Junglöwe TSAVO am 30.10.2016 | Foto: zoos.media

Scheinheiliges Statement über Mutterschaft von PETA

Exklusiv für zoos.media – 24.12.2017. Autor: Philipp J. Kroiß

PETA vergleicht zum #Mutterliebe über Ähnlichkeiten zwischen Mensch und Tier, macht einen völlig sinnlosen Vergleich und ein scheinheiliges Statement.

Heuchelndes Statement über Mutterschaft von PETA

Weihnachten gilt als „Fest der Liebe“ und diese Karte spielt PETA auch in diesem Jahr wieder gerne aus. So haben sie auch dieses Meme geteilt:

Junge Löwenmänner werden aus dem Rudel vertrieben

Ein Paar Persische bzw. Asiatische Löwen im Tiergarten Nürnberg | Foto: Rufus46, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Bei Löwen ist das mit der Mutterliebe so eine Sache. Wenn männliche Löwen geschlechtsreif werden, werden sie aus dem Rudel vertrieben. Insgesamt bleiben sie also zwei bis drei Jahre bei ihrer Mutter im Rudel. Bereits im Alter von sechs Monaten werden die Tiere entwöhnt und haben bis dahin nicht nur bei ihrer Mütter sondern auch bei anderen Löwinnen des Rudels „die Milchbar besucht“. Dieser Vergleich ist also völlig sinnbefreit, weil Löwenbabys so doch ein völlig anderes Verhältnis zu ihrer Mutter haben und die Bindung eine völlig andere ist.

Es gibt im Tierreich ganz unterschiedliche Konzepte von Mutterschaft, die ganz verschiedene Verläufe haben. Ein wirklich „starkes Band“ lässt sich nicht wirklich durch das ganze Tierreich nachweisen – gerade Löwen sind da ein ziemlich schlechtes Beispiel. Wenn der Junglöwe aus dem Rudel vertrieben wird, bedeutet das für ihn erstmal Lebensgefahr und es braucht auch Glück ein neues Rudel zu finden, die Eroberung dessen zu überleben, um dann in ein neues Leben starten zu können. Ist dann so ein Rudel erobert wird von Löwen Infantizid geduldet, denn man beobachtet, dass nach einer Neueroberung erstmal sämtlicher Nachwuchs getötet wird. Wenn das bei Menschen passieren würde, hätten wir eine völlig andere Reaktion als dies bei Löwen geschieht. Bei Löwen würde man, mit Blick auf das natürliche Verhalten, nicht so sehr davon ausgehen, dass man hier auch nur ansatzweise von einer Vergleichbarkeit ausgehen kann.

Weiterhin problematisch ist auf dem Bild, dass das Ablecken bei Großkatzen ein völlig anderes Verhalten ist und völlig anders rezipiert wird, als der mütterliche Kuss auf die Stirn beim Menschen. Somit hinkt der Vergleich auch auf dieser verhaltensbiologischen Ebene. PETA hat mal wieder gezeigt, dass sie nicht wirklich mit dem Verhalten von Tieren vertraut sind.

Scheinheiligkeit des Memes

Obgleich Mutterschaft bei vielen Tieren von Menschen vielleicht als nicht wirklich romantisch rezipiert wird, ist es ein wichtiger Teil des Lebens der Tiere. Fortpflanzung gehört zweifelsohne zu den Bedürfnissen von Tieren. PETA leugnet aber genau das und deshalb ist dieses Meme so scheinheilig.

PETA fordert ein Ende der Löwenhaltung und somit sind die Tiere in Menschenobhut für die Tierrechtsorganisation wohl Tiere zweiter Klasse. Wer sich schon darüber aufregt, wenn dieses Band angeblich zertrennt wird, wie grausam müssen dann erst die sein, die verhindern, dass es überhaupt erst entsteht? PETA tut für Löwen und viele andere Tiere in Zoos und anderen Haltungen ja aber genau das. Obgleich Mutterschaft bei Löwen für Menschen vielleicht wenig romantisch klingt, ist es für die Mutter und das ganze Rudel ein natürliches Verhalten, das man nicht, ohne einen Vorteil für das einzelne Tier oder seine Population, einfach mal verbieten darf oder sollte.

Welpe eines Amerikanischen Pitbull Terriers | Foto: miggslives, Lizenz: CC BY 2.0

Wie kann PETA es sich herausnehmen über Mutterschaft bei Löwen oder Tieren generell zu reden, wenn man es bei einer bestimmten Gruppe von Tieren so gering schätzt? Das limitiert sich ja nicht nur auf Tiere im Zoos: PETA arbeitet mit Gruppen zusammen, die gegen Pitbulls sind. Jedem Hundefreund bricht es das Herz, dass es viele unverständige Laien auf diese zutiefst missverstandene Rasse abgesehen haben und sie abschaffen wollen, obwohl ein Pitbull genauso liebenswert ist wie etwa Golden Retriever oder jedes andere Tier. PETA aber möchte ja jede Form der Tierhaltung abschaffen und nun sucht man sich bestimmte Arten aus, um den Hebel anzusetzen.
Das Ende der Tierhaltung und das Ende der Zucht bedeutet nichts weniger als das Aussterben ganzer Arten – von Haustierrassen bis zu Arten, die nur dank artgemäßer Haltung eine Chance auf Überleben haben.

Wer so zum Thema Mutterliebe heuchelt und das so beschriebene „starke Band“ hinterrücks so torpediert, ist nicht glaubwürdig. Das ist Clickbait in dreistesten Form: PETA will mit Mutterliebe auf sich aufmerksam machen und erweckt den Eindruck sie zu achten, missachtet sie aber zutiefst, weil sie tausenden Tieren es unmöglich machen will, diese zu erleben.

Löwen brauchen unsere Hilfe

Angola-Löwe Matadi im Zoo Leipzig (2013) | Foto: Appaloosa, Lizenz: CC BY 3.0

Durch Haltungsverbote will PETA den umfassenden Tier-, Arten- und Naturschutz, zu dem eben zweifelsohne, ob man es nun mag oder nicht, die Haltung der Tiere in Menschenobhut gehört, torpedieren. Aus dieser Richtung ist keine Hilfe für Tiere zu erwarten.

Deshalb arbeiten vertrauensvolle Artenschützer mit modernen Zoos zusammen. Die Zoos bringen Menschen diese Tiere nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes nahe, sondern unterstützen die Projekte auf vielfältige Weise durch ihre Kompetenz, Erfahrung, Forschung und auch durch finanzielle Hilfe. Dadurch werden viele Projekte erst möglich.