Ein junger Baka steht auf einem gefällten Stamm im Wald von Kamerun. | Foto: Michael von Graffenried, mvgphoto, Lizenz: CC BY-SA 4.0

WWF: Vergewaltigte Schwangere und brutale Folter

Exklusiv für zoos.media – 12.07.2019. Autor: Philipp J. Kroiß

Der Skandal um die Organisation WWF reißt nicht ab: Nun wurde bekannt, dass die interne Untersuchung sabotiert und Ermittungsergebnisse verheimlich wurden.

WWF: Vergewaltigte Schwangere und brutale Folter

Was an den deutschen Medien größtenteils vorbei geht, sind die Enthüllungen zum WWF und seiner Masche des grünen Imperialismus in zum Beispiel Afrika und Asien. Inzwischen hat sich die Investigativ-Abteilung von BuzzFeed dieser Thematik angenommen und der Druck erhöhte sich dadurch so, dass man sich bei der Naturschutzorganisation zum Handeln gezwungen sah. Das geschah aber erst durch den öffentlichen Druck, bekannt waren die Menschenrechtsverstöße dem WWF anscheinend aber schon lange. Wichtig schien der Organisationen das Schicksal der Menschen aber erst zu sein, als man wohl die Organisation in Gefahr sah. Ärgerlich ist, dass diese Ignoranz in der Führungsschicht die gute Arbeit einiger regionaler Verbände, die es mit dem Naturschutz durchaus ernst meinen und etwa mit Zoos und Aquarien kooperieren, torpediert.

Brutale Missachtung von Menschenrechten

Baka-Dorf im Wildreservat Dja | Foto: Earwig: Lizenz: “jede Form der Nutzung, unter der Bedingung”

Nach außen drang von den angekündigten internen Untersuchungen bisher nichts und man wollte sie sogar vertuschen,wie BuzzFeed nun berichtet, die einen internen Report leakten. Der hatte nämlich hervorgebracht, dass von Wildhütern, die Natur- und Tierfreunde durch ihre Spenden letztlich finanzieren, schwangere Frauen vergewaltigt haben und auch sexualisierte Folter an Männern durchführen – ein massiver, ekelhafter und brutaler Verstoß gegen die Menschenrechte. Im Salonga National Park, der Park solle “ein Leuchtturm im Herzen Zentralafrikas werden, wo Entwicklung und Naturschutz Hand in Hand gehen”, gab es zum Beispiel Gruppenvergewaltigungen von Frauen, die friedlich gefischt hatten. Zwei der Frauen waren schwanger und eine davon erlitt später eine Fehlgeburt.

The draft report also found evidence that rangers from the park — which is funded by the US and German governments — had killed one villager and tortured others by tying their penises with fishing lines.” – BuzzFeed-Investigativrecherche

[Deutsche Übersetzung: Der Berichtsentwurf fand auch Hinweise darauf, dass Ranger aus dem Park, der von der US-Regierung und der deutschen Regierung finanziert wird, einen Dorfbewohner getötet und andere gefoltert hatten, indem sie ihre Penisse mit Angelschnüren festgebunden hatten.]

Das zeigt, dass dies auch Deutschland betrifft und nicht nur die Individualspender, sondern eben auch Steuergelder, die für die Finanzierung solcher Machenschaften verantwortlich sind. Zwei Experten der Untersuchung berichteten BuzzFeed zudem, dass weitere Recherchen aktiv verhindert worden wären. Die Dunkelziffer ist also weit höher. Ein weiterer Ermittler war von den Rangern mit den Tode bedroht worden, nachdem er vor Ort ermitteln wollte. Soviel dann also zur “unabhängigen Untersuchung”, die der WWF angeblich wollte. Der vertriebene Ermittler nannte das eine “parody of justice” und trifft damit voll in Schwarze.

In den USA wird darauf auch reagiert: “The United States cannot and must not be a party to violations of basic human rights”, zitiert BuzzFeed zuständige politische Vertreter mit diesem klaren Bekenntnis, dass die Vereinigten Staaten niemals Teil solcher Verbrechen gegen die Menschenreche sein wollten und dürften. Solche klaren Worte wünscht man sich durchaus auch aus Deutschland, doch sie kommen nicht. Die Sache wir von Medien und Politik vielmehr totgeschwiegen und wenn kommen sehr zögerliche und zurückhaltende Veröffentlichungen.

