„Daholo“ liebt es, es sich in seiner Hängematte bequem zu machen. © Foto: Zoo de Mulhouse Michel Foos
„Daholo“ liebt es, es sich in seiner Hängematte bequem zu machen.

Einzigartig in Deutschland: Zoo Heidelberg zeigt Sifakas

Exklusiv für zoos.media – 03.12.2017. Autor: Philipp J. Kroiß

In Deutschland ist die Haltung von Sifakas einzigartig und der Zoo Heidelberg gehört zu einem der wenigen ausgewählten Zoos, die diese Lemuren zeigen dürfen.

Einzigartig in Deutschland: Zoo Heidelberg zeigt Sifakas

Daholo heißt er und ist der einzige seiner Art in Deutschland. Im Heidelberger Affenhaus gewöhnt er sich gerade an das neue, extra für ihn umgestaltete, Domizil. In Europa sind überhaupt nur wenige Zoos für die Haltung von Sifakas zugelassen und können am EEP teilnehmen. Das sind die Zoos in Besançon, Paris, Apeldoorn, Burford, Belfast, Mulhouse und nun auch der Zoo in Heidelberg.

Bedrohter Lemur

Kronensifaka in Apeldoorn | Foto: Michelle Bender, Lizenz: CC BY-SA 2.0

Kronensifakas (Propithecus coronatus) gehören zu der Familie der Indriartigen innerhalb der Teilordnung der Lemuren. Ursprünglich waren sie mal als Unterart klassifiziert worden, aber genetische Analysen bestätigten sie als eigene Art. Sie ist in den Mangroven und trockene Laub- und Auwälder im Nordwesten der Insel Madagaskar beheimatet.

Die tagaktiven Baumbewohner, die in Gruppen von zwei bis acht Tieren leben, bewegen sich senkrecht kletternd und springend von Ast zu Ast fort. Sie bewohnen in der Wildbahn ein verhältnismäßig kleines Areal. 30-40% des Tages nimmt die Nahrungssuche in Anspruch und sonst beschäftigen sie sich gerne miteinander, ruhen oder genießen die Sonne.

Die Zerstörung der Lebensräume, die Fragmentierung von Wäldern, die Brandrodung für die Landwirtschaft, der illegalen Haustier-Handel und die illegale Jagd sind große Bedrohungen für die wilden Artgenossen von Daholo. Diese Einflussnahme durch rücksichtslose Menschen hat dafür gesorgt, dass sich die Population in den letzten 30 Jahre halbiert hat – eine wahrlich alarmierende Entwicklung, die den Aufbau einer Zuchtpopulation in Menschenobhut zweifelsohne notwendig macht.

Entspannter Zeitgenosse

„Daholo“ liebt es, es sich in seiner Hängematte bequem zu machen.
„Daholo“ liebt es, es sich in seiner Hängematte bequem zu machen. © Foto: Zoo de Mulhouse Michel Foos

Daholo wurde 2009 in Apenheul geboren und lebte seit 2015 in Frankreich. Aktuell leben 20 Kronensifakas in Zoos, die allerdings mit neun Sifakas in einem Freilandgebiet als gemeinsame Zuchtgruppe betreut werden – eine Besonderheit des Sifaka Conservation-Projekts, an dem der Zoo Heidelberg teilnimmt. Trotz seiner Vorliebe für Hängematten und dem so offenbar entspannten Gemüt, wurden vom Zoo Heidelberg aber keine Kosten uns Mühen für seinen Transport gescheut:

„Sein Umzug in den Zoo Heidelberg wurde intensiv vorbereitet. Eine Tierpflegerin aus Heidelberg reiste für ein mehrtägiges Training in den Zoo nach Apeldoorn, um die anspruchsvolle Haltung der Sifakas kennenzulernen und sich in die Methodik einzuarbeiten. Auch die Kuratorin des Zoo Heidelbergs, Sandra Reichler besuchte schon einige Woche vor der geplanten Ankunft des Tieres den Zoo Mulhouse. Sie informierte sich über die besonderen Eigenarten des Tieres, seine bisherige Haltung und seine individuellen Nahrungsgewohnheiten. Da ein Hauptteil seiner Nahrung aus frischen Blättern besteht, galt es bereits im Sommer das saftige Grün der Blätter zu konservieren. Um dem Neuzugang die bevorzugte Nahrung auch im Winter frisch anbieten zu können, wurden eigens für den Sifaka bereits kiloweise Blätter geerntet und eingefroren. Ebenso wurde ein Innenbereich im Affenhaus für den Neuzugang vorbereitet. Nach den ersten Tagen, während derer sich „Daholo“ zunächst noch hinter den Kulissen an die neuen Zootierpfleger und das neue Terrain gewöhnen wird, wird er in dem Innengehege zu sehen sein. Direkt angrenzend befindet sich dort das Gehege seiner künftigen Mitbewohner, die Kattas. „Daholo“ lebte bereits mit anderen Lemuren zusammen und wird später mit den beiden Kattas auch das neugebaute Außengehege, das aktuell errichtet wird, bewohnen.“ – Zoo Heidelberg (Pressemitteilung)

Wichtes Artenschutz-Projekt

Kronensifaka im Cotswold Wildlife Park, Broadwell, Oxfordshire
Kronensifaka im Cotswold Wildlife Park, Broadwell, Oxfordshire | Foto: John5199, Lizenz: CC BY 2.0

Wie viele der auf Madagaskar endemischen Tierarten stehen auch die Sifakas auf der Liste der bedrohten Tierarten der IUCN. Somit ist klar, dass die Arbeit des Zoo Heidelbergs und der anderen Unterstützer des Projekts von enormer Wichtigkeit ist. Durch eine Zuchtgruppe, die gleichzeitig in so genanntem Freilandgebiet und in Menschenobhut ist, soll die genetische Diversität der Art erhalten bleiben und verhindert werden, dass Madagaskar die sympathische Lemurenart für immer verliert.

Teