So soll Shark City einmal aussehen. | Foto: Shark City

Shark City – eine Stadt für Haie

Exklusiv für zoos.media – 12.08.2017. Autor: Philipp J. Kroiß

Das in Pfungstadt geplante Haiaquarium „Shark City“ sorgt schon vor der Eröffnung für Zündstoff. Wir bekamen die Möglichkeit uns das Projekt genauer anzusehen.

Shark City – Eine Stadt für Haie

Die Eckdaten sind beeindruckend: 14.500.000 Liter verteilt auf mehrere Becken, von denen das größte 10.500.000 Liter fasst. Themenbereiche wie Mangroven, Vor-Riff, Lagune, Rotes Meer, Indischer Ozean, Pazifik, Mittelmeer, Atlantik und Außenriff sind geplant. Modernste Anlagen, die ständig für eine optimale Wasserqualität sorgen sollen. Namengebendes Herzstück der Ausstellung, die im ersten Halbjahr 2019 ihre Tore öffnen soll, werden 36 Hai-Arten sein, die von bis zu 150 Tieren repräsentiert werden.

Projekt in Planung

Der Lageplan – so soll das Projekt aus der Vogelperspektive betrachtet aussschauen. | Foto: Shark City

Shark City ist ein beeindruckendes Projekt. Ein geeignetes Grundstück in Pfungstadt ist bereits gefunden und der Bauantrag wird bald gestellt. Für die Stadt im Regierungsbezirk Darmstadt entsteht so bald ein wichtiger sog. weicher Standortfaktor. In Zeiten, wo die Großstädte eine enorme Anziehung haben, ist so ein Standortfaktor enorm wichtig, da sie wichtige Pull-Faktoren für kleiner Städte darstellen. Durch das 20,5 Millionen € teure Projekt, das mit über einer halben Millionen Besuchern pro Jahr rechnet, entstehen 50 bis 60 Arbeitsplätze. Die Stadt Sinsheim tat sich schwer, die Komplexität des Vorhabens und dessen Bedeutung für den Standort zu erfassen. Pfungstadt wirkt da entschlossener und will sich nicht von zumeist unseriösen Zoogegnern beeinflussen zu lassen.

Das Projekt, das Maßstäbe in der zoologischen Gemeinschaft setzen will, wird vor allem für Haie errichtet. Es orientiert sich an den Bedürfnissen der Tiere, was durch Mitgliedschaft unter anderem in der Europäischen Zooorganisation EAZA die gesichert werden soll, sowie durch ein großes Line-Up von Forschung-, Edukations- und Artenschutzprojekten. Zudem hängt mit der EAZA-Mitgliedschaft auch die Teilnahme an den Zuchtbüchern zusammen. Ebenfalls möchte Shark City Mitglied beim VDZ werden – dem Verband, der die bedeutendsten deutschsprachigen Zoos zu seinen Mitgliedern zählt.

Priortät auf modernes Zoo-Konzept

Erste Einblicke ins Innere des Aquariums Shark City durch eine Prävisualisierung. | Foto: Shark City

Moderne Zoos zeichnet aus, dass sie die artgemäße Haltung der Tiere in ihrer Obhut souverän mit Forschung, Edukation und Artenschutz verbinden. Auch das will Shark City. Sie setzen einen großen Fokus auf Edukation und auch Ausbildung zur aktiven Hilfe für Haie. So sollen Wissen und Kompetenzen entwickelt werden, sodass die Besucher auch selbst aktiv werden können. Man will als „Forschungs- und Ausbildungsaquarium für Haie“ weltweit Maßstäbe setzen.

So wird es eine Schulung geben, die sowohl im Aquarium selbst als auch außerhalb stattfindet. Diese Programme richten sich an Kinder und Jugendliche und werden auf verschiedene Altersgruppen zugeschnitten. Im Aquarium selbst reicht das Repertoire über zweistünde Führungen bis hin zu Ganztageserlebnissen, die den Besuchern die Haie, ihre Biologie und ihre Haltung mit vielen Einblicken nahebringen sollen. Das zweite Modell dieser Schulung findet außerhalb des Aquariums statt – etwa in Schulen. Hier sollen Kinder mit dem Thema Hai vertraut gemacht werden – ein Besuch im Aquarium kann sich anschließen, muss aber nicht.

