Schimpanse im Zoo Augsburg | Foto: Rufus46, Lizenz: CC BY-SA 3.0

PETAs Affentheater mit einem Zirkus

Exklusiv für zoos.media – 02.08.2018. Autor: Philipp J. Kroiß

Der Streit um Zirkus-Schimpanse Robby ist in vollem Gange. Eine Tierärztin und ein Verhaltensbiologe haben dazu eine ganz klare Meinung.

PETAs Affentheater mit einem Zirkus

Schaut man in die Vergangenheit der Tierhaltung, sieht man viele Formen der Haltungen, die heute völlig undenkbar wären, aber damals, aufgrund von Unkenntnis, noch stattfanden. Wissenschaftliche Erkenntnisse haben sie heute unmöglich gemacht – ein klarer Fehler, wie wir heute wissen, war die vermenschlichende Aufzucht von Affen-Babys.

Affen in Kinderkleidung

Während die Tierrechtsindustrie Affen immer noch vermenschlicht und ihnen sogar Rechte geben will, haben die wissenschaftlich geführten Tierhaltungen dazu gelernt. Die Zeit, in der Baby-Affen wie Menschen erzogen wurden, ist in modernen Tierhaltungen vorbei und selbst, wenn es zur Handaufzucht kommt, sind Prozedere entwickelt worden, dass das Tier sich nicht “fehl” prägt.

Noch heute aber existieren Affen, die nicht mit Artgenossen sozialisiert wurden und sie sind ein großes Problem, denn es ist schwer, sie überhaupt in Gesellschaft zu bekommen. Schimpansen zum Beispiel sind sehr rabiat in ihrem sozialen Umgang – unerwünschte Tiere werden brutal aus der Gruppe gemobbt und teils sogar getötet.

Schimpansen verprügeln, ermorden und essen ihren ehemaligen Tyrannen

Es ist schwer, für diese Tiere eine Lösung zu finden, denn Einschläfern, also den einfachsten Weg gehen, will man auch nicht, denn auch für diese Tiere ist es möglich, eine tiergerechte Haltung zu verwirklichen. Wenn es charakterlich passt, kann man sie vergesellschaften, sonst ist der Mensch eben die beste Gesellschaft für diese “fehlgeprägten” Tiere.

Der Schimpanse Robby ist eines dieser Tiere – ein Flaschenkind bei dem man es damals nicht besser wusste. So entstand diese “falsche” Prägung, die für Ronny aber komplett richtig ist, weil eine “Fehlprägung” selbst für die Tiere nicht unbedingt Nachteile beinhalten muss. Ein Hund, der auf einen Menschen oder eine Familie geprägt ist, leidet auch nicht automatisch.

Robby, der Zirkus-Rentner

Robby wuchs in einer Zirkus-Familie auf und ist auf diese menschliche Familie geprägt. Er ging auch mit in die Manege, aber ist inzwischen in Rente, denn er ist sehr alt für einen Schimpansen: 47 Jahre. In der Natur wäre er wahrscheinlich schon längst gestorben oder von seiner Familie, wie im oben genannten Fall, getötet worden – weder die Natur, noch die Schimpansen sind ja bekanntlich sehr zimperlich.

Obgleich man sich völlig einig ist, dass man in professionellen Haltungen solche Prägungen nicht mehr evozieren will, ist man sich sehr uneinig darüber, was mit solchen Tieren passieren soll. Eine solche Prägung ist nicht reversibel, trotzdem wollen Tierrechtler, wie PETA, die einen ungemeinen Hass auf Zirkusse pflegen, Robby seiner Familie entreißen und mit Artgenossen zusammenbringen, obgleich so etwas der Erfahrung, die man mit solchen Tieren hat, grundsätzlich widerspricht.

Jeder kann und darf seine Meinung zu Zirkus haben und auch zu Menschenaffen im Zirkus, aber die ist für das Tier irrelevant. Man muss sich fragen, was für das Tier das Beste ist und nicht, was den eigenen Vorstellungen am nächsten kommt. Robby kann man leider nicht fragen und mit ihm darüber diskutieren, also muss man sich auf echte Experten verlassen.

Experten-Meinungen zu Schimpanse Robby

Tierärztin Alexandra Dörnath ist so eine Expertin. Sie kennt sich nicht nur mit Menschenaffen im Generellen gut aus, sondern begleitet auch den Fall Robby bereits seit vielen Jahren. Sie betont gegenüber buten un binnen, dass er nicht verhaltensgestört sei, sondern “irreversibel auf den Menschen geprägt”. Weiterhin betont sie: “Er verhält sich wie ein Mensch, er hält sich höchstwahrscheinlich selbst für einen Menschen. Er wird mit größter Wahrscheinlichkeit Angst vor seinen Artgenossen haben, er spricht die Schimpansen-Sprache nicht. Fremde Affen könnten ihn nicht lesen, und er könnte andere Affen nicht lesen.”

Damit bringt sie genau die Probleme auf den Punkt, die man bereits bei anderen “Ausnahme-Affen” kennt. Sie ist sich sicher: “Würde man ihn hier rausholen, wäre das sein Tod. Aus verschiedenen Gründen: Er würde an gebrochenem Herzen sterben, weil er seine gewohnte Umgebung nicht mehr hat: Einem so alten Tier kann man keinen neuen Lebensraum zumuten. Er würde eventuell an einer Narkose sterben, er könnte in der Quarantäne-Zeit an Einsamkeit sterben. Würde er all das doch überleben, dann würde er bei einer Vergesellschaftung von Artgenossen umgebracht werden.”

Sie erwähnt auch einen “international renommierte[n] Verhaltensforscher”, der zum gleichen Schluss kommt und konstatierte: “Es sei ein Verbrechen, Robby rauszuholen.” Jemand der empfehlen würde Robby aus seiner Familie zu reißen, habe von Verhaltensbiologie nichts verstanden, so der Experte weiter. Abschließend konkludiert die Tierärztin: “Tierschutz muss man individuell sehen. Und für den Affen Robby ist dies [gemeint ist seine Familie] der beste Platz auf der Welt.”

PETA kommt schlecht weg

Dieser Hund starb durch die Hand von PETA – wie viele andere, obwohl sie auch gesund und adoptierfähig waren. | Foto von http://whypetakills.com (Nathan J. Winograd)

PETAs Forderung sei “tierschutzwidrig” – da sind sich die Experten einig. Worum geht es dann? Wahrscheinlich um die gleiche Sache wie beim Affentheater um das Affen-Selfie: Aufmerksamkeit. Vor Gericht geht der Fall natürlich hin und her. Robbys Familie wird zum Wohle des Tieres nicht aufgeben und auch PETA wird wahrscheinlich nicht zurückziehen, weil sich mit dem Thema ja so herrlich Schlagzeilen provozieren lassen.

Bei Robby ist es wie mit Naruto – der Richter, der das abschließende Urteil fällte, erklärte: “PETA benutzte Naruto als einen “Bauern, der auf einem Schachbrett, das größer ist als sein Fall, manipuliert wurde”.” Mit Robby geschieht das gleiche. Genauso wie es völlig klar ist, dass ein Affe keine Copyrights erhalten kann, die PETA dann verwaltet, ist es auch völlig klar, dass es tierschutzrechtlich eine Katastrophe wäre, wenn PETA den Schimpansen in den Tod schicken dürfte.

Ob Robby das Ende dieses Rechtsstreites überhaupt erlebt, wird man sehen – erfahrungsgemäß dauert so etwas ja sehr, sehr lange. Solange PETA immer noch mit Spenden versorgt wird, wird das auch so weitergehen mit diesen Schauprozessen. Zwar verwendet PETA nur einen geringen Teil der Spenden für solche Aktionen und rund 95% für sich selbst, aber natürlich dürfte klar sein, wo, bei weniger Spendeneinkommen zuerst gespart wird.

PETA: Rekord-Ausgaben für Personalkosten & Öffentlichkeitsarbeit

Dass die Familie nicht will, dass Robby in die Hände von PETA kommt, ist absolut verständlich, denn die Tierrechtsorganisation schläferte selbst gerettete Tiere ein – ironischer Weise unter dem Vorwand kein Geld mehr zu haben.

Besser tot als gefüttert, sagt PETA

Insgesamt tötete PETA insgesamt schon über 38.000 Tiere.

Noch mehr Tötungen im Tierheim von PETA im Jahr 2017