Schimpansenbaby im Loro Parque | Foto: zoos.media

So lügt PETA über Zoos

Exklusiv für zoos.media – 05.08.2017. Autor: Philipp J. Kroiß

PETA brüstet sich damit die 10 größten Irrtümer über Zoos aufgedeckt zu haben, was nicht stimmt. Dieser Artikel deckt PETAs Populismus über Zoos auf und nennt die wahren Fakten.

So lügt PETA über Zoos

Die Zoogegner von PETA haben eine Seite auf der sie vermeintliche Irrtümer über Zoos aufdecken. Die zehn Punkte sind dabei Desinformationen und keine Informationen. Das ist für die radikale Tierrechtsorganisation nur zielführend: an der Wahrheit hat sie keine Interesse, denn dann würden die Leute ja nicht für sie und gegen Zoos spenden.

1. Artenschutz

Przewalski-Pferde im Zoo Köln: Modernen Zoos auf der ganzen Welt ist es zu verdanken, dass diese Art überlebt hat. | Foto: zoos.media

PETA behauptet, dass Zoos keinen Artenschutz betreiben. Ihre Begründung: „denn Artenschutz bedeutet ausschließlich, Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu schützen“. Das ist schlicht eine Lüge.

Das Lexikon der Biologie definiert Artenschutz ganz anders und stellt klar: „Bei den Maßnahmen und Instrumenten des Artenschutzes unterscheidet man zwischen sog. In-situ-Maßnahmen, die der Arterhaltung in ihrem natürlichen Lebensraum dienen sollen, und sog. Ex-situ-Maßnahmen, bei denen die Arterhaltung künstlich z. B. in Zoos (zoologischer Garten, Tiergartenbiologie) oder Genbanken (Samenbank) erfolgt.“

Moderne Zoos unterstützen den Artenschutz sowohl ex situ, als auch in situ. Dadurch konnten sie schon viel erreichen. Die meisten Artenschutzprojekte funktionieren nicht nur in situ, sondern es braucht ganz dringend auch Engagement ex situ, um zum Beispiel wichtige Forschung, Edukation und/oder Zucht zu ermöglichen. Ohne die Verbindung von Engagement in situ und ex situ wären etwa die Przewalski-Pferde (Foto) und viele andere Tierarten womöglich ausgestorben. Zoos haben schon viele Tierarten gerettet.

2. Wissensvermittlung

In der edukativen Flugshow im Zoo Köln erleben die Besucher die Tiere hautnah und lernen etwas über sie. | Foto: zoos.media

Es sei auch falsch, dass Zoos Wissen vermitteln, denn: „Die Besucher können nicht sehen, wie Vögel fliegen, Geparden rennen oder Affen in Bäumen klettern.“ Jeder, der schon einmal im Zoo war, kann das Gegenteil bestätigen. Die Flugshow im Kölner Zoo (Foto) ist da nur ein Beispiel. In Zoos gibt es auch zahlreiche große und kleine Volieren, in denen man Vögel in allen Größen fliegen sehen kann.

Geparden rennen sehr selten und in der Wildbahn tun sie dies nur, um zu überleben. In Zoos müssen sie nicht fürchten zu verhungern, aber es gibt auch durchaus Zoos, die den beeindruckenden Geparden-Sprint zeigen. Dazu werden die Tiere zum Beispiel auf freiwilliger Basis trainiert, einem Target hinterher zu rennen. Der San Diego Zoo zum Beispiel, der zu den besten Zoologischen Einrichtungen weltweit gehört, zeigt den „Cheetah Run“ im Rahmen eines Trainings. Dort hält man die Tiere in freiem Kontakt und trainiert sie entsprechend. In solcher Menschenobhut machen die Tiere solche Sprint tatsächlich aus Freude am Training und der Interaktion mit dem Trainer. In der Wildbahn aber machen sie dies nur, weil es dabei für sie ums Überleben geht – Misserfolg wird schließlich mit dem Tode bestraft. Wilde Geparden sind meist nach der Jagd so erschöpft, dass sie nicht sofort fressen können und sich erstmal 15 oder sogar 30 Minuten erholen müssen, was natürlich Schmarotzer auf den Plan ruft, wie Hyänen oder andere Raubtiere, die so die Beute einfach wegnehmen.

