Goriallanachwuchs im Zoo Duisburg. | Foto: zoos media, Lizenz: Erlaubnis des Fotografen

PETAs „Zoo-Hintergrundwissen“ hat mit Wissen nichts zu tun

Exklusiv für zoos.media – 21.11.2017. Autor: Philipp J. Kroiß

PETA wirbt auf seiner Seite damit Hintergrundwissen zu Zoos zu vermitteln, aber die radikale Tierrechtsorganisation verbreitet eher nur Populismus.

PETAs „Zoo-Hintergrundwissen“ hat mit Wissen nichts zu tun

Die radikale Tierrechtsorganisation PETA will jegliche Haltung von Tieren beenden und schreckt dabei auch nicht vor Populismus, Lügen und Desinformationen zurück.

Die angebliche Artenschutz-Lüge

Przewalski-Pferde | Foto: Ancalagon, Lizenz: CC BY-SA 1.0

„In Gefangenschaft geborene Tiger, Bären, Menschenaffen, Löwen, Giraffen, Eisbären und viele weitere Tierarten können grundsätzlich nicht ausgewildert werden. Im Zoo verkümmern ihre Instinkte, und die Tiere können wichtige Verhaltensweisen für ein Überleben in der Natur nicht erlernen.“ – PETA

Das ist schlicht gelogen. Der lebende Gegenbeweis sind nicht nur die ausgewilderten Przewalski-Pferde und Oryx-Antilopen in fernen Ländern, sondern auch die Luchse quasi vor der eigenen Haustüre. Sehr gut bekannt ist die Geschichte der Kalifornischen Kondore und vieler anderer Arten. Vor ein paar Tagen erst kam frohe Kunde von Atelopus varius. Diese klaren Fakten als Lügen abzutun, ist realitätsfremd, aber vor allem eines: eine Lüge. So zu tun als gäbe es diese Erfolgsgeschichten nicht, widerspricht dem Interesse von Tier-, Natur- und Artenschutz.

PETA versucht diese Lüge immer wieder zu verkaufen – auch in ihrer anderen Grundsatzveröffentlichung über Zoos.

Der Schwarzfußiltis (Mustela nigripes) wurde auch durch die Arbeit von Zoos gerettet. | Foto: Kimberly Fraser / USFWS Mountain-Prairie, Lizenz: CC BY 2.0

Dem ganzen Lügengebäude, auf dem der Abschnitt über die angebliche Artenschutz-Lüge mit Desinformationen aufgebaut wird, fehlt so das Fundament. Eine auf eine falsche Prämisse folgende desinformative Aneinanderreihung nur auf dem ersten Blick scheinbar logischer Folgerungen, ist eine typische Struktur populistischer Texte. Wie Zoos Artenschutz betreiben, funktioniert und viele gerettete Arten geben davon ein Zeugnis ab.

Ohne Zoos würde es Schwarzfußiltisse nicht mehr geben. Sie wären vom Planeten getilgt wie die Hawaii-Krähe, der Miluhirsch, das Wisent und viele andere Tierarten auch. Dank Zuchtprogrammen in Menschenobhut war es aber möglich, diese Tiere nicht nur vor dem Aussterben zu bewahren, sondern sogar auch wieder eine Chance auf Wiederansiedlung in der Natur einzuräumen. Das hat nicht nur Geld, sondern auch Zeit, Arbeit und Anstrengung gekostet, aber es funktioniert gut. PETA hat nicht einen vergleichbaren Erfolg vorzuweisen, weil sie Tierhaltung ja gänzlich ablehnen und somit in ihrer Ideologie ein Zuchtprogramm, das Arten rettet, gar nicht mal existieren kann. Diese ideologische Verblendung schadet dem Natur- und Artenschutz immens.

Milchmädchen-Rechnungen wie sie PETA vom Zaun bricht, bringen vor diesem Hintergrund nichts. „Würden die Zoos beispielsweise sämtliche Tiger-Zuchtprogramme einstellen, könnten mit den eingesparten Mitteln Wildhüter und Ausrüstung in ausreichendem Maß finanziert und die letzten freilebenden Tiger effektiv geschützt werden“, behauptet PETA. Für die Tigerpopulation wäre eine Einstellung der Zuchtprogramme in Menschenobhut eine Katastrophe, denn es leben mehr Tiger in Menschenobhut als in der Natur. Diese wichtige genetische Reserve in Zoos aussterben zu lassen, wäre völlig sinnbefreit. Zudem sprechen seriöse Artenschutzorganisationen, wie die Amur Leopard & Tiger Alliance (ALTA), den Zoos für den Schutz und das Überleben von Großkatzen eine wichtige Rolle zu. PETAs Forderungen umzusetzen würde freilich nicht nur den Tigern schaden, sondern allen Arten in ähnlichen Situationen in Gegenwart und Zukunft.

Wissensvermittlung & Artenschutzbegeisterung

Dass Edukation im Zoo funktioniert, wurde in diesem Jahr erneut wissenschaftlich bewiesen. Es ist also völlig lächerlich dies abzustreiten, aber PETA geht noch weiter:

„Die Besucher können nicht sehen, wie Vögel fliegen, Geparden rennen oder Affen in Bäumen klettern.“ – PETA

Nun, fliegende Vögel sieht man in vielen Freiflugvolieren in verschiedenen Zoos. Dazu gibt es Flugshows wie etwa die im Zoo Köln, die sogar das Fliegen der Vögel mit Edukation verbinden.

In der edukativen Flugshow im Zoo Köln erleben die Besucher die Tiere hautnah und lernen etwas über sie. | Foto: zoos.media

Rennende Geparden kann man in Gehegen sehen oder sogar in Trainings. In Gehegen sieht man sie seltener rennen, da sie hier nicht dem Überlebenskampf überantwortet sind, der sie in der Wildbahn zu solchen beeindruckenden Sprints zwingt. In San Diego aber zum Beispiel gibt es den weltberühmten „Cheetah Run“.

Hier sehen die Besucher die Tiere wie sie freiwillig sprinten, was durch eine Haltung der Tiere im freien Kontakt möglich wird. Da diese Haltung allerdings ein Höchstmaß an Expertise, einen nicht geringen Zeitaufwand und einiges an Personal erfordert, ist es nicht jedem Zoo möglich. Der edukative Cheetah Run ist zweifelsohne eine wunderbare Beschäftigung für die Tiere und ein tolles Erlebnis für die Besucher, die dabei einiges über die Tiere erfahren, allerdings hat nie eine Studie belegen können, dass das Erreichen der Höchstgeschwindigkeit dem Wohlergehen eines Tieres, wie etwa Geparden, in besonderem Maße zuträglich wäre, abträglich allerdings auch nicht.

Affen klettern aber natürlich auch im Zoo auf Bäume.

Schimpansenfamilie klettert gemeinsam im Pongoland im Zoo von Leipzig | Foto: Frank Vincentz, Lizenz: CC BY-SA 3.0

In vielen Zoos wird im Rahmen des Enrichments sogar extra für das Klettervergnügen der Tiere speziell vorgesorgt, indem man ihnen nicht nur sichere, sondern auch attraktive Kletterparks zur Verfügung stellt, die noch ein viel interessanteres und bereichernderes Erlebnis bieten als natürlich gewachsene Bäume.

Wie geht es Tieren in Zoos wirklich?

Im Zoo von Detroit können die Besucher Eisbären durch einen Tunnel beobachten. | Foto: Detroitzoo, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Das fragt auch PETA und lässt sogleich einen Haufen Desinformationen ab. Dabei gehen sie sehr irreführend vor. So wird ein Report von Zoogegnern etwa völlig realitätsfremd zur „Studie“ nobilitiert. Zudem versucht man den WWF vor seinen Karren zu spannen und erweckt den Eindruck dort sei man gegen Tigerhaltung. Die Wahrheit sieht anders aus: Im Tiger Team Köln arbeitet der WWF mit dem Kölner Zoo zusammen für die Amur-Tiger.

Natürlich werden auch die Elefanten zum Thema gemacht – mit den gleichen Argumenten mit denen man schon in Hannover scheiterte. Natürlich wird auch wieder die zweifelhafte Studie zum Elefantenalter zitiert. Ebenfalls wird völlig undifferenziert mit Eisbärenhaltung umgegangen, obwohl längst wissenschaftlich bewiesen ist, dass die Tiere in modernen Haltungen gut gedeihen.

Anschließend versucht PETA moderne Zoos als kompromisslose Tierhändler zu verkaufen. Da fehlt natürlich auch die Desinformation über Hagenbeck nicht, die bereits widerlegt werden konnte. PETA versucht den Tierhandel von Carl Hagenbeck in den Jahren zwischen 1866 und 1886 gegen Zoos verwendet, die ja angeblich so auf Gewinne abzielen würden. Nun öffnete allerdings der Tierpark Hagenbeck bekanntlich aber erst im Jahre 1907 – mehr als 20 Jahre später.

