Dörte schaut neugierig durch eine Scheibe im Delfinarium des Zoo Duisburg | Foto: zoos.media

Die wahre Geschichte von Annessa

Exklusiv für zoos.media – 10.11.2016. Autor: Philipp J. Kroiß

Unser Autor ist auf eine Behauptung von Delfinariengegnern gestoßen und recherchierte die Hintergründe. In diesem Artikel, der unter wissenschaftlicher Beratung entstand, werden solche populistischen Kampagnen klar verurteilt.

Nun habe ich in den Jahren, in denen ich mich mit Delfinhaltung und auch deren Kritikern schon beschäftige, einiges erlebt. Immer wieder gab es Desinformationen, Fehlinformationen und Lügen, die man auch immer widerlegen konnte. Was nun aber von einer Tanja beim veganblog gepostet würde, ist wahrlich schwer noch in freundliche Worte zu fassen.

PETA’s Märchen über Annessa

Auf dem veganblog, einer Webseite der Tierrechtler-Organisation PETA, postet eine gewisse Tanja eine Darstellung der Geschichte des Delfins Annessa, die mit der Wahrheit mal so gar nichts zu tun hat.

Die Autorin behauptet, dass man in manchen Fällen sogar Delfine, die in Menschenobhut geboren worden sind, auswildern könne. Das ist falsch, denn es gibt keinen solchen erfolgreichen, wissenschaftlich dokumentierten Fall, indem das geglückt sei. Als Beweis für diese These ohne jeden wissenschaftlichen Beleg führt sie nun ein Märchen an, das man auch nur als solches bezeichnen kann.

Der Delfin Annessa war bei dem Wirbelsturm Matthew im Alter von 11 Jahren aus dem Dolphin Research Centre (Florida, USA) aus dem Gehege gelangt. Sie hätte es überlebt und sich angeblich einer Gruppe Delfine angeschlossen. Angeblich wäre sie heute 36 Jahre alt und würde immer wieder gesehen. Diese These unterstützten Ric O’Barry und Ken Balcomb und es wird von ihnen als „erfolgreiche Freilassung“ bezeichnet.

Kaum eine Darstellung könnte realitätsferner sein als dieses völlig unbelegte und ausgedachte Märchen. Die Autorin „Tanja“ ist wahrscheinlich die PETA-Aktivistin Tanja Breining, die nicht zum ersten Mal mit defizitärer Darstellung von Realität auffallen würde und bereits für Ihre laienhafte Stellungnahme zur Delfinhaltung beim Landtag NRW kritisiert wurde.

Dolphin Research Centre widerlegt Behauptungen eindrucksvoll

Wie es tatsächlich war, erklärt Dolphin Research Center Mitbegründerin und Chief Operating Officer Mandy Rodriguez, den das Dolphin Research Centre über Facebook teilte:

Annessa war also genau einmal fotografiert worden und das kurz nach ihrem Verschwinden aus der Anlage. Weder gibt es irgendeinen bestätigten Beweis, dass sie noch lebt, geschweige denn andauernd gesehen würde. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass sie überlebt habe und sich einer Delfingruppe angeschlossen hätte. Was PETA und O’Barry hier veröffentlichen und ist einfach unbewiesen und faktisch nicht haltbar.

Ric O’Barry und das Dolphin Research Centre

In einem vorangegangenen Blog-Eintrag auf Huffington Post veröffentlichte ich bereits diesen Post von Linda Erb vom Dolphin Research Centre:

“1996, wir räumen gerade das Chaos auf, das Ric O’Barry and sein Dolphin Project hinterlassen haben. Er hatte versucht, den Delfin Buck “auszuwildern” (umzubringen wäre das passendere Wort), indem er ihn vor Key West an einem langen Feiertagswochenende einfach über Bord seines Bootes warf. 3 Wochen später war er schwer verwundet und ausgemergelt und Dolphin Research Center (DRC) musste ihn retten. Er folgte unserem Boot 7 Meilen zurück bis zum DRC, wo unser Delfinweibchen Theresa nach draußen schwamm und ihn in Empfang nahm und nach Hause brachte. Das ist das Schicksal das Extremisten den Tieren antun wollen, die wir lieben, allen in unserer Obhut lebenden Delfine und Wale. Wir müssen für das Leben unserer Freunde kämpfen – und das werden wir! Zeigt Fotos von der Zuneigung, die ihr tagtäglich gebt und erfahrt. Die Wahrheit ist da draußen. O’Barry ist ein Verbrecher der von Bundesrichtern bestraft wurde für den Missbrauch und den nur knapp verhinderten Mord an Buck und Luther. Das ist die Wahrheit!”