Schimpansenfamilie klettert gemeinsam im Pongoland im Zoo von Leipzig | Foto: Frank Vincentz, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Dass Affen auf Bäume klettern findet man selbstverständlich in Zoos. Viele Einrichtungen sorgen sogar durch Kletter-Installationen dafür, dass die Tiere noch abwechslungsreicher Klettern können. Rechts auf dem Foto sieht man die Kletterinstallation für Schimpansen im Leipziger Pongoland, das von den Schimpansen ausgiebig und gerne genutzt wird.
Generell findet man verschiedene Formen von Kletterinstallationen in modernen Zoos von denen die Tiere auch profitieren.

„Soziale Interaktionen, die Nahrungssuche oder das Paarungsverhalten werden weitgehend unterdrückt.“ Aktuell ist es PETA, die Paarungsverhalten unterdrücken wollen, indem sie Zuchtstopps (zum Beispiel für Delfine) fordern – kurios dies nun Zoos vorzuwerfen, die an vielen Erhaltungsprogrammen der Tiere teilnehmen und allein im Interesse des Tierwohls und des Artenschutzes Tiere züchten. Empfängnisverhütung kann es, im Interesse des Tieres oder der Gesamtpopulation durchaus geben, aber das nicht in einem Umfang, der sinnvoll als „weitgehend“ zu beschreiben ist.
Nahrungssuche findet auch in Zoos statt, indem auf der Anlage, wenn möglich, die Nahrung versteckt wird, sodass die Tiere sie suchen müssen. Auch soziale Interaktion findet in Zoos statt. Für Delfine, die eine komplexe Sozialstruktur haben, stellte die renommierte und unabhängige Forscherin Dr. Kathleen Dudzinski fest: „Ich habe schon ein paar Delfingruppen in der Wildbahn, in Dolphin Encounters und Delfine in Deutschland, in einem von Menschen erschaffenen Becken, studiert. Uns ist es möglich, direkte Vergleiche anzustellen, da wir alle Daten auf die exakt dieselbe Weise gesammelt und analysiert haben. Also betrachteten wir sie, um zu sehen, ob es signifikante Unterschiede oder Gemeinsamkeiten bei den Interaktionen der Delfine gibt und ich kann sagen, wir haben überhaupt keine signifikanten Unterschiede nach dieser Methodik gefunden. Wenn du also eine Gruppe von Tiere hast, die gesund und glücklich sind und in einem guten sozialen Umfeld leben, sehe ich keinen Unterschied zwischen Delfinen in der Wildbahn und in Menschenobhut.“

„Der Anblick verhaltensgestörter oder apathischer Tiere zeigt Zoobesuchern ein völlig falsches Bild von Tieren auf“, behauptet PETA. Nun muss man wissen, dass, wenn moderne Zoos Tiere aus nicht adäquater Haltung aufnehmen, sie auch Verhaltensstörung zeigen können. Dies aber modernen Zoos anzulasten, ist vermessen, haben sie doch dafür gesorgt, dass die Tiere nun in besserer Haltung untergebracht sind. Meist können sich dann in den besseren Haltungen diese Störungen abbauen, manchmal aber sind sie so manifestiert, dass die Tiere sie kaum loswerden. Darauf weisen Zoos allerdings dann meistens hin. Soll man deswegen nun Tieren die Chance auf bessere Haltung verwehren?

Nun wird es kurios: „Einer wissenschaftlichen Studie von 2007 zufolge gibt es keinen Beleg dafür, dass Zoos Wissen über Tiere vermitteln [1].“ Die Fußnote weist auf eine 2010 veröffentlichte Studie von Lori Marino hin – einer Anti-Zoo-Lobbyistin. Die seriöse Wissenschaft hat längst belegt, dass Edukation in Zoos funktioniert.

3. Wohlergehen

Bengal-Tiger im Bannerghatta Biological Park, der für die Born Free Foundation eine Tigerhaltung betreibt. | Foto: Pawan Kr Dwivedi, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Tieren würde es im Zoo nicht gut gehen, „denn viele Tiere in Zoos sind sichtlich verhaltensgestört, weil sie zu einem eintönigen und abgestumpften Leben in Gefangenschaft verdammt sind.“ Als Beleg verweisen sie auf eine Studie – aber auch hier ist es wieder ein Papier von Lobbyisten und auch noch ausgerechnet von der Born Free Foundation, die mit Zoos, zum Beispiel in Asien kooperiert, aber auch Tiere in „Sanctuaries“ hält, in denen nachweislich soziale Interaktionen, die Nahrungssuche oder das Paarungsverhalten völlig unterdrückt werden.

Seriöse Wissenschaft kann PETA also nicht präsentieren. Moderne Zoos werden regelmäßig aufgrund des Forschungsstandes von unabhängigen Stellen überprüft und keine hat wissenschaftlich je bewiesen, dass bestimmte Tierarten nicht gehalten werden können oder Tierhaltung in Zoos generell Tierquälerei wäre.

Fakt ist, dass Tiere in Zoos meist länger leben als ihre wilden Artgenossen. Dazu erklärte Volker Homes, Geschäftsführer des Verbandes der Zoologischen Gärten (VdZ) in einer Pressemitteilung:„Zootierhaltung muss unter wissenschaftlichen Kriterien beurteilt und weiterentwickelt werden. Die Ergebnisse der Studie entkräften das häufig von Zookritikern vorgebrachte Argument der ungewöhnlich hohen Sterblichkeitsrate von Zootieren und belegen, dass die Zoos den Tieren artgemäße Lebensbedingungen bieten“.

4. Sensibilisierung für den Artenschutz

Orcaweibchen Skyla am Unterwasserfenster. | Foto: zoos.media, Lizenz: Erlaubnis des Fotografen

PETA argumentiert, dass Zoos die Menschen nicht für den Artenschutz sensibilisieren würden, weil es ja zur Eröffnung des Zoo Berlin noch 100.000 Tiger ins Asiens Wäldern gegeben hätte und nun wären es ja nur noch 3.200 Tiere. „Kein Zoo der Welt hat durch das Einsperren von Tieren zu einer messbaren Bewusstseinsveränderung in der Bevölkerung beigetragen.“ Dass das schlicht nicht wahr ist, lässt sich zum Beispiel an der Orca-Haltung belegen, die dafür sorgte, dass sich das Image der Tiere massiv wandelte. Seelöwen wurden durch Zoo-Edukation in Shows von Schädlingen zu sympathischen Spielgefährten.

Außerdem ist es ziemlich lächerlich den Terminus „Bewusstseinsveränderung“ so zu verwenden, da der schlicht nicht wirklich messbar ist. Man kann evaluieren, ob Edukation funktioniert, was man getan hat (s.o.). Ebenso kann man den Erfolg von Artenschutzprojekten messen und hier sind die Erfolge von Zoos nicht von der Hand zu weisen (s.o.). Was man messen kann, belegt also das Erfolgskonzept Zoo und auch, dass der Weg, den moderne Zoos beschreiten, funktioniert. Auch was die Tiger betrifft, sind moderne Zoos aktiv: so kooperieren der Zoo Köln und der WWF für den Erhalt der Tiger. Viele andere Zoos bringen sich durch weitere Projekte in den Tigerschutz ein – PETA übrigens nicht.

Artenschutz hat aber natürlich sehr viel damit zu tun, Menschen für die Natur zu sensibilisieren. Beispiele für gelungene Projekte haben wir auf unserem YouTube-Kanal vorgestellt:

Zum Gelingen dieser Projekte war auch eine „Bewusstseinsveränderung“ nötig, die gelang und so konnte tausenden Papageien das Leben gerettet und ihren Bedrohungsstatus verringert werden.

