Ganz schön helle! Raben sind sehr intelligente Tiere. | Foto: Copetersen, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Was macht den Menschen besonders? Studie gibt neue Antworten

Exklusiv für zoos.media – 04.11.2018. Autor: Philipp J. Kroiß

Der Unterschied zwischen Mensch und Tier ist häufig genug ein Zankapfel. Nun bringt eine neue Studie wieder mehr Licht ins Dunkle und erklärt Zusammenhänge.

Was macht den Menschen besonders? Studie gibt neue Antworten

Sind Menschen denn keine Tiere? Diese Frage hat zoos.media bereits zu Beginn des Projekts aufgeworfen:

Sind Menschen denn keine Tiere?

Natürlich sind Menschen Tiere. Gleichzeitig nehmen sie aber eine Sonderstellung ein. Im Unterschied zu allen anderen Tieren verfügt der Mensch über eine Sprache, und damit über die „Fähigkeit, Gedanken zum Gegenstand des Denkens zu machen“, wie es der Wissenschaftsautor Stephen Budiansky ausdrückt. Die Fähigkeit zur Selbstreflexion ermöglicht überhaupt erst eine Moral und Ethik, zu der inzwischen eben auch gehört, auch jenen Menschen Menschenrechte zuzugestehen, die diese Fähigkeit nicht oder nur eingeschränkt haben. Dies ist eine zivilisatorische Errungenschaft, das Ergebnis eines gesellschaftlichen Prozesses. Der entscheidende Unterschied zwischen Menschen und den übrigen Tieren ist also letztlich unsere Gesellschaft. Menschen haben ihre Ethik und Kultur untereinander ausgehandelt, haben ein Werte- und Rechtesystem entwickelt, wie es andere Tiere nie vermögen werden.

Neue Studie bringt Interessantes hervor

Haselmaus (Muscardinus avellanarius) auf einem Mittelmeer-Feuerdorn (Pyracantha coccinea) | Foto: Danielle Schwarz, Lizenz: CC BY-SA 1.0

Nun sind Moral, Ethik und Kultur recht abstrakte Begriffe, die mit einer enormen Denkleistung verbunden sind. Letzten Monat erschien eine Studie (Beaulieu-Laroche et al., 2018), die eine Erklärung dafür liefern könnte, warum wir etwas können, was kein anderes Tier zu Stande bringt. Menschliche Neuronen sind viel größer als die von Modellorganismen wie Mäusen und Ratten. Bisher war es aber unklar wie die Größe das nun wirklich beeinflusst. In der Studie zeigen Forscher nun, dass menschliche Neuronen, im Gegensatz zu anderen Tieren, stark unterteilte Signale verwenden.

Menschliche Dendriten verarbeiten elektrische Signale anders als Dendriten bei Nagetieren, den am häufigsten verwendeten Modellsystemen zur Untersuchung neuronaler Eigenschaften. Grundsätzlich seien Neuronen von Menschen wie die von Ratten, aber deutlich länger, erklärt Mark Harnett, einer der Forscher. Harnett vertritt die These, dass unsere längeren, größeren dendritischen Verzweigungen den menschlichen Neuronen und ihren jeweiligen Schaltkreisen verbesserte Rechenfähigkeiten verleihen: “Je länger die Zweige sind, desto unabhängiger sind die Einheiten. Innerhalb eines einzelnen Neurons hat man so viel mehr Einheiten, um etwas zu berechnen.”

Diese Arbeit könnte übrigens auch Patienten mit Epilepsie helfen. Wie genau, erklärt dieser Artikel.

Ist das der Unterschied, der es ausmacht?

Ob die längeren Neuronen mit diesen besonderen Eigenschaften nun den Menschen in der Tierwelt so herausragend macht, werden kommende Studien zeigen, aber man ist nun einen Schritt weiter, genau das herauszufinden. Solche Grundlagenforschung ist von enormer Wichtigkeit, um mehr über Menschen und andere Tiere herauszufinden. Ebenso gibt es Aufschlüsse zur Evolution und wie die Welt so geworden ist wie wir sie vorfinden.

Dass der Mensch eine Sonderstellung einnimmt, ist wissenschaftlich unbestritten. Zwar gibt es durchaus Tiere mit beeindruckenden kognitiven Fähigkeiten, wie etwa Rabenvögel, aber kein Tier reicht an die kognitiven Eigenschaften von Menschen in vergleichbarer Form heran. Sehr gut kann man das am Beispiel Sprache sehen: So kennen wir zwar bei verschiedenen Tieren bedeutungstragende Vokalisationen, aber eine Sprache in der Form wie der Mensch hat bisher keine Tierart entwickelt. Weitere, wesentliche kulturelle Errungenschaft hat bisher nur der Mensch hervorgebracht.

Tier-, Arten- und Naturschutz ist beispielsweise nur vom Menschen entwickelt worden. Der Löwe kümmert sich nicht um den Schutz von Antilopen. Das muss er auch gar nicht. Solche Entwicklungen entstehen evolutionsbiologisch immer auf Basis der jeweiligen ökologischen Nische. So können Delfine, kognitiv vergleichbar mit Hühnern, zum Beispiel weitaus besser Schwimmen als der Mensch, während der eben andere Stärken hat und der Löwe ist nochmal anders. Diese Unterschiede sind wichtig zu verstehen und sind übrigens auch der Grund, warum so etwas wie wissenschaftliche Forschung überhaupt existiert.

Dieser Forschung ist es zu verdanken, dass wir Tier-, Arten- und Naturschutz durchführen können. Moderne Zoos und Aquarien sind wichtige Zentren der Forschung, aber auch des Artenschutzes.