Wie geht es also Tieren in Zoos wirklich? In modernen Zoos leben die Tiere ein gutes Leben und es gibt nicht mal einen seriösen Hinweis darauf, dass ein Leben in Menschenobhut generell schlecht für Tiere sei oder ihrem Wohlergehen abträglich.

Zukunft der Zoos

Bengal-Tiger im Bannerghatta Biological Park, der für die Born Free Foundation eine Tigerhaltung betreibt. | Foto: Pawan Kr Dwivedi, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Für PETA sollen Zoos keine Zukunft haben: „PETA setzt sich für ein Nachzucht- und Importverbot für Zoos ein, damit die Haltung von Tieren in Gefangenschaft mittelfristig auslaufen kann.“ Die radikale Tierrechtsorganisation möchte die Bildungs- und Artenschutzeinrichtungen zu Endlagern für Tiere machen, die auf den Tod warten und einem wichtigen Grundbedürfnis, der Fortpflanzung, beraubt werden. Ähnlich also wie in von der GFAS-akkreditieren, euphemistisch als „Sanctuaries“ bezeichneten, Einrichtungen oder bei Haltungen der Born Free Foundation der Fall ist.

PETA verbreitet den Eindruck, Tiere könnten in Zoos nicht artgemäß gehalten werden, was nachweislich falsch ist und lügt den Leuten vor, Zoos wären für Bildung und Artenschutz irrelevant. So begründen sie dann das Ende von Zoos. Erneut merkt man den Mechanismus mit den falschen Prämissen. Letztendlich muss nämlich niemand Kindern oder Erwachsenen „vorgaukeln“ Elefanten, Tiger, Affen oder andere Tiere könnten artgemäß gehalten werden, denn sie werden es ja: jeden Tag in den modernen Zoos dieser Welt.

Zuletzt versucht man pseudo-investigativ die angeblich wahren Gründe aufzudecken, warum denn Zoos wirklich Tiere halten würden. Zoos und ihre Mitarbeiten hätten ja keine Skrupel zu lügen und müssten es ja auch quasi, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Ziemlich mutig von PETA, dieses Argument zu bringen, wo man in den Führungspositionen gerne mal sechsstellig verdient und um einiges mehr als manche Zoo-Mitarbeiter oder sogar -Direktoren. Zudem ulkig, dass PETA von Geldgier spricht, wo doch jeder weiß wie hier mit Geld ungegangen wird und dass schwerpunktmäßig Geld für das Personal verwendet wird. Pointiert könnte man sagen, dass das System PETA am meisten sowieso den Angestellten zu Gute käme und nicht etwa den Tieren.
Natürlich werden in Zoos auch die Mitarbeiter bezahlt, nur die modernen Zoos und Aquarien bringen eben auch den Natur- und Artenschutz voran. PETA hingegen hat keine vergleichbaren Erfolge und auch gar nicht in dieser Masse vorzuweisen, wie es moderne Zoos und Aquarien haben. Wo ist also das Geld sinnvoller angelegt? Jeder seriöse Natur- und Artenschützer würde hier ein klare Antwort nennen, die wohl sicher nicht „PETA“ lautet.

Was bleibt über?

Schimpansenbaby im Loro Parque | Foto: zoos.media

PETAs Argumente sind nachgewiesermaßen weder stichhaltig, noch hinreichend belegt. Die echten Fakten sprechen eine völlig gegenteilige Sprache als die radikale Tierrechtsorganisation. PETA vermittelt also trotz des Namens ihres Machwerks kein Hintergrundwissen zu Zoos, sondern versucht anhand falscher Prämissen ein Lügengebäude zu errichten, dass nur dazu dient, die Zootierhaltung schlecht zu machen. Es findet keine differenzierte Auseinandersetzung mit Thematiken statt, keine konstruktive Zookritik, sondern nur blanker Populismus, der eines belegt: PETA ist generell gegen Tierhaltung und will sie beenden und das völlig unabhängig davon, ob sie gut oder schlecht ist.

So ein Populismus bedroht den seriösen Tier-, Arten- und Naturschutz. Zoos spielen eine wichtige Rolle dabei, Menschen für die Natur zu sensibilisieren und Schutzprojekte zu realisieren. Diesen Fakt versuchen wegzuleugnen, wird immer an der Realität scheitern.