5. Erlebnis der Tiere

Whale Watching – nicht immer ein Vergnügen für beide Seiten | Foto: Eco cruising, Lizenz: CC BY-SA 4.0

„Zoos behaupten, Kinder können Tiere nirgendwo sonst als im Zoo kennenlernen“, lügt PETA. Kein Zoo hat dies je behauptet. Schließlich hat keine Zoologische Einrichtung je die Existenz von Haustierhaltung, die übrigens PETA ein Dorn im Auge ist, und anderen Tierhaltungen oder Tiererlebnis-Möglichkeiten geleugnet.

PETA verschweigt allerdings, das eine vorgestellte Alternative – das Erlebnis der Tiere im „ursprünglichen Lebensraum“ – keine echte Alternative ist. 700 Millionen Menschen besuchen Zoos in jedem Jahr – die nun alle in die Lebensräume der Tiere zu bringen, wäre fatal und würde die Situation für die Wildtiere verschlimmern. Wir berichteten schon oft über neue wissenschaftliche Erkenntnisse, wie schädlich zum Beispiel Whale Watching für Wildpopulationen sein kann. Zudem macht es keinen Sinn Ökotourismus gegen Zoos auszuspielen, weil es unterschiedliche Erlebnisse sind, die beide, wenn sie tiergerecht durchgeführt werden, richtig und wichtig sind. Das Argument, dass Ökotourismus aber besser ist, wurde hinlänglich widerlegt – hierzu ein lesenswerter Beitrag, ist dieser Artikel.

Dass Dokumentarfilme auch kein Grund sind, Zoos nicht zu besuchen, hat bereits ein Tierfilmer erläutert.

6. Artenschutz vor Ort

Der Schwarzfußiltis (Mustela nigripes) wurde auch durch die Arbeit von Zoos gerettet. | Foto: Kimberly Fraser / USFWS Mountain-Prairie, Lizenz: CC BY 2.0

PETA leugnet die Effektivität von Zoo-Engagement in situ und spielt sogar Zuchtprogramme gegen Artenschutz vor Ort aus. Ein lächerlicher Vorgang. Die Kombination aus Habitatschutz vor Ort und Zucht in Zoologischen Einrichtungen hat dafür gesorgt, dass es heutzutage noch Schwarzfußiltisse gibt. Ähnliches haben wir bei Kalifornischen Kondoren und den bereits erwähnten Przewalski-Pferden erlebt, um nur wenige Beispiele zu nennen, in denen Zoos durch Kombination von Schutz vor Ort und Zucht in Obhut Tierarten vor dem Aussterben bewahrt haben.

Belegt werden soll der also unhaltbare Vorwurf von PETA durch folgende Milchmädchenrechnung: „Würden die Zoos sämtliche Tiger-Zuchtprogramme einstellen, könnten mit den eingesparten Mitteln Wildhüter und Ausrüstung finanziert und die letzten freilebenden Tiger effektiv geschützt werden.“ Das ist an den Haaren herbeigezogen und niemand hat dies je evaluiert – warum auch, denn die Bejagung der Tiere ist nur ein Faktor eines Multifaktorensystems. Ein weiteres großes Thema ist die die Ausbreitung von Agrarland und das Schrumpfen von Beutetierbeständen. Dazu kommt die Verfolgung der Tiere wegen Tierraub. Es ist langfristig wenig zielführend sich ein ewiges Wettrüsten mit Wilderern zu liefern – da verpulvert man Geld und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Die Erfahrungen in Afrika zeigen, dass es Wilderer immer wieder schaffen sogar Tiere in Reservaten oder Schutzgebieten zu töten. Man muss die Probleme an der Wurzel packen und nicht Symptome beschießen.
Zoos setzen hier auch an und helfen bei der Aus- und Weiterbildung von Wildhütern, visieren aber langfristig die Lösung der Probleme an. Es gehört zu umfassendem Schutz aber auch das Aufrechterhalten einer Back-Up-Population in Menschenobhut und die Forschung mit diesen Tieren, sowie die Edukation anhand dieser Tiere. Tigerschutz kommt von Tigerkenntnis. Der WWF hat im letzten Jahr vermeldet, dass die Tigerpopulation wieder gestiegen ist.

