HSUS-CEO Wayne Pacelle bei einer Buchpräsentation. | Foto: Dwight Burdette, Lizenz: CC BY 3.0

Bezahlt die HSUS Politiker in den USA für deren Entscheidungen?

Exklusiv für zoos.media – 19.11.2017. Autor: Philipp J. Kroiß

Auf Basis der Veröffentlichungen von OpenSecrets.org hat sich der Autor mal das Profil der bekannten Tierrechtsorganisation HSUS angeschaut.

Bezahlt die HSUS Politiker in den USA für deren Entscheidungen?

Was die Seite OpenSecrets.org über die HSUS ganz nüchtern auflistet, scheint erstmal unglaublich: Die radikale Tierrechtsorganisation zahlt quasi Geld an Politiker – allerdings nicht direkt, denn das wäre ja zu auffällig. Die Organisationen selbst spendeten freilich nicht, sondern das Geld stammte aus den PACs der Organisationen, ihren einzelnen Mitgliedern oder Angestellten oder Eigentümern und den unmittelbaren Familien dieser Personen.

Vordergründig geht das Geld an die Demokraten, aber auch ein alles andere als zu vernachlässigender Teil geht an die Republikaner. Im 2016 Cycle bekamen im Repräsentantenhaus 63 Demokraten durchschnittlich etwas mehr als 2.500$ und 31 Republikaner durchschnittlich etwas mehr wie 3.200 $. Zusammen machen diese Leute mehr als 20% der Mitglieder des Repräsentantenhauses aus. Im Senat bleibt man knapp unter den 20% und gibt 13 Demokraten durchschnittlich etwas mehr als 3.600$ und 6 Republikanern im Durchschnitt mehr als 3.900$.

Politiker bekommen bis zu 11.000$ im Jahr

Top-Rezipient im 2016 Cycle dieses Geldes war der Republikaner Ryan Costello. Er kann sich über 11.000 Dollar im Jahr freuen. Der Politiker vertritt den Bundesstaat Pennsylvania im US-Repräsentantenhaus. Sein Demokratischer Gegenkandidat fand es, sicher nicht überraschenderweise, gar nicht mal so gut wie Costello die Präsidentschaftskandidatur von Donald Trump unterstützte. Er bejahte zum Beispiel die Bill H J Res 69, die mal eben den Schutz von Bären, Wölfen und anderen Raubtieren aufgehoben hat. Allerdings wird er von der HSUS dafür gelobt, dass er ja eine Bill gegen Auftritte von Wildtieren in reisenden Zirkussen einbrachte. Das passierte gemeinsam mit dem Demokraten Raul Grijalva, der allerdings „nur“ 3.500$ im 2o16 Cycle bekommen hat.

John Kennedy bekam tausend Dollar weniger als Costello und sitzt für die Republikaner im Senat. Der Abtreibungsgegner bekommt von der Waffenlobby ein „A“-Rating. Er war die Wahl von Donald Trump als Senator für Louisiana wie er am 3. Dezember getwittert hat. Das wiederum fand der Demokrat Foster Campbell gar nicht mal so gut, weil Kennedy sogar eher liberaler Republikaner war, bevor er um Trumps Hilfe ersuchte. Als Kennedy dann gewonnen hatte, gratulierte Trump natürlich.

Aber es werden nicht nur Trump-Günstlinge bzw. -Fanboys gesponsert. Hillary Clinton zum Beispiel bekam 1.200 $. Also auch für die politischen Gegner von Trump bleibt noch einiges an Geld übrig, denn schließlich bekommen die Demokraten insgesamt das meiste. Quasi als Top-Verdiener mit 10.000$ könnte man Earl Blumenauer bezeichnen, der sich aber mit Trump nur sehr selten einig ist. Er besetzt den Co-Chair des Congressional Animal Protection Caucus und zur Übernahme dieses Amtes bekam er einen warmen Empfang von Gruppierungen zu denen, wenig überraschend, natürlich auch die HSUS gehörte. Als der CEO der HSUS, Wayne Pacelle, sein Buch „The Humane Economy“ auf einer Tour promotete war Blumenhauer in Oregon mit von der Partie. Aber es gibt für die Politiker auch weit mehr als nur Geld:

