Die edukative Orca Show im Loro Parque begeistert pro Tag mehrere tausend Menschen. | Foto: zoos.media

PETA versorgt TUI mit Lügen über Zoos

Exklusiv für zoos.media – 08.10.2018. Autor: Philipp J. Kroiß

Nach dem Fehler von Thomas Cook nimmt PETA nun den Reiseveranstalter TUI ins Visier und verbreitet dabei Lügen über moderne Zoos und Aquarien.

PETA versorgt TUI mit Lügen über Zoos

Nach der Entscheidung von Thomas Cook, die in Europa von angeblichem Tierschutz reden, aber in China offenbar kein Problem mit aus Taiji gefangenen Tieren in Walhaltungen haben, will PETA nun auch TUI überreden sich in den Kreis der unseriösen Reiseveranstalter einzureihen, die bestimmte moderne Zoos und Aquarien ohne jeden wissenschaftlichen Beleg ablehnen.

Lügen über Orcas

„In freier Wildbahn gehen Orcas komplexe Beziehungen ein, arbeiten bei der Nahrungssuche zusammen und legen im Meer jeden Tag eine Strecke von bis zu 220 Kilometern zurück“, schreibt PETA. Komplexe Beziehung gehen diese Orcas auch in Menschenobhut ein und arbeiten auch dort zusammen, wenn es darum geht, etwas durch in Enrichments, an Nahrung zu kommen. Die Beschreibung der angeblich zurückgelegten  Strecke ist manipulativ. Diese Aussage ist ungefähr so sinnvoll wie: „Menschen tauchen bis zu 335 Metern Tiefe.“  Das trifft für außergewöhnliche und rekordverdächtige Leistungen zu, aber hat mit dem Leben der allermeisten Menschen rein gar nichts zu tun.
Residente Orcas, deren Ökotyp vergleichbar mit denen in Menschenobhut ist, legen pro Tag in der Regel deutlich weniger als die Hälfte zurück. Mehr zu diese Thema:

Wie schnell schwimmen Delfine wirklich?

„Bei „SeaWorld“ und im „Loro Parque“ werden miteinander unverträgliche Orcas zusammen in viel zu kleine, kahle Becken gesperrt“, behauptet PETA und das ist nachweislich eine Lüge. Genauso wie „Den Tieren werden Psychopharmaka wie Diazepam verabreicht, um ihr durch Stress verursachtes, aggressives Verhalten unter Kontrolle zu bekommen.“ Dazu haben wir den verantwortlichen Tierarzt selbst befragt und seine Ausführungen decken sich mit entsprechenden unabhängigen Analysen der Medikamentengabe im Loro Parque:

„Zudem werden Mütter häufig von ihren Jungen getrennt“, auch das ist falsch. Es geschieht nicht häufig und nur, wenn das Wohlergehen des Nachwuchs gefährdet ist. Wenn etwa die Mutter nicht genug Milch produziert, was bei erstgebärenden Müttern zum Beispiel gar nicht unüblich ist, tut man das, weil das Kalb sonst sterben würde. Ebenso falsch ist diese Aussage: „Aus Frustration und Verzweiflung nagen die Tiere an den Betonwänden und an den Gittern der Becken und ruinieren sich dabei die Zähne.“ Orcas in der Natur zeigen viel schlimmere Zahnreihen und das ganz ohne Betonwände. Schwertwale nutzen ihren Mund zum Ertasten ihrer Umgebung und aufgrund der weichen Konsistenz der Zähne, kommt es dabei in der Natur und Wildbahn zu völlig normalem Zahnabrieb. Darüber wie damit im Loro Parque umgegangen wird, haben wir ein Video gemacht:

„Oft sterben sie Jahrzehnte, bevor sie ihre natürliche Lebenserwartung erreicht haben“, schreibt PETA und das ist auch nicht wahr. Die Tiere, die in Menschenobhut von einer professionellen Einrichtung geboren werden, leben insgesamt länger als in der Natur. Lesen Sie dazu:

Zur Lebenserwartung von Orcas

„Im September 2016 hat der kalifornische Gouverneur Jerry Brown die Nachzucht von Orcas und ihre Vorführung in Unterhaltungsshows in Kalifornien gesetzlich untersagt. Dieses Nachzuchtverbot gilt jedoch nicht für die Orcas im spanischen „Loro Parque“ oder im „Marineland“ in Frankreich. Auch ändert es nichts am Leid der Schwertwale, die in den USA noch immer von „SeaWorld“ eingesperrt werden“, behauptet PETA und desinformiert erneut. Das in Kalifornien erlassene, tierquälerische Zuchtverbot gilt rein rechtlich nur für eine Orcahaltung von SeaWorld – nämlich der in San Diego. In Europa würde ein solches Zuchtverbot, das langfristig eine tierquälerische Haltung der Tiere bedeutet, nicht möglich sein, weil es nicht mit der EU-Zoorichtlinie konform wäre.

Loro Parque: Orca Keto zeigt seinem Trainer seinen Bauch – ein Vertrauensbeweis. | Foto: zoos.media

„Im Rahmen der Thomas-Cook-Kampagne fanden weltweit 150 Protestaktionen vor Thomas-Cook-Filialen statt, mehr als 30 davon in Deutschland. Über 50.000 Briefe wurden im Rahmen der PETA-Kampagne von Tierfreunden verschickt“, lässt PETA den Leser lesen und sagt damit nicht die Wahrheit. Es waren keine Tierfreunde, die das geschickt haben, sondern es handelte sich um eine von PETA gesteuerte Art Online-Petition, wodurch man eine Mailbomb zu Stande brachte. Ob es die Leute wirklich gibt, ist fraglich. Die Protestaktionen waren zumeist sehr klein und zeigten, dass es eine verschwindende Minderheit ist, die sich gegen die Haltung der Tiere einsetzt. Diese Online-Aktion mit der untransparenten Adressensammlung dauerte mehrere Jahre an.
Innerhalb weniger Wochen und mit notarieller Beglaubigung konnte der Loro Parque 75.000 ihn unterstützende Unterschriften sammeln. Eine Umfrage unter den Besuchern der Orca-Show ergab eine rund 97%ige Zufriedenheit der Zoobesucher.

Abschließend wird Ric O’Barry erwähnt. Er wurde bereits rechtkräftig wegen falschem Umgang mit Delfinen zu eine saftigen Geldbuße verurteilt. Ihm werden fragwürdige Trainingsmethoden nachgesagt, weshalb keine professionelle Einrichtung mit ihm arbeiten wollte und will. Ihn als Experten hinzuziehen macht so viel Sinn wie jemand, der einen Schreibmaschinen-Kurs besucht hat, aufgrund dessen zum Professor für Informatik zu machen.

Wird TUI auf PETA hereinfallen?

Morgan (r) und die beiden anderen Weibchen Kohana und Skyla springen während der edukativen Orca Show im Loro Parque. | Foto: zoos.media

TUI hat den Loro Parque bereits etliche Male aus verschiedenen Gründen ausgezeichnet und die Artenschutzarbeit der Stiftung des Zoos unterstützt. Ob der Reiseveranstalter nun das Fähnchen im Wind spielt, bleibt abzuwarten. TUI ist in der Tourismusbranche sicherlich das Vorzeigeunternehmen und man kann nur hoffen, dass man sich nicht von Lügen, Populismus und Desinformationen der Aktivisten überzeugen lässt.

Eine Reise zu buchen, hat etwas mit Vertrauen zu tun und
ein Reise-Unternehmen, das sich von so einer Kampagne beeinflussen lässt und nicht zudem steht, was es sagt, ist nicht nur unseriös, sondern auch nicht vertrauenswürdig genug. Thomas Cook ist mit der Entscheidung alles andere als gut gefahren, da danach die Doppelzüngigkeit des Reiseveranstalters offen gelegt wurde. Zudem wird Thomas Cook auch danach weiter von radikalen Aktivisten attackiert, weshalb ihnen diese Entscheidung rein gar nichts gebracht hat.

Aktuell steuert der Loro Parque auf eine Rekordbesucherzahl zu. Der moderne Zoo gehört zu einem der wenigsten Einrichtungen auf den kanarischen Inseln, die in diesem Jahr ein Plus in den Besucherzahlen vorweisen konnte. Das Sinken der Touristenzahlen liegt daran, dass die Kanaren Ausweichreiseziel von Urlauber gewählt wurden, deren favorisierte Urlaubsländer aufgrund von Unruhen nicht sicher waren. Da dies nun nicht mehr der Fall ist, kamen weniger Urlauber auf die Insel und trotzdem hatte der Loro Parque ein außergewöhnlich gutes Jahr.

PETAs dreister Alternativ-Vorschlag

PETA schlägt vor, die Tiere in so genannten betreuten Meeresbuchten unterzubringen. Dazu muss man wissen, dass diese nicht existent sind. Einzig Pläne, deren Umsetzung eine tierquälerische Haltung wäre, die in Ländern, die es mit dem Walschutz ernst meinen, nicht mal legal wären. In diesen „Sanctuaries“ ist eine Haltung der Tiere unter Entzug der Möglichkeit zur Reproduktion vorgesehen. Eine solche unnatürliche Sozialkonstellation verhindern moderne Zoos und Aquarien richtigerweise, in dem sie die Tiere züchten. Diese Zucht ist auch dringend nötig. Mehr dazu hier:

Warum die Zucht von Orcas so wichtig ist

Ein Orca-Zuchtstopp ist ohnehin ein Luftschloss, weil es nicht mal theoretische Möglichkeiten gibt, ihn langfristig zu implementieren, denn dann bedeutet Zuchtstopp Tierquälerei. So können moderne Zoos und Aquarien die Zucht zwar kontrollieren und zwar durch kurzfristige Maßnahmen, aber diese sind langfristig nicht einsetzbar. Ein Beispiel sind Kontrazeptiva: es gibt kein Medikament, das dafür geeignet ist die Zucht eines Orcas dauerhaft zu verändern ohne das Tier in seinem Wohlergehen drastisch einzuschränken. Aus diesem Grund erhält SeaWorld auch Kritik aus der Fachwelt für seinen Vorschlag.

PETA, und das ist sehr wichtig zu betonen, geht es nicht um Tierschutz. Das bezeugen sie auch selbst. Über neunzig Prozent der Ausgaben verwendet PETA Deutschland e.V. für sich selbst, um hauptsächlich Öffentlichkeitsarbeit zu machen und Gehälter der Mitarbeiter zu zahlen. Über 35.000 Haustiere, von denen erschreckend viele gesund und vermittelbar waren, wurden von der radikalen Tierrechtsorganisation in ihrem Tierheim in den USA umgebracht. PETA strebt eine Welt ohne jede Form der Tierhaltung an, was umfassenden Tier-, Arten- und Naturschutz unmöglich machen würde.