7. Wildfänge

Vaquita | Foto: Paula Olson (NOAA), Lizenz: public domain

„Zoos behaupten, heutzutage sind keine Wildfänge mehr erforderlich“, behauptet PETA. Auch das wurde so nie gesagt. Es gibt durchaus Populationen in Menschenobhut bei denen es so ist, weil sich diese selbst erhalten und dafür sind dann aktuell keine Wildfänge nötig. Aber natürlich muss man auch mal Tiere der Wildbahn entnehmen, um sie zu retten – wie aktuell den Vaquita (Foto).

Es ist schlicht lächerlich und zeigt die Hoffnungslosigkeit PETAs, Zoos Aussagen vorzuwerfen, die in diesem Maße so nie getätigt wurden. Man muss bedenken, dass Projekte, die Wildpopulationen vor dem Aussterben bewahrten nur durch Wildentnahmen möglich wurden – im Artikel hat man genug Fälle bereits direkt oder über Verlinkungen indirekt kennen lernen können.

Wildentnahmen werden eben manchmal nötig, um entsprechende Projekte, die dem Schutz der Tiere dienen, möglich werden zu lassen. Oft ist eine Diskussion darüber völlig lächerlich, wenn sich etwa Zoogegner über die Wildentnahme von einer niedrigen zweistelligen Zahl an Haien aufregen, werden gleichzeitig rund 100.000.000 Tiere durch das Finning allein sterben, wogegen die Einrichtung, die diese Wildentnahmen tätigt, durch Edukation aktiv kämpfen will.

8. Vorwurf eine qualvollen Schutzhaft

Changi spielt im Zoo Krefeld mit Laub. | Foto: zoos.media

PETA wirft Zoos vor, dass für Tiere „Zoos nichts anderes als Gefängnisse“ seien. Aktueller Forschungsstand ist, dass Tiere die Haltung nicht als Gefangenschaft rezipieren.

Ein Orang-Utan, dem der Regenwald regelrecht unter dem Allerwertesten weggeholzt wird, erlebt keine Freiheit. Die Idee, dass wilde Tiere in der Natur Freiheit erleben, ist eine vermessene Einschätzung, denn Leben in der Wildnis bedeutet Überlebenskampf. Kein Tier wählt seinen Lebensraum nach Schönheit aus, sondern danach, wo es am Besten überleben kann.

Im Zoo haben die Tiere den Vorteil diesem Überlebenskampf zu entgehen. Zoos sorgen nicht nur dafür, dass sie überleben, sondern auch dafür, dass sie gesund bleiben. Auf die Frage, ob Tiere nun lieber in der Wildbahn oder in Menschenobhut leben, werden sie selbst niemals eine Antwort geben können und jede Mutmaßung in diese Richtung ist völlig sinnbefreit, weil sie immer rein auf Vermenschlichung beruht.

Stattdessen muss man sich an die Fakten halten und die sind klar: in modernen Zoos geht es Tieren gut. Das moderne Zookonzept sorgt nicht nur für artgemäße Haltung, sondern auch für wirksamen Artenschutz, was zudem noch den wilden Artgenossen der Tiere zu Gute kommt.

9. Auswilderung

Kalifornischer Kondor | Foto: Chuck Szmurlo, Lizenz: CC BY 3.0

„Zoos behaupten, dass sie Tiere einsperren, um sie später auszuwildern“, führt PETA an und denkt sich so wieder eine Behauptung aus, die Zoos in der Form nie tätigten; so generalisiert wurde das schließlich nie kommuniziert. Manche Tiere werden wieder ausgewildert und manche haben keine Chance wieder ausgewildert zu werden. Auswilderung macht nur Sinn, wenn auch eine Überlebenschance besteht – das gilt für jedes Tier, ob die Art nun bedroht ist oder nicht. Dazu erfolgt eine ausführliche Evaluation des Zustandes vom Tier, aber auch des Zustandes vom angedachten Lebensraum.