Verwicklung von Deutschland

Waldelefantenkuh mit Kalb im Mbeli River (Nouabalé-Ndoki National Park, Kongo) | Foto: Thomas Breuer, Lizenz: CC BY 2.5

Auch Deutschland kommt in der Investigativ-Recherche von BuzzFeed vermehrt vor:

“A draft of the report was provided to the NGO that first raised the alarm about abuses and the park’s German government funders — but documents seen by BuzzFeed News show the WWF asked them to treat all details of the investigation and its findings in a “non-public fashion”. […] Back in Europe, WWF had promised to share its findings with both the Rainforest Foundation, which provided the WWF with evidence of abuses in Salonga last summer, and the German government’s development bank, which funds Salonga through its development bank. But by March, the deadline for WWF to share the investigators’ report had passed. Asked where the report was, a WWF official told both the Rainforest Foundation and the German government that the charity had been advised not to share it with them because it would be used in their own independent review, emails seen by BuzzFeed News show. […] The German government’s development bank confirmed it also received a copy of the draft report, which it was handling “on a strictly confidential basis” and said it will “draw any necessary conclusions” once the “findings of the further independent investigations initiated by the WWF are available.”” – BuzzFeed-Investigativrecherche

[Deutsche Übersetzung: Der NGO wurde ein Berichtsentwurf zur Verfügung gestellt, der zuerst die Besorgnis über Missbräuche und die deutschen staatlichen Geldgeber des Parks auslöste. Die von BuzzFeed News eingesehenen Dokumente zeigen jedoch, dass der WWF sie aufforderte, alle Einzelheiten der Untersuchung und ihre Ergebnisse in einer “nicht-offiziellen Form” zu behandeln. […] Zurück in Europa hatte der WWF versprochen, seine Erkenntnisse sowohl der Rainforest Foundation, die dem WWF im vergangenen Sommer Hinweise auf Missbräuche in Salonga lieferte, als auch der Entwicklungsbank der deutschen Bundesregierung, die Salonga über ihre Entwicklungsbank finanziert, mitzuteilen. Bis März war die Frist für den WWF abgelaufen, um den Bericht der Ermittler zu veröffentlichen. Auf die Frage, wo sich der Bericht befände, teilte ein WWF-Funktionär sowohl der Rainforest Foundation als auch der deutschen Bundesregierung mit, dass der Wohltätigkeitsorganisation geraten worden sei, ihn nicht mit ihnen zu teilen, da er für ihre eigene unabhängige Überprüfung verwendet würde, wie eingesehene E-Mails von BuzzFeed News zeigen. […] Die Entwicklungsbank der deutschen Bundesregierung bestätigte, dass sie auch eine Kopie des Berichtsentwurfs erhalten habe, den sie “streng vertraulich behandelt” habe und sagte, sie werde “alle notwendigen Schlussfolgerungen ziehen”, sobald die “Feststellungen der weiteren unabhängigen Untersuchungen des WWF vorlägen”.]

Schuppentier in Menschenhand | Foto: Alfred Weidinger, Lizenz: CC BY 2.0

Sonderlich transparent geht man also in Deutschland nicht damit um, dass durch den Staat jahrelange menschenverachtende und menschenrechtsverletzende Aktionen von Wildhütern mitfinanziert wurde – und zwar doppelt: einmal durch die Steuervergünstigungen für den WWF und zum zweiten auch durch eigenes Engagement, was ja letztendlich alles von der deutschen Bevölkerung finanziert wird, die je sehr wohl ein Anrecht auf lückenlose, öffentliche und transparente Aufklärung des Sachverhaltes hat. Man lässt dem WWF seine Intransparenz durchgehen und hilft letztlich sogar noch mit, dies weiter zu vertuschen.

Der Ermittler Willy Elua, dessen Arbeit durch die Ranger unmöglich gemacht worden war, erklärte BuzzFeed: “All dies lässt uns glauben, dass der WWF nicht den Willen hat, dies zu veröffentlichen, und tatsächlich die Situation vertuschen möchte.” Statt Transparenz zu zeigen kündigte der WWF gegenüber BuzzFeed an, noch eine angeblich unabhängige Untersuchung anzustreben. Langsam stellt sich die Frage wie lange man der Organisation solche Lippenbekenntnisse durchgehen lassen will? Sollen jetzt so lange “unabhängige Untersuchungen” gemacht werden bis der Organisation das Ergebnis irgendwann mal in den Kram passt? Wie lange schaut die deutsche Regierung noch weg und stellt sich dem Problem nicht?

