Nordafrikanische Rothalsstrausse (Struthio camelus camelus) - Zoos bringen sich stark in den Schutz dieser Tiere ein. | Foto: MathKnight, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Schädlicher Einfluss von laikalen Lobbyverbänden auf Haltungsrichtlinien

Exklusiv für zoos.media – 26.01.2018. Autor: Philipp J. Kroiß

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) lässt gerade Einflussnahme von NGOs auf die Debatte um Haltungsrichtlinien zu, für die diese selbst weder erfahren, noch unvoreingenommen genug sind.

Schädlicher Einfluss von Lobbyverbänden auf Haltungsrichtlinien

Es ist schon ein sehr fragwürdiger Einfluss, der Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), aktuell CSU-geführt, in der aktuellen Diskussion um die Gutachten betreffend Eulen und Greifvögel, Süßwasserfische, Papageien, Kleinvögel, Reptilien und Laufvögel da zulassen. Da sitzen gestandene und erfahren Tierhalter mit völligen Laien an einem Tisch – das sorgt für Irritationen.

Treffen auf der Grünen Woche: v.l.n.r. Volker Homes (Geschäftsführer des VdZ), Dr. Till Backhaus (Minister für Landwirtschaft und Umwelt in Mecklenburg-Vorpomern), Dr. Julia Kögler (stellvertretende Geschäftsführerin des VdZ), Dr. Christoph Langner (stellvertretender Vorsitzender Landeszooverband Mecklenburg-Vorpommern) und Tim Schikora (Direktor des Schweriner Zoos).

„Für Zoologische Gärten sind Modernisierungen und neue Konzepte mit großflächigen, tierschutz- und artgerecht ausgestatteten Tieranlagen unverzichtbar. Allerdings sollten die Kriterien dafür auf neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und dem Wissen erfahrener Tierhalter basieren“, erklärte der Minister für Landwirtschaft und Umwelt Mecklenburg-Vorpommerns, Dr. Till Backhaus (SPD). Der VdZ kritisiert zurecht, dass die Diskussion um die neuen Standards von Tierschutzverbänden ohne praktische Tierhaltererfahrungen dominiert wird. „Zu restriktive Vorgaben können sogar Europäische Erhaltungszuchtprogramme in unseren Mitgliederzoos gefährden, etwa das für den Nordafrikanischen Rothalsstrauß, der vom Aussterben bedroht ist“, erklärt Volker Homes, Geschäftsführer des VdZ.

Auf der Internationalen Grünen Woche haben sich Backhaus und Homes. Dabei war auch der Erhalt seltener, vom Aussterben bedrohter Haustierrassen ein Thema, denn auch dafür machen sich Zoos stark: „Neben ihrer Rolle als lebendiges Kulturgut und als Genreserve sind Haustiere in Zoos essenzieller Bestandteil unseres Bildungsangebotes“, so der Stellvertretende Vorsitzende des Landeszooverbands Mecklenburg-Vorpommern, Dr. Christoph Langner.

Auch ProZoo findet kritische Worte für die Verbände von Laien, die versuchen die Diskussion an sich zu reißen, damit sie ihrer Anti-Zoo-Propaganda zuträglich wird: „[L]eider sitzen dort auch wieder Verbandsvertreter des Tierschutzes am Tisch, die versuchen, die Diskussion zu dominieren und in ihrem Sinne zu instrumentalisieren. Oftmals fehlen diesen Funktionären jegliche Erfahrungen in der Tierhaltung und sie ordnen das Wohlbefinden von Tieren in menschlicher Obhut u. a. nach Flächenmaßen. Das wird vom Verband der Zoologischen Gärten (VdZ) und ihrem Geschäftsführer Volker Homes heftig kritisiert. Zurecht, wie wir meinen.“

Es ist eine fragwürdige Entwicklung, dass neuerdings Laien über Haltungsvorgaben debattieren dürfen, braucht man dafür doch eigentlich hinreichende Erfahrung und auch die nötige Kenntnis. Das Bewerbungsverfahren in einer Anti-Zoo-NGO zu bestehen, ersetzt weder ein jahrelanges Studium und schon gar nicht die wichtige aktive und langjährige Haltungserfahrung, die man braucht, um sich fundiert äußern zu können. Es ist eine Sache, wenn leichtgläubige Tierfreunde auf Tierrechtspopulisten hereinfallen, aber höchst fragwürdig, wenn die Politik ihnen Tür und Tor öffnet. Das muss sich schleunigst ändern. Es kann nicht sein, dass zoofeindliche Laien über die Zukunft von Zootieren entscheiden.

 

Zusatz: Anbei ist die ganze, lesenswerte Stellungnahme von ProZoo.