Elefanten im Erlebnis-Zoo Hannover (2010) | Foto: Ukko.de, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Elefanten in Hannover: So soll PETA manipuliert haben

Exklusiv für zoos.media – 28.08.2017. Autor: Philipp J. Kroiß

Die Analyse Medienwissenschaftlerin Annika Schach von der Hochschule Hannover weist Manipulationen des Video-Materials seitens PETA nach. Das wirft allerdings auch Fragen bezüglich der Arbeitsweise des ARD-Politikmagazins Report Mainz (SWR) auf.

Elefanten in Hannover: So soll PETA manipuliert haben

Die Medienwissenschaftlerin Annika Schach von der Hochschule Hannover hat das Video in einem 58-seitigen Gutachten analysiert. Die Neue Presse berichtet dazu:

Dabei sei sie zu dem Schluss gekommen, dass ein unvoreingenommenes Wahrnehmen gar nicht möglich sei, der Zuschauer also durch die Macht der Bilder manipuliert werden sollte. Die Methoden dazu seien unter anderem Farbveränderungen und so genannte Jump-Cuts, kaum wahrnehmbare Aneinanderreihungen unterschiedlicher Szenen. Und durch Konvertierung der Aufnahmen von 30 auf 25 Bilder pro Sekunde seien Bewegungsabläufe beschleunigt worden. Hinzu kamen Texteinblendungen mit dominierender Appellfunktion und einer skandalisierenden Wortwahl.

Wir hatten bereits in unseren Artikel noch vor dem offiziellen Erscheinen des Videos erwähnt, dass diese Geschwindigkeitsmanipulation ein typisches Stilmittel ist: „Viele Leute denken, der Elefantenhaken sei ein Folterinstrument und wenn man ein wenig an der Geschwindigkeit eines Videos dreht, sieht das sanfte Führen schnell aus wie ein Schlag oder Stich. Das hat man schon gefühlte tausendmal gesehen, dass Videos so manipuliert worden sind.“ Dass PETA dies nun tatsächlich nachgewiesenermaßen einsetzte entspricht dem Klischee der unseriösen Tierrechtsorganisation.

Report Mainz erscheint nun fragwürdig und tendenziös

Unter unserem Post zur Entscheidung der Staatsanwaltschaft meldete sich auch Report Mainz, die die Aufnahmen von PETA verbreitet hatten, zu Wort:

Kommentar des Report Mainz unter unserem Beitrag https://www.facebook.com/zoosmedia/posts/480421759001104 | Stand: 27.08.2017

An uns und die kommentierenden Follower schrieb der Vertreter der SWR-Sendung:

„Uns ist durchaus bewusst, dass man zur Organisation Peta unterschiedliche Auffassungen haben kann. Deshalb lassen wir Material immer unabhängig von Experten begutachten und einschätzen – das gilt übrigens für jede Quelle, deren Material wir verwenden. Entscheidend ist dabei für uns, ob das Material authentisch ist und einen Missstand dokumentiert.“

Um welche Experten es sich bei Report Mainz handelte, ist fraglich. Die Ergebnisse der ausgewiesenen Expertin Annika Schach widersprechen dieser Einschätzung der dadurch ziemlich fragwürdig erscheinenden Experten von dem ARD-Politikmagazin des Südwestrundfunks (SWR) Report Mainz.
Aber es geht noch weiter. In einem anschließenden Kommentar lehnt man sich sogar noch weiter für die Authentizität des Materials aus dem Fenster:

Kommentar des Report Mainz unter unserem Beitrag https://www.facebook.com/zoosmedia/posts/480421759001104 | Stand: 27.08.2017

„[W]ir prüfen immer, ob das Material, das uns übergeben wurde authentisch ist. Dazu gehört auch, dass wir den Betroffenen, in diesem Fall dem Zoo Hannover die Möglichkeit geben das Material anzusehen und dazu Stellung zu nehmen. Der zoologische Leiter und auch der Geschäftsführer konnten sich vor dem Interview längere Ausschnitte des Materials in Ruhe ansehen. Alle relevanten Szenen wurden den beiden Herren vorgespielt. Der Zoo hat zu keinem Zeitpunkt gegenüber Report Mainz dementiert, dass die Aufnahmen von seiner Anlage stammen. Das Material wurde nicht manipuliert. Es wurde auch nicht beschleunigt.“

Laut der Medienwissenschaftlerin ist aber genau das Gegenteil passiert: es wurde beschleunigt. Der Report Mainz gerät nun in Erklärungsnot, da er wieder tendenziös über Anschuldigungen von PETA – und zwar zu Gunsten der radikalen Tierrechtsorganisation.
Das Autorenduo Edgar Verheyen und Monika Anthes berichtet oft über PETA-Themen und stellt die Position der extremistischen Tierrechtler als Wahrheit dar. Wie im Fall von Hannover wird, durch die Form der Berichterstattung und eine Pseudo-Ausgewogenheit, meist einer Vorverurteilung des Opfers des PETA-Populismus begünstigt. Frank Schroedter, Wiesenhof-Sprecher und Vorstand der Agentur Engel & Zimmermann dem prmagazin, dem Magazin der Kommunikationsbranche: „[W]ir [konnten] uns ausmalen, dass die Journalisten Edgar Verheyen und Monika Anthes nur ihre These durchbringen wollten. Verheyen ist eng verbunden mit den radikalen Tierrechtlern von Peta […] Es wird halt so lange gefragt, bis man die passenden Halbsätze im Kasten hat.“

Für das ARD-Politikmagazin des Südwestrundfunks (SWR) geht es somit auch um ihre Glaubwürdigkeit. Um die ist es allerdings nach Analyse und ihrem öffentlichen Leugnen der seriösen Ergebnisse nicht gerade gut steht. Anders als der Erlebnis-Zoo Hannover, der auch selbstkritisch mit den Vorwürfen umging, sieht man bei PETA und Report Mainz keine solche Selbstkritik, sondern stattdessen die Leugnung einer seriösen und unabhängigen Prüfung des Materials. Es fällt demgegenüber schwer, Report Mainz als unabhängig wahrzunehmen.