Fütterung der Giraffen im Tiergarten Nürnberg während eines Zoopädagogischen Programs | Foto: Nicola Ohnemus

Zoopädagogik im Tiergarten Nürnberg: ganz nah an den Tieren

Exklusiv für zoos.media – 20.07.2017. Autor: Philipp J. Kroiß

Zoopädagogik wird im Tiergarten Nürnberg groß geschrieben: mit einem tollen Angebot, das darauf abzielt Mensch und Tier auf verschiedene Arten zu verbinden.

Zoopädagogik im Tiergarten Nürnberg: ganz nah an den Tieren

Zoopädagogische Programme sind das Gegenteil von langweilig, wenn sie ganz nah an den Tieren stattfinden – und das sowohl inhaltlich, als auch physisch. Der Tiergarten Nürnberg bietet dazu seinen Besuchern ein abwechslungsreiches und spannendes Programm. Nicola Ohnemus gab zoos.media einen Einblick in diese interessanten, aber auch wichtige Programme und stellte dankenswerterweise Informationen und Bildmaterial zur Verfügung.

Führungen sind nur der Anfang

Dem Panzernashorn mal eine Karotte reichen: so nah kommt man dem Lieblingstier beim entsprechenden zoopädagogischen Programm des Tiergarten Nürnberg. | Foto: Nicola Ohnemus

Allgemeine Führungen sind meist der Startpunkt von Zoos. Will man sich weiterentwickeln, bietet man dann meist zusätzlich spezielle Führungen für gewisse Zielgruppen oder zu bestimmten Themen an. Mit Abstand am beliebtesten sind meist Programme, die die Besucher „hinter die Kulissen“ führen. Hier können die Besucher erfahren, was der normale Besucher nicht sieht.

Im Tiergarten Nürnberg kann man zum Beispiel einen „Besuch beim Lieblingstier“ buchen. Interessierte Besucher können Nashörner füttern und streicheln, was die Tiere sichtlich genießen. Ähnliches ist bei Tapiren und Kamelen möglich. Oder wer hat schon mal in Mitten einer harmonischen Gruppen Totenkopfäffchen gestanden? Im zoopädagogischen Programm des Tiergarten Nürnberg wird dies möglich. Vor einer Giraffe zu stehen ist sehr beeindruckend und wie wunderbar wird es sein, wenn man sie dann noch füttern kann.

Wer mal Tiertraining von nahem erleben will, schaut sich das Training der Seelöwen an und kann die agilen Meeressäuger auch füttern und streicheln. Bei Makis kann man sogar selbst für Beschäftigung sorgen und die Tiere ebenfalls füttern. Auch den neugierigen Sakis kommt man man füttern ganz nah. Zudem kann man auch den mächtigen Gorillas nahe kommen – Eisbären kann man sogar aus der Hand füttern. Wer es etwas kleiner mag, kann Pinguinen mit Futter eine Freude bereiten.

Unvergessliche Zeit bei den Tieren

Einem Eisbär eine Freude machen: Zoopädagogik im Tiergarten Nürnberg bringt Tiere, Menschen auf vielen Ebenen nahe. | Foto: Nicola Ohnemus

Egal, welches Lieblingstier man sich aussucht, bekommt man rund eine Stunde abwechslungsreiches, lehrreiches und spannendes Programm geboten. Bei den Tieren ist man zwischen zehn Minuten und einer halten Stunde – je nach Art. Das Wohl der Tiere steht dabei an erster Stelle und man erfährt hautnah wie die Haltung funktioniert und lernt enorm viel über sein Lieblingstier, sowie über die Art und den Lebensraum, deren Botschafter das Tier ist.

Man kommt den Tieren also ganz nah – einmal durch alles, was man während des Programms lernt und einmal durch die physische Nähe zum Tier. So schafft man als Zoo Erlebnisse, die Menschen zum außergewöhnlichen Schutz der Tiere inspirieren können.

Auch sehr beliebt sind die Programme „Begegnungen mit Delphinen“, „Besuch im Affenhaus“, und „Begegnungen am Amazonas“. Hier geht es um bestimmte Haltungen und die Tiere darin. Ebenfalls gibt es einen Workshop zur Zootier-Beschäftigung. In vier Stunden bastelt man erstmal Enrichment und nach der Hälfte der Zeit bringt man sie dann zu den jeweiligen Tieren aus vier bis sechs verschiedenen Arten.

Der Tiergarten achtet bei diesen wie allen anderen Programmen besonders auf die Vermittlung von Wissen und beantworten dazu auch zahlreiche Fragen. Wie sorgt man dafür, dass es den Delfinen so gut geht? Wie beschäftigt man Affen? Wie baut man eigentlich den Amazonas so authentisch und naturnah nach? All das können die Besucher in Erfahrung bringen.

Zoopädagogik bringt Menschen Tieren nahe – und zwar auf der Ebenen des Wissens und des Erlebens. Die Programme des Tiergarten Nürnberg zeigen ganz hervorragend wie wunderbar das funktioniert.

Zoopädagogik spielt eine wichtige Rolle

Die Delfinlagune des Tiergarten Nürnberg: gut besucht bei einer der edukativen Vorstellungen | Foto: Jed, Lizenz: CC BY-SA 3.0 DE

Zuallerletzt werden wir nur schützen, was wir lieben,
wir werden nur lieben, was wir kennen
und wir werden nur kennen, was man uns beigebracht hat.
Baba Dioum

In einer Zeit, in der immer mehr Menschen in Städten lebt, sind Zoos Fenster zur Wildnis, das Menschen die Natur im wahrsten Sinne des Wortes auf ganz vielen Ebenen näher bringt. Das zoopädagogische Angebot moderner Zoo intensiviert dies nochmal mehr und vervielfacht so seine Wirkung.

Man kann viel über die Bedrohung von Panzernashörnern lesen und, teils sogar bewegte, Bilder von ihnen betrachten, aber eine direkte Begegnung ist etwas völlig anderes und verbindet die Menschen viel mehr mit den Tieren als Medien es je vermitteln können. Wenn man dann noch die Chance hat, ein Nashorn zu füttern und in einer gesonderten Führung mehr darüber zu erfahren, entsteht das, was Baba Dioum meint: ein solcher Zugang zum Tier, das sein Überleben und sein Schutz zu einem Herzensanliegen werden kann.

In einer Gesellschaft, die sich immer mehr von der Natur zu entfremden scheint, ist die Zoopädagogik an einer Schlüsselposition: obgleich sich manche Menschen von der Natur entfernen, können sie hier dem, was sie schützen sollen, auf vielen Ebenen ganz nahe sein.