das Team, aber eine zweifelsohne gute. Sowohl Keto als auch Tekoa könnten der Vater sein – da sie aber mit beiden zusammen war, weiß man noch nicht, wen sie bald zum glücklichen Vater macht. In der Wildbahn weiß man das eben auch nur nach genetischen Analysen, weshalb man bei vielen Orcas, die man in der Wildbahn beobachtet, nicht den blassesten Schimmer hat, wer der Vater ist – manchmal ist sogar die Zuordnung der Mutter gar nicht so einfach, was man im Fall Granny gesehen hat.

Orcas in moderner Menschenobhut sind auch nicht, wie PETA fälschlicherweise behauptet, als eingesperrt zu bezeichnen. Genausowenig werden sie zum Training gezwungen. Wir hatten die Möglichkeit ein Video zu veröffentlichen, das eine Trainingseinheit von Morgan ungeschnitten zeigt.

Man sieht, dass Morgan zu nichts gezwungen wird. Wie jeder andere Orca nimmt sie freiwillig am Training teil.
Mehr zum Training und Futter der Orcas im Loro Parque erfährt man in diesem Video:

Es ist völlig falsch, dass Morgan in irgendeiner Weise trauert. Dafür gibt es nicht nur keinerlei Anzeichen, sondern auch keinen Grund. Sie lebt in einer mehrfach ausgezeichneten Haltung, die auf Basis modernster wissenschaftlicher Erkenntnisse erfolgt. Es gibt keinen Ort, wo es besser für sie wäre. Hier hat sie eine Familie, die sich um sie kümmert – in der Wildbahn war dies nicht der Fall. Durch das bereits angesprochene Vokalisieren des Tieres und der Fähigkeit der Orcas solche Rufe noch aus etlichen Kilometern Entfernung zu hören, ist es schlicht unwahrscheinlich, dass ihre Familie sie unabsichtlich verloren hat. Mit ihrer Hörbehinderung ist es nämlich schlicht unmöglich, dass sie in der Natur überlebt.

Wie PETA mit geretteten Tieren umgeht

Der gerettete Schweinswal Jack im Vancouver Aquarium. | Foto: Marcus Wernicke, Porpoise.org, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Dass PETA professionelle Tierretter attackiert, geschieht recht häufig. Viele moderne Zoos retten jedes Jahr vielen Tieren das Leben und geben ihnen eine neue Chance – diese Zoo und Aquarien nimmt PETA aber nicht etwa von Attacken aus, sondern hat sie sogar ganz besonders im Fokus. So wird zum Beispiel etwas Hass gegen das Vancouver Aquarium geschürt, das pro Jahr über 100 Tiere rettet. Man will sogar verhindern, dass weiterhin solche lebensrettenden Maßnahmen erfolgen, weil der Hass auf Delfinarien bei PETA offenbar wichtiger ist als das Überleben der Tiere. Die PETA-Gründerin erklärte: „Wir setzen uns nicht für ein „Recht auf Leben“ für Tiere ein„. Dazu hat PETA klar geäußert, dass man „das Ende jeglicher Tierhaltung“ anstrebt und dazu gehören eben auch solche modernen Einrichtungen, die Tieren nicht selten das Leben retten.

Vor dem Hintergrund macht es auch Sinn sich mal anzuschauen, wie die radikale Tierrechtsorganisation PETA mit den von ihnen „geretteten“ Tieren umgeht und da stößt man auf üble Details. Dass PETA für den Tod von zehntausenden Haustieren in den USA verantwortlich ist, von deinen ein nicht geringer Teil noch gesund und vermittelbar war, ist bereits hinlänglich bekannt. Weniger bekannt ist, dass unter den toten Tiere auch solche waren, die man angeblich rettete. So wurden etwa 1991 32 aus einer Forschungseinrichtung „gerettete“ Tiere getötet. Eine der reichsten Tierrechtsorganisationen der Welt mit einem aktuell zweistelligen Millionen-Budget gab an, man habe kein Geld, sich um diese 32 Tiere zu kümmern. Somit ist fraglich, ob man PETA in der Situation sehen kann, Tierretter, deren Priorität das Überleben der Tiere ist, zu kritisieren.

Orca-Rettung von Free-Morgan-Aktivisten scheiterte

Ingrid Visser jagt Orcas mit Unterwasserkamera – die Tiere schwimmen vor ihr weg. | Foto: Screenshot des Films „Woman swims with killer whales in the wild.webm“ von Fair Projects (Lizenz: CC BY 3.0)

Ingrid Visser, die Frontfrau der Free-Morgan-Bewegung, hatte die Chance sich zu beweisen und zu zeigen, es besser zu können als die Experten, die sie immer kritisiert. Sie scheiterte kolossal. Visser, als Teil einer Szene, die modernen Orcahaltungen gerne mit Swimming Pools vergleichen, hielt den geretteten jungen Orca Bob nun tatsächlich in einem eilig aufgestellten Swimming Pool. Dieser hatte auch noch offenbar eine nicht ordentlich funktionierende Filtration. Dazu ließ Visser zu, dass das Tier direkt angetatscht wurde – keine Spur also von den Hygiene-Vorkehrungen, die professionelle Halter bei geretteten Tieren treffen.

Ob diese desolate Haltung auch zum letztendlichen Tod des Tieres führte, lässt sich begründet vermuten, aber nicht widerlegen, weil man den Kadaver des Tieres verschwinden ließ  – die Maori mussten anscheinend als Steigbügelhalter herhalten, dass man das Tier nicht ordentlich untersuchte, um die Todesursachen genau zu ergründen.
Fragt man erfahrene Veterinärmediziner in dieser Sache, ist eine Sepsis, bedingt durch eine Infektion, als Todesursache am wahrscheinlichsten. Diese wurde durch die amateurhafte Behandlung des Tieres entweder erst ausgelöst oder zumindest verstärkt.