Man kann nicht einfach wild irgendwelche Tiere auswildern und so den Schaden des Ökosystems, das man eigentlich ja erhalten will, in Kauf nehmen. PETA versucht erneut die bereits erwähnten Lobby-Studie, der vertrauensunwürdigen Born Free Foundation als Beleg anzufügen und so einen falschen Eindruck von dem Bedrohungsstatus der Tiere in Zoos zu erwecken – manche Tiere in deutschen Zoos wären ja gar nicht bedroht, behauptet PETA. Dazu muss man wissen, dass Zoos nicht nur bedrohte Tierarten halten, sondern auch solche, die gar nicht bedroht sind, aber für ein bedrohtes Ökosystem stehen – sie sind so Botschafter eines bedrohten Lebensraumes.

Falscher Clownfisch (Amphiprion ocellaris) im Tropen-Aquarium Hagenbeck | Foto: Malte Jörn Krafft, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Clownfische sind nicht als bedroht gelistet, allerdings erstklassige Botschafter für ihren definitiv und nachgewiesenermaßen bedrohten Lebensraum. Tierarten kann man ja auch in den seltensten Fällen isoliert schützen. Bewegt man also Menschen mit Clownfischen dazu, deren Lebensraum zu schützen, profitiert davon ein ganzes Ökosystem mit vielen bedrohten Bestandteilen davon.

Man erzeugt also ein falsches Bild, wenn man Zoos nur an der Anzahl der bedrohten Arten in seiner Obhut misst. Aber ein falsches Bild liegt natürlich im Interesse von PETA, wie man auch bereits bei den anderen Punkten schon sehr gut merken konnte. PETA ist gegen jede Form der Tierhaltung vom Tiger im Zoo, über den Fisch im Aquarium bis hin zum Blindenhund. Natürlich ist man dann auch gegen Haustiere und erläutert klar die Meinung, „dass es Tieren besser ginge, wenn das Konzept des „Haustiers“ […] nie erfunden worden wäre“. So ist es dann wohl auch in dieser Ideologie nicht mehr als zweckmäßig zehntausende Tiere im eigenen Tierheim zu töten. Der Großteil der Spenden, die PETA auch mit dem hier widerlegten Populismus generiert, geht ohnehin nicht in Tierschutz.

10. Behördliche Haltungsrichtlinien

Elefanten in Chester Zoo | Photograph by Mike Peel (www.mikepeel.net) ; Lizenz: CC BY-SA 4.0

Sich wieder auf die Lobby-Studie beziehend will PETA nachweisen, dass „knapp ein Drittel der Gehege nicht einmal die behördlich vorgegebenen Mindestanforderungen“ erfüllen würden. Nun werden moderne Zoos ja ständig überprüft und diese Überprüfungen haben gezeigt wie völlig realitätsfern eine solche Zahl ist. Aber, so PETA weiter, seien „Zoorichtlinien in keinster Weise dazu geeignet, die hohen Ansprüche eines Wildtieres zu erfüllen“. Nun sind moderne Zoos in Zooverbänden, die tatsächlich höhere Standards haben als die gesetzlich vorgeschriebenen Richtlinien, aber einen Beweis, dass die die Zoos betreffenden Gesetze in einem Land wie Deutschland nicht ausreichend wären, konnte PETA auch nie bringen.