Vertreter Blumenauer war eine der besten und effektivsten Stimmen für Tierschutz im US-Kongress. Bei den großen politischen Debatten über Tierschutz steht Rep. Blumenauer im Vordergrund, und wir sind ihm für seine Leidenschaft und Führung enorm dankbar.“ – Wayne Pacelle, CEO der HSUS

Für die Demokraten im Senat sitzt Kamala Harris und kann sich ebenfalls über 10.000 $ freuen. Sie vertritt Kalifornien und ist zum Thema Abtreibung liberal und bekommt ein 100%-Rating einer entsprechenden Lobbygruppe. Von der Waffenlobby bekommt sie ein „F“-Rating. Sie ist also in diesen Fragen das komplette Gegenteil von dem oben erwähnten Kennedy. Auch die von Costello bejahte Bill H J Res 69 von weiter oben, fand sie gar nicht mal so gut und wählte dagegen- die HSUS bedankte sich.

Partei- und Meinungsübergreifende Finanzierung

Man merkt wie, vorsichtig ausgedrückt, politisch facettenreich doch finanziert wird. Jeder kriegt was ab, ob er jetzt zum Beispiel Bären in Alaska schützen mag oder nicht. Es scheint hierbei gar nicht um politische Positionen zu gehen, sondern um nackten Einfluss – man könnte sagen: Opportunismus pur. Die HSUS investiert, nicht selbst, sondern anscheinend ja über Ecken, in Politiker quasi jeder politischer Richtung und erreichen damit rund 20% des Repräsentantenhauses und des Senats. Öffentlich kommuniziert wird das nicht. Aber es gibt noch viel mehr als Geld – man lobt die Politiker deutlich.

2011 applaudiert die HSUS Ohio Gov. Ted Strickland für die Erteilung einer Durchführungsverordnung, die es Privatleuten verbietet, sog. „gefährliche“ wilde Tiere zu halten – völlig unabhängig davon wie professionell deren Pflege von statten geht. Die HSUS findet, solche Tiere würden nicht in die Hände von Privatleuten gehören, der Politiker sieht das auch so.
Der Republikaner Ted Stickland bekam im 2016 Cycle 10.000$, im 2014 Cycle 10.300$, im 2012 Cycle 7.500 Dollar und im 2010 Cycle nichts.  Die Entscheidung fällt in den 2012 Cycle, der die Jahre 2011 bis 2012 betrifft. Es wirkt so als habe man eher mit Geldscheinen „applaudiert“. 2010 hatte man die Empfehlung ausgesprochen, 2011 beginnen die Zahlungen und die Entscheidung kommt – purer Zufall oder hat da jemand einen Preis für eine politische Entscheidung genannt?

In den USA legal

In Deutschland käme in Politiker bei so einer Frage schon in Erklärungsnot, aber in den USA ist dieses Sponsoring ja nicht illegal. Hier ist wieder zu bedenken, dass man es ja auch gut verdeckt: Die Organisationen selbst spendeten freilich nicht, sondern das Geld stammte aus den PACs der Organisationen, ihren einzelnen Mitgliedern oder Angestellten oder Eigentümern und den unmittelbaren Familien dieser Personen. Dann tut die HSUS auch immer noch so schrecklich überrascht, wenn sich das Geld der vorgeblich anderen als gut angelegt herausstellt und entsprechende Entscheidungen, nennen wir es mal, motiviert hat.

Nun steht die Frage im Raum, wie die US-amerikanischen Zoos darauf reagieren. Die HSUS ist letztendlich gegen jede Form der Tierhaltung, eine Art PETA in Nadelstreifen. Sie wollen Zoos zerstören, so wie jede Form der Tierhaltung. Was aber tun gegen die Finanzgewalt solcher Organisationen? Auch Geld in dieses System pumpen? Zu einer solchen Abwägung gesellt sich neben der finanziellen auch noch eine moralische Frage.
In jedem Fall aber ist es wichtig, die Machenschaften aufzuzeigen. Non-profits wie OpenSecrets.org ist es zu verdanken, dass man überhaupt von diesen Geldflüssen weiß. In jedem Fall braucht es ein wachsames Auge auf solche Vorgänge und man muss dieses erworbene Wissen dann auch teilen. Es ist sicherlich nur eine Frage der Zeit bis sich dieses Geld gegen die Zoos wendet.