Auch im Bereich Forschung wird man sowohl im Aquarium als auch außerhalb in den angestammten Lebensräumen aktiv. Die Ergebnisse der Forschung sollen dann auch den Tieren in Shark City und anderen Einrichtungen zu Gute kommen, aber natürlich auch ihren wilden Artgenossen. So will man etwa das Zusammenleben unterschiedlicher Arten besser verstehen lernen. Aber auch die Hai-Mensch-Interaktion soll erforscht werden – entgegen der landläufigen Meinung ziehen da nämlich die Haie meist den Kürzeren. Damit sich das ändert und Menschen einen anderen Zugang zu dem Thema Hai entwickeln, soll entsprechend geforscht werden. Wissen soll die falschen Vorurteile ersetzen.

Eine große Panoramascheiben, wie in dieser Prävisualisierung, lässt die Besucher die Tiere gut beobachten. | Foto: Shark City

Das Konzept der Wissensvermittlung steht auch bei den wechselnden Ausstellungen im Mittelpunkt. In kostenfreien Vortragsabenden soll dann das Wissen vertieft werden. Dies bezüglich Themen, die sonst nicht auf der Tagesordnung stehen. Alles folgt dem Motto: Haisschutz kommt durch Haikenntnis.

Zuständig für die Bereiche Forschung, Edukation und Artenschutz ist Dr. Erich Ritter von der Universität West Florida. Er ist der weltweit einzige experimentelle Haiverhaltensforscher auf dem Gebiet der Hai-Mensch-Beziehung. Sein Team und er werden Besuchern von jung bis alt die wunderbaren Tiere näherbringen und zeigen, dass diese total falsch verstanden werden. Um dies zu erreichen, wird mit neuesten pädagogischen Techniken gearbeitet, die die Gruppe bereits erfolgreich in vielen anderen Ländern anwendet.

Nur 23 Wildfänge nötig

Gegner des Aquariums versuchen Wildfänge als Gegenargument zu verkaufen. Allerdings werden 85% der bis zu 150 Haie aus erfolgreicher Zucht in anderen zoologischen Anlagen kommen. Nur 23 Haie sollen der Wildbahn entnommen werden. Vor dem Hintergrund, dass dies für eine Einrichtung geschieht, die sich gegen Shark-Finning einsetzt, dem pro Jahr bis zu 100.000.000 Tiere zum Opfer fallen, ist die Diskussion über eine weitestgehend leidfreie Fangaktion von wenigen Tiere angesichts dieser Zahl eine reine Scheindiskussion.

Haie brauchen Botschafter in Menschenobhut – ein modernes Aquarium ist dafür der perfekte Ort. Umso mehr Menschen die Message erreicht, dass Haie keine gefährlichen Monster sind, sondern liebens- und schützenswerte Kreaturen, umso mehr werden sich für ihren Schutz stark machen. Moderne Zoos und Aquarien leisten da schon eine hervorragende und wichtige Arbeit, die Shark City, wenn sich all die Pläne in die Realität umsetzen lassen, sicherlich gut ergänzen wird.

Pelagische Haie können artgemäß gehalten werden

Ein Tigerhai auf den Bahamas | Foto: Albert kok, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Kritik der Gegner entzündet sich an pelagischen Haien, meist ohne hier differenziert vorzugehen. Die Zoogegner behaupten: Weil pelagische Haie immer zum Atmen schwimmen müssten, könnte man sie nicht in Aquarien halten. Pelagische Haie, die in die Gruppe der “non obligate ram ventilator” sind (Beispiel: Sandtigerhai), müssen aber zum Beispiel gar nicht immer schwimmen. Auch bei den obligaten pelagischen Haien darf man nicht undifferenziert vorgehen. So wird dazu zwar ein Schwarzspitzen-Riffhai gezählt, doch handelt es sich dabei um eine Art, die an Riffen orientiert ist und deren Lebensraum sich in Becken gut nachbauen lässt. Überhaupt sind gerade die eher kleinwüchsigen Arten obligater pelagischer Haie gut zu halten.

Die Haltung von pelagischen Haien gelingt bereits in modernen Zoos. Die meisten Arten werden seit rund 10 Jahren gehalten, was durch eine deutliche Modernisierung der Haihaltung zustande kam. Aktuelle Zuchterfolge zeigen deutlich, dass eine tiergerechte Haltung möglich ist. Shark City will auf dieser Erfahrung aufbauen und deshalb nur Arten halten, bei denen sich gezeigt hat, dass man sie in Aquarien erfolgreich halten und züchten kann. So werden Nachzuchten von Sandbankhaien und Schwarzspitzen-Riffhaien aus Menschenobhut in das neue Aquarium in Pfungstadt einziehen. Auch hierbei handelt es sich um pelagische Arten.

Mit Sharkproject stellt sich eine Organisation auf die Seite dieser Zoogegner, die es eigentlich besser wissen müsste und auch besser weiß – wollten sie doch zuvor bereits an ähnlichen Projekten partizipieren. Mit ihrer populistischen Kampagne in Sinsheim haben sie sich vom Artenschutz hin zur Tierrechtsszene bewegt und lassen sich von dort auch fleißig unterstützen. Es ist durchaus nicht selten, dass Tierrechtler Artenschutzorganisationen unterwandern und versuchen sie zu drehen, weil man dem Irrtum nacheilt, mit dieser Zielgruppe mehr Spenden akquirieren zu können. Bewahrheitet hat sich dies aber nicht – im Gegenteil hat Sharkprojekt viel Tadel für den Ausflug in die Tierrechtsszene, der leider immer noch andauernd, kassiert. So zog sich zum Beispiel der Tiergarten Schönbrunn von Sharkproject zurück, seit sie so massiv und öffentlich artgemäße Haltung von Haien völlig ablehnten. Andere Zoos taten es ihnen gleich.

Modernes Haitraining

Männlicher Walhai in der Installation Ocean Voyager des Georgia Aquarium, Atlanta, GA | Foto: Zac Wolf, Lizenz: CC BY-SA 2.5

Alexander Dressel, zoologischer Leiter des Projekts, hat nicht nur einen großen Erfahrungsschatz im Bereich der professionellen Aquarienhaltung. Er hat auch bereits viel Erfahrung im Bereich des Haitrainings gesammelt. Training soll es täglich geben, da es in dem riesigen Becken von über 10 Millionen Liter auch sonst sehr schwer wäre, die Ernährung der Tiere zu überwachen – es sollen ja schließlich auch alle satt werden. Zudem ist das Training perfektes behavioural enrichment für die Tiere und die erlernten husbandry behaviours sorgen dafür, dass der Besuch des Veterinärmediziners für die Tiere nicht mit Stress verbunden ist. So werden die Haie nach erfolgreichem Training freiwillig zu Blutabnahmen kommen und können auch präzise behandelt werden, wenn sie mal krank werden, was äußerst selten vorkommt.

Erfahrungen sammelte Alexander Dressel bereits im renommierten Georgia Aquarium. In der Großinstallation Ocean Voyager, die rund 24 Millionen Liter fasst und vier Walhaie beherbergt, werden die Tiere auch sehr erfolgreich trainiert. Das Georgia Aquarium ist mit rund 31 Millionen Litern Süß- und Salzwasser, indem über 100.000 Tiere aus 500 Arten leben, eines der größten Aquarien der Welt. Es gehört auch zu den Top-Aquarien weltweit, wenn es um moderne Haltung von Meerestieren geht. Zudem ist es Humane-Zertifiziert. Zuletzt arbeitete er vier Jahre lang als Teamleiter Aquarium im Ozeaneum Stralsund.

Fazit

Das Projekt in der zoos.media vorgestellten Form zeigt die Merkmale eines modernen Zoos, der artgemäße Haltung mit Forschung, Edukation und Artenschutz verbindet. Die Haie sollen Botschafter ihrer Art, aber auch ihres Lebensraumes werden, denn wahrlich kann man Haie nicht isoliert schützen – wohl aber haben sie auch spezifische Themen, denen man besondere Aufmerksamkeit schenken will.

Die Akkreditierung durch renommierte Zoo-Organisationen wie EAZA und VDZ wird zudem unabhängig dafür sorgen, dass sich Shark City Standards stellen wird, die weit über gesetzliche Normen hinausgehen und artgemäße Haltung von Tieren garantiert. Sollte es dann noch eine Zertifizierung durch American Humane geben, erfüllt man die höchsten drittparteilichen Anforderungen für Zoos, die auf wissenschaftlicher Expertise aufgestellt wurden.