Blick auf das Wales Ape & Monkey Sanctuary | Foto: Nigel Davies, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Wales Ape & Monkey Sanctuary: Schlechte Reputation unter Fachleuten

Exklusiv für zoos.media – 14.01.2020. Autor: Philipp J. Kroiß

Das Wales Ape & Monkey Sanctuary, das von vielen Tierrechtlern beworben wird, hat unter Fachleuten keine gute Reputation, wie inzwischen noch deutlicher wurde.

Wales Ape & Monkey Sanctuary: schlechte Reputation unter Fachleuten

In Rahmen seiner Antwort auf die heillosen Anschuldigungen der Tierrechtsindustrie, veröffentlichte der Zoo Krefeld auch O-Töne von Fachleuten zu dem von Tierrechtlern hochgejubelten Wales Ape & Monkey Sanctuary (WAMS), in das die Zoogegner die Krefelder Schimpansen Bally & Limbo stecken wollen. Die Aussagen der Experten sind eindeutig.

Starke Zweifel an Seriosität

Schimpanse im Zoo Krefeld | Foto: zoos.media

Der Zoo Krefeld beschreibt, dass es in der Fachwelt es an der vom Great Ape Project so beschriebenen “hervorragende[n] Arbeit in der Rehabilitation und Resozialisierung notleidender Affen” Zweifel gibt und belegt das sehr deutlich mit Zitaten.

“Zum Wales Ape and Monkey Sanctuary fürchte ich, nicht viel Positives sagen zu können. Viele Informationen gibt es nicht, außer dem, was sie auf Facebook posten. Auf Mails oder Anfragen haben sie nie reagiert. Zu ihren Affen pflegen sie eine sehr anthropomorphe Herangehensweise. Außerdem bin ich überrascht, dass sie Platz für neue Schimpansen haben. Die Tiere, die sie auf ihrer Website zeigen, sind seit Jahren dort. Gleichzeitig haben die meisten anderen Sanctuaries Wartelisten – für Schimpansen in weit schlechterem Zustand. Warum gehen diese Schimpansen nicht nach Wales, wenn dort Platz ist?” – Tom de Jongh, Vize-Koordinator des Europäischen Erhaltungszucht-Programms (EEP) für Westafrikanische Schimpansen im Burgers Zoo Arnheim

“Das WAMS beschäftigt kein ausgebildetes Fachpersonal. Im WAMS werden die Tiere von Volunteers (Freiwilligen) betreut, die sich oftmals nach ihrem Praktikum an Monkey World gewendet haben, mit der Bitte die Missstände im WAMS aufzudecken und zu beenden.” – Alison Cronin, Leiterin von Monkey World in Großbritannien

Dazu bemerkt der Zoo Krefeld, dass das WAMS auch nicht zur European Alliance of Rescue Centers and Sanctuaries (EARS), ein Zusammenschluss 19 europäischer Auffangzentren, die sich auf die Rehabilitation von Menschenaffen spezialisiert haben, gehört. Darüber hinaus erläutert der Zoo Krefeld mit Beleg: “Der Corona-bedingte Lockdown in Großbritannien führt auch hier zu enormen Einnahme-Verlusten, sodass sich das WAMS laut Wales online in einer kritischen finanziellen Lage befindet.”

Einblicke in das Sanctuary

 

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Das sind keine von uns gemachten Fotos, sondern authentische Aufnahmen von Besuchern des Sanctuarys, die als anscheinende Highlights mit dem entsprechenden Orts-Tag auf Instagram geteilt wurden. In den Kommentaren zu seinem oben verlinkten Beitrag zeigt der Krefelder Zoo auch weitere Bilder aus der Haltung, die eine ähnliche, fragwürdige Situation der Tiere offenlegen.

Lob des Great Ape Project keine Überraschung

Schimpansenmutter und -Baby essen Kapfeigen im Kibale National Park. | Foto: Alain Houle (Harvard University) , Lizenz: CC BY 4.0

Jetzt kann man sich fragen, warum das Great Ape Project (GAP) dieses Projekt trotzdem so lobt, wie der Zoo Krefeld es in seinem Beitrag auch authentisch wiedergibt. Dazu muss man auf der Webseite des Sanctuarys nicht lange suchen. Der “CEO” des deutschen Great Ape Projects findet sich im Advisory Board. Inwiefern die Mitglieder dieses Boards bezahlt werden, ist dabei nicht transparent auf der Webseite zu lesen wie auch die sonstige Mittelverwendung nicht sonderlich transparent dargelegt wird. Stattdessen nutzt man lieber Promis, um das Sanctuary zu bewerben. Inwiefern aber Menschen, die eher mit TV-Shows und Kammmolch-Lizenzen glänzen, einem Sanctuary Renommee geben sollen, bleibt derweil offen.

Was man auf der Webseite letztendlich sieht, ist eine private Affenhaltung, die aussieht wie Zoos vor etlichen Jahrzehnten, anscheinend hauptsächlich ungelernte Kräfte beschäftigt und den Tieren mehr als fragwürdige Haltungsbedingungen bietet. Wenn die britischen Behörden trotzdem den Betrieb erlauben, so ist das verwunderlich, aber eben auch kein Argument dafür, artenschutzrelevante Affen dort zu platzieren, die Teil eines Erhaltungszuchtprogramms sind. Bemerkenswert ist dabei aber auch, dass das GAP, sich so zu diesem Projekt bekennt, ist aus den Veröffentlichungen des Projektes doch durchaus eine ablehnende Haltung gegenüber der Haltung von Menschenaffen heraus zu lesen. Die Haltung des GAP zu Menschenaffen-Haltungen ändert sich aber offenbar, wenn man selbst damit verbunden ist.

Dass man für das Sanctuary nun Nachschub organisieren muss, ergibt sich schlicht daraus, dass man dort selbst gar nicht züchten will, wie man auf der Webseite betont: ein wahres Sanctuary habe kein Zuchtprogramm, heißt es dort in völliger Ignoranz dessen, dass bei vielen Tierarten, und besonders Menschenaffen, die Zucht eben auch zum Wohnbefinden der Tiere beiträgt. Mit dieser offensiven Tierakquise haben WAMS und GAP nun eine deutliche Bruchlandung hingelegt, wurde doch dadurch die mangelhafte Seriosität des Sanctuarys in den Scheinwerfer der Öffentlichkeit gestellt. Inwiefern sie hiernach in Deutschland nochmal so tun können, als sei diese Tierhaltung besser als ein Zoo, bleibt fraglich. Nun wissen erstmal sehr viele Menschen, dass dem nicht so ist.

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