Spektakuläre Sprünge sind Teil der edukativen Show im Loro Parque. | Foto: zoos.media

PETA: Nur ein zahnloser, falscher Hase?

Exklusiv für zoos.media – 05.12.2018. Autor: Philipp J. Kroiß

Am Montag hat PETA seine große Woche gegen TUI gestartet. Wie groß war denn der Protest? Gab es etwa ein starkes Statement gegen Zoos und Aquarien mit Orcas?

PETA: Nur ein zahnloser, falscher Hase?

Es ist Montag der 3.12.2018, 11.15 Uhr. Zwei Menschen mit blauen Jacken und einem Hasen-Emblem auf dem Rücken finden sich vor der TUI-Zentrale in Hannover ein. Unter dem Hasen prangt der Schriftzug der radikalen Tierrechtsorganisation PETA. Offenbar handelt sich um zwei Mitarbeiter der Organisation, machen sie sich doch eifrig daran, die anstehende PETA-Demonstration vorzubereiten.

Kein Lärm um nichts

Na, sehen Sie die große PETA-Demo vor der TUI-Zentrale? Wir auch nicht. Nur wenige sind überhaupt gekommen. | Foto: zoos.media

Insgesamt fanden sich nur fünf weitere Demonstranten, die anscheinend keine Mitarbeiter der Tierrechtsorganisation waren, später ein. Diese sieben also waren das große Aufgebot von Gegnern der Praxis von TUI, Eintrittskarten in akkreditierte und zertifizierte zoologische Gärten mit Orca-Haltung zu verkaufen und entsprechende Ausflüge anzubieten. Nichtssagende Schilder hielten die teils in lächerlichen Kostümen gekleideten Tierrechtler hoch. Vielleicht hatte PETA-Angestellte Tanja Breining gemerkt, dass die Leute damit von Weitem eher aussahen als hätten sie sich das schlechtes Pinguin-Kostüm der Welt gekauft und seit dem 11.11. den Weg nach Hause nicht mehr gefunden, und es deshalb schnell wieder ausgezogen.

Der klägliche Haufen hielt also die nichtssagende Schilder mit den haltlosen Behauptungen hoch und posierte für ein Foto nach dem anderen. Das schien überhaupt der einzige Inhalt der Veranstaltung zu sein: Fotos machen und es dabei irgendwie so aussehen lassen, als wären viele Leute da. Pose nach Pose wurde eingenommen, wobei Positionen und Plakate getauscht wurden. Passanten gab es kaum – sie werden es ohnehin eher für ein seltsames Fotoshooting mit einer Handykamera gehalten haben. Einzige zusehende Person war wohl unfreiwilligerweise ein Baby, das eine Demonstrantin mitbrachte und über eine längere Zeit völlig unbeachtet am Rand des Geschehens im Kinderwagen geparkt worden war.

Medieninteresse war kaum vorhanden. Ein Fotograf verirrte sich offenbar und ein zweiter schrieb Notizen auf einen Block. Er gehörte zu den wenigen, die überhaupt Notiz von der ganzen Sache nahmen. PETA hat TUI einen Grund mehr geliefert, die falschen Anschuldigungen gegen seriöse Zoos und Aquarien, die wir bereits an anderer Stelle widerlegt haben, nicht zu beachten. Zudem wäre es nun an TUIs Stelle mehr als lächerlich wegen fünf Protestlern, die anderen beiden waren ja von PETA selbst, ihr Angebot zu ändern.

Thomas Cook steht nun auch recht schlecht da – sowas soll also der Protest gewesen sein, der sie überzeugt hat? Aber für Häme ist sicherlich der falsche Ort und zudem hat Thomas Cook nach seiner Entscheidung die Gewinnerwartung ja bereits zweimal um mehrere Millionen nach unten korrigieren müssen.

PETA: Mini-Verein mit lauter Stimme

Von PETA getötete Hunde wurden in einem Mülleimer in Plastiktüten gefunden. Dieser Hund ist eines von zehntausenden Opfer von PETA. | Foto von http://whypetakills.com (Nathan J. Winograd)

Immerhin, insgesamt protestierten ja fast so viele Leute vor dem TUI-Gebäude wie der Verein echte Mitglieder hat – das ist allerdings bei einer einstelligen Mitgliederzahl auch nicht weiter verwunderlich. Stimmberechtigt, also wirklich Mitglieder des Vereins, sind bei PETA nämlich nicht viele und noch weniger davon leben in Deutschland. PETA Deutschland e.V. ist ein Mini-Verein und es ist kaum möglich weniger Mitglieder zu haben und noch als Verein zu zählen.