Fragwürdige Mediale Rezeption

Bonobo im Zoo. | Foto: Psych USD, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Dieser Skandal zeigt auch die Macht der NGOs in Deutschland und dass so etwas vertuscht werden kann, denn hierzulande herrscht ja quasi “business as usual”. Das liegt aber auch an einem unkritischen Umgang der deutschen Leitmedien mit NGOs, deren Pressemitteilungen sie meist nur reproduzieren, solange sie in das Bild einer vermehrt politisch links-grün orientierten Mehrheit in den Redaktionen passt – Springer-CEO Döpfer erklärte dieses Problem zuletzt in einem Interview:

Das ist kein Klischee, es ist durch Umfragen und Forschung belegt. Zum Beispiel zitiert Professor Hans Mathias Kepplinger, einer der bekanntesten deutschen Kommunikationsforscher, in einem Medienseminar der Bundeszentrale für politische Bildung eine Statistik, nach der die Parteipräferenzen deutscher Journalisten zu 36 Prozent bei den Grünen und zu 25 Prozent bei der SPD, aber nur zu 11 Prozent bei der CDU/CSU und nur zu 6 Prozent bei der FDP liegen. 23 Prozent entfallen auf «Sonstige» oder «ohne Parteineigung». Mehrere Studien zeichnen ein ähnliches Bild: Deutsche Journalisten fühlen sich weit überwiegend linken Parteien nah, während die Verteilung unter den Bürgern – also Lesern – anders aussieht. Wenn Medien politische Positionen der Bevölkerung so verzerrt repräsentieren, führt das auf die Dauer zu einer Entkoppelung.

Solche Meldungen, wie etwa die von BuzzFeed, haben deshalb nicht wirklich Chancen, in die Leitmedien zu kommen. Klickt man sich durch Google News für den WWF, ist es auch einzig BuzzFeed Deutschland, die sich dem Thema annehmen. Gleichzeitig erleben wir, dass große Medienhäuser lieber eine Pressemitteilung zum Thema Haie und Rochen nahezu wie bei einer Hofberichterstattung veröffentlichen. Alleine neun Meldungen gibt es dazu auf Google News zu finden, zu den Menschenrechtsverstößen nur eine. Man bezieht sich bei der “Hofberichterstattung” auf einen WWF-Bericht, ob man aber vor dem Hintergrund der BuzzFeed-Recherchen mit Berichten vom WWF so leichtfertig umgehen kann, darf man durchaus mal in Zweifel stellen – dass die nicht unbedingt ehrlich sind, war ja aber auch schon vor dem Skandal klar. Einen WWF, der gerne alles mögliche fordert, aber selbst nichts bringt, wenn es mal um saubere Aufklärung der eigenen mitverschuldeten Menschenrechtsverstöße geht, kann man eben auch mal kritisieren und man muss es vielleicht sogar. In anderen Ländern gibt es darüber große Dokumentationen, die Erschreckendes zu Tage fördern und zeigen, was Journalismus bewegen kann. Beispiel das Nachbarland Niederlande:

Ein Wolf in seinem Gehege im Innsbrucker Zoo. Quelle: pilot_micha/Flickr CC BY-NC 2.0

Der niederländische Experte macht einen interessanten Vergleich: Wenn nun die Menschen aus Tansania in die Niederlande kämen, wo es kaum Wölfe gibt, und plötzlich Zäune zögen, um diese wenigen Tiere zu schützen, und Menschen, die in diesen Gebieten lebten, einfach enteignen und brutal vertreiben würden, wäre das ungefähr das selbe, was den Eingeborenen in zum Beispiel Afrika und Asien geschieht. Dann wird dieses Land, das eigentlich anderen gehört, auch noch geschäftlich genutzt, denn nun muss man Eintritt zahlen, um als Tourist dieses Stück Land betreten zu können. Das gleiche könnte man auf Deutschland übertragen – wie würden wir reagieren? Wie würden so ein Vorgehen nennen? Im Fall, den der Film beschreibt, wurden Menschen enteignet, die zu den Ärmsten dieser Welt gehören. Ihre Rechte waren für den WWF wohl weniger wert als Platz für die Tiere – so ein Vorgehen trägt natürlich auch Spuren von Rassismus, wenn man die lokale Bevölkerung so minderwertig einstuft. Ebenso wirft die Reportage einen Blick auf die fragwürdige Geburtenkontrolle durch den WWF in der dritten Welt.

Man muss nun sehen wie lange der WWF das große Schweigen in der deutschen Öffentlichkeit aufrecht erhalten kann. Das Ungeschickte ist nur, dass die Organisation dadurch ihre Probleme noch verschlimmert und natürlich die wichtige Arbeit verschiedener wirklich engagierter Naturschützer innerhalb des WWF mit Füßen treten. Letztendlich schadet sich der WWF durch diese Heimlichtuerei also sich selbst und gleichzeitig ist es ein Bärendienst an ihren angeblichen und ja durchaus positiv zu sehenden Ziele. Der Zweck heiligt aber eben nicht die Mittel und dass Naturschutz auch mit der lokalen Bevölkerung gemeinsam geht, beweisen viele andere Organisationen, die keinen grünen Imperialismus brauchen, um wirklich etwas für die Natur zu erreichen.

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