Für O’Barry, der sich im Artikel damit rühmt schon „eine Menge“ Delfine ausgewildert zu haben (wissenschaftliche Belege gibt es dafür, fast schon selbstverständlich, nicht), hatte diese „Auswilderung“, wie er sie fälschlicherweise bis heute bezeichnet, juristische Folgen:

“In 1999, civil penalties in the amount of $59,500 were assessed for the release of two dolphins from captivity. The dolphins were not prepared to survive in the wild and sustained life-threatening injuries as a result of their release. An administrative law judge found that the release of two dolphins without providing them with the necessary skills for survival resulted in harassment and injury to them, and therefore, constituted a violation of the MMPA.” – 1999 NOAA LEXIS 1

Neben Buck, der vom Dolphin Research Centre gerettet werden konnte, war auch noch Luther mit von der Partie gewesen. Er wurde ein Tag nach seiner „Auswilderung“ dabei beobachtet wie er Jet-Skiern folgte. Eine Entwöhnung vom Menschen hatte also trotz selbsternanntem „Training“ von O’Barry nicht stattgefunden.

Es wurde von den Behörden eine Rettung der Tiere arrangiert, da sie offenbar für ein Überleben in der Wildbahn nicht gewappnet waren. Luther wurde dann zurückgebracht in die Haltung in San Diego, wo er bis 2007 lebte. Buck war verschollen und wurde erst zwei Wochen später völlig entkräftet wieder gefunden und es wurde entschieden, dass er im Dolphin Reserach Centre bleiben sollte – er hatte ein Drittel seines Körpergewichts verloren. Aber das Dolphin Reserach Centre konnte sein Leben erstmal retten, allerdings war der Schaden, den er durch die verantwortungslose „Auswilderung“  durch O’Barry genommen hatte, war so bleibend, dass er sich nie völlig erholte. Er verstarb im Juni 1999.

Rechtzeitig hatten die Behörden Molly und Jake, zwei Delfine, die ebenfalls im Programm zur Auswilderung waren, beschlagnahmen und so retten können. Molly kam direkt ins Dolphin Research Centre und lebt dort bis heute ein artgemäßes Leben.

O’Barry sieht die Geschehnisse rund um die Sugarloaf Dolphins und deren illegale „Auswilderung“ für die er nicht mal eine Genehmigung hatte als eine Art Verschwörung an, wie er mal in einem Interview zu Protokoll gab, und hegte seitdem anscheinend fortan Groll gegen alle, die damals die Tiere aus seinen Klauen befreiten. So ist es nicht verwunderlich, dass er nun gegen das Dolphin Research Centre desinformiert.

Kampagne gescheitert

Durch die Aufdeckung der wahren Geschichte von Annessa und deren Hintergründen, ist diese PETA-Kampagne aufgeflogen. Die wollten nämlich mit dieser Story, Menschen animieren, sich gegen die Haltung des Orcas Morgan im Loro Parque und für deren Auswilderung zu engagieren. Dieser Schuss ging nach hinten los, denn ihr angebliches Muster-Beispiel einer erfolgreichen Auswilderung, ist gar keines und sie haben auch gleich O’Barry nicht zum ersten Mal disqualifiziert.

Es ist offenkundig, dass Delfinariengegner wie nur allzu oft mit Lügenmärchen argumentiert haben. Die bewiesenen und/oder wissenschaftlichen Fakten sprechen gegen ihren Standpunkt in dieser Sache, aber auch im Allgemeinen. Nach dem Scheitern diese Annessa-Kampagne  zielt O‘Barry nun auf Reiseveranstalter ab, die er für seinen fanatischen Kampf gegen Delfinarien instrumentalisieren will. Sobald sich diese tour operators, aber über ihn und wie er, euphemistisch ausgedrückt, kreativ mit der Wahrheit umgeht, informieren, wird auch diese Kampagne gewiss scheitern.