Nach dieser peinlichen Vorstellung vor der TUI-Zentrale in Hannover muss man sich auch fragen, wo sind denn überhaupt die ganzen PETA-Unterstützer? Wo sind denn die Scharen an Menschen, die gegen die tiergerechte Haltung von Schwertwalen in modernen, akkreditierten und zertifizierten Zoos protestieren? Im realen Leben scheint es sie nicht zu geben.

Bei allem, was aber online geschieht oder medial vermittelt wird, sieht es dann plötzlich anders aus: tausende Unterschriften gegen SeaWorld, Marineland Antibes und Loro Parque – wohl gemerkt sind das eigene Zahlen von der eigenen Seite und keine unabhängig geprüften Zahlen. Mit diesen Zahlen wird immerzu gewedelt und das scheint zu reichen, damit fragwürdige Unternehmen, unseriöse Medienvertreter und kritisierungswürdige Politiker auf die Propaganda des Mini-Vereins hereinfallen.

Das ist doch alles nur gekauft?

Alles, womit PETA also glänzt, ist käuflich zu erwerben: Online-Größe ist heute sogar recht leicht käuflich. Dass es Likes zum Spottpreis gibt, ist bekannt, aber das ist eigentlich bereits Schnee von gestern, weil viele Algorithmen das erkennen. Die Marketer von heute kaufen Bots, die nicht nur die Seite liken, sondern auch vollautomatisiert auch Beiträge selbst liken und Kommentare schreiben. Zudem bieten ja Social-Media-Seiten auch Optionen an, wie einem, nach der Bezahlung eines gewissen Geldbetrages, ordentlich Traffic auf die Seite geleitet wird.

Chihuahua Maya – von PETA den Besitzern entwendet und getötet | Foto von http://whypetakills.com (Nathan J. Winograd)

Online kann sich jeder „groß“ kaufen – besonders, wenn man über vier Millionen Euro im Jahr für Öffentlichkeitsarbeit ausgibt, was PETA 2017 getan hat. Das bedeutet rund 11.000 Euro jeden Tag. Damit kann man viel anstellen. 2017 zahlte man im Durchschnitt für einen Click auf eine Facebook-Anzeige rund 0,24€. Mit 1.000 Euro an einem Tag waren also locker 4.000 Klicks drin. Damit bekommt man also schon mal Traffic auf die eigene Seite. Der Preis pro 1.000 Impressionen lag durchschnittlich bei rund 6,34€. Das heißt mit 1.000€ waren über 150.000 Impressionen – eine Impression bedeutet, dass eine Person den Beitrag sieht – spielend möglich.

Das ist es jetzt erstmal eine Plattform, die man bespielt, aber eben auch „nur“ 2.000€ Investment – PETA hatte ja pro Tag mehr als das Fünffache zur Verfügung, das man geschickt auf mehrere Plattformen und in mehrere Kanäle verteilen kann, um Reichweite zu erzielen und Traffic auf die eigenen Kanäle und Seiten zu bringen.

Die Daten, die dann auf der eigenen Seite (ent)stehen, wie etwa die Unterschriftenanzahl bei den fragwürdigen und leicht zu manipulierbaren Petitionen, muss man nicht mal kaufen, denn wer überprüft das schon oder kann man das überhaupt überprüfen? Niemand. Man glaubt PETA oder eben nicht – erschreckend viele sind bei Online-Petitionen allerdings erschreckend leichtgläubig.

Wenn also PETA mit Zahlen prahlt muss man im Angesicht der Demonstration vor der TUI-Zentrale sehr zurückhaltend sein, wenn es darum geht, wie viele Leute wirklich hinter PETA stehen. Echte Unterstützer gibt es nämlich offenbar kaum. Deshalb darf man die Tierrechtsorganisation nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern, wie auch bei Online-Petitionen, fallen viele Leute auf solche fragwürdigen Zahlen aufgrund von naiver Leichtgläubigkeit herein und beginnen PETA zu glauben, weil es ja angeblich so viele Leute auch tun würden.