Darüber hinweg täuschen sie mit einer neuen desinformativen Milchmädchen-Rechnung: „In der Natur umfasst das Revier eines Tigers beispielsweise mehrere hundert Quadratkilometer; Elefanten wandern bis zu 80 Kilometer am Tag. Kein Zoo der Welt kann diesen Tieren auch nur annähernd artgerechte Lebensverhältnisse bieten.“ Tiger, Elefanten oder andere Tiere legen ja keine Kilometer aus Spaß an der Freude zurück oder, weil es gar artgerecht wäre, dies zu tun. Elefanten wandern bis zu 80 Kilometer, weil sie es müssen – genauso wie Tiger ein großes Revier haben, damit sie entsprechend auf Raubzug gehen können, denn sonst droht der Tod. Es ist völlig sinnbefreit Strecken, die Tiere im Überlebenskampf zurücklegen, als Grundbedürfnisse zu verkaufen. Wenn ein Elefant an einem Ort langfristig genug zu fressen findet, wandert er keine 80 Kilometer – dann wäre er ja auch ziemlich dumm. Wenn man einen Tiger an einer Stelle füttert, verringert sich dessen Revier auch drastisch.

PETA versucht’s investigativ

Als Fazit versucht man die vorgeblich wahren Gründe aufzudecken. Hier wird es jetzt besonders lächerlich, weil man den Tierhandel von Carl Hagenbeck in den Jahren zwischen 1866 und 1886 gegen Zoos verwendet, die ja angeblich so auf Gewinne abzielten. Nun eröffnete der Tierpark Hagenbeck bekanntlich aber erst im Jahre 1907 – mehr als 20 Jahre später. Dies bleibt dann auch der einzige Beleg von PETA.

Nachdem man also vergeblich versuchte Zoos Geldgier nachzuweisen, beschwert man sich darüber, dass Zoos ja Subventionen bekämen. Das ist zwar nicht für alle Zoos zutreffend, aber die Zoos, die solche Subventionen erhalten, erhalten verhältnismäßig wenig davon – wenn man es zum Beispiel mit städtischen Theatern oder Museen vergleicht. Dann kommt der Vorwurf: „Zoo-Verantwortliche haben ein existenzielles Interesse daran, das „System Zoo“ aufrechtzuerhalten, denn sie bestreiten daraus ihren Lebensunterhalt.“ Ist es neuerdings ein Skandal, wenn Menschen für geleistete Arbeit auch bezahlt werden? PETA-Mitarbeiter werden schließlich auch bezahlt. Rund 40% der Barspenden an PETA-Deutschland gehen allein in die Deckung der Personalkosten. Auch bei PETA gibt es lukrative Führungspositionen und dass PETA die Öffentlichkeit mit „vorgeschobenen Argumenten“ täuscht, wie sie es den Zoo-Mitarbeitern am Schluss des Artikel vorwirft, konnte dieser Artikel nachweisen, der aber auch gleichzeitig belegen konnte, dass die Täuschungen gar nicht von der Zoo-Seite kommen.

Fazit

Belugas genießen die Interaktion mit den Trainerinnen im Vancouver Aquarium (2006) | Foto: pelican, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Wir haben einmal mehr erlebt, wie die radikale Tierrechtsorganisation PETA leicht zu widerlegenden Populismus gegen Tierhalter verbreitet hat. Die Organisation ist darauf auch angewiesen, da sie so Spenden generiert.

Die Tierrechtsorganisation will jede Form der Tierhaltung abschaffen und es ist nicht das Ziel hier konstruktiv eine Verbesserung der Haltung herbeizuführen. Die glatten Lügen über wichtige Artenschutz-Akteure, wie sie auch in diesem Artikel nachgewiesen werden konnten, legen aufs Deutlichste nahe, dass PETA kein Interesse an umfassenden Tier-, Arten- und Naturschutz hat.

Ebenso konnte durch die im Artikel aufgedeckte Desinformationspolitik nachgewiesen werden, dass PETA offenbar in keinerlei Umfang genügend Expertise aufweist, um sich auf Basis von Fakten zum Thema Zootierhaltung qualifiziert zu äußern. Sie sind deshalb zu diesem Thema keine vertrauenswürdige Quelle und PETAs Artikel über angebliche „ZooIrrtümer“ legt auf Deutlichste Inkompetenz nahe und bezeugt auch ein gehöriges Maß an Mangel von Seriosität und auch Relevanz zu diesem Thema.

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