Eisbär (Ursus maritimus) im Tiergarten Nürnberg | Foto: Rufus46, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Tiergarten wegen “verhaltensauffälliger” Eisbärin angezeigt

Erschienen auf nordbayern.de am 28.02.2018.

Die Aktionsgruppe Tierrechte Bayern hat den Tiergarten Nürnberg wegen eine angeblich “verhaltensauffälliger” Eisbärin angezeigt. Die Vorwürfe sind falsch.

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Anmerkung: Es ist ein offenbar liebgewonnener Topos der Tierrechtsindustrie, Zootieren völlig sinnlos Verhaltensstereotypien zu unterstellen. Meistens offenbaren sie dadurch mehr ihre Inkompetenz als die Realität.

Verhaltenssterotypien sind sehr klar definiert. Vereinfacht ausgedrückt handelt es sich um ein gleichförmig wiederholtes Verhaltensmuster, die nicht bewusst der Situation angepasst, sondern wie automatisiert ablaufen und von den Tieren nicht selbstständig beendbar sind. Die Tiere sind dann so in dem Verhalten “gefangen”, dass sie nicht selbst hinauskommen oder ablenkbar sind. Bei der Eisbärin in Nürnberg ist dies nicht der Fall.

Vera läuft vor jeder Fütterung eine Viertelstunde auf und ab. Solches Verhalten ist nicht unüblich oder kränklich und schon gar kein Ausdruck von Leid. Es spricht alles dafür, dass es sich um keine Störung des Verhaltens handelt, sondern um anticipatory pleasure. Das findet man bei sehr vielen Art und vom Haustier bis zum Zootier. Die Tiere wissen, dass sie gleich etwas Tolles erwartet, in Veras Fall die Fütterung, und dann ein Verhalten zeigt, dass manche Menschen vielleicht nicht mit freudiger Erwartung assoziieren, die Tiere allerdings schon.

“Es ist so, als ob ich zu Hause esse und mein Hund hüpft auf der Terrasse auf und ab”, hat es John Lewis, der Direktor des Los Angeles Zoo mal ausgedrückt. Auch er sorgt für ein Tier, dem die Tierrechtsindustrie eine Verhaltensstereotypie andichten will: Billy, der Elefant. Dieses Verhalten wurde bereits wissenschaftlich untersucht und es konnte durch eine Unterbrechung der Routine minimiert werden. Genauso geht nun auch der Nürnberger Tiergarten vor und ist somit auf dem völlig richtigen Weg.

Kommentar: In dem ganzen System gibt es eigentlich nur eine Verhaltensstörung bzw. Verhaltensstereotypie und die kommt von Tierrechtlern, die immer wieder automatisiert solche Vorwürfe aufbringen und auch sich auch nicht durch schlichte Fakten oder Grundlagen der Verhaltensbiologie davon abbringen lassen. Sie sind tatsächlich in einem gleichförmig wiederholtem Verhaltensmuster “gefangen”. Das Tier wird so mehr zur Projektionsfläche der eigenen Probleme der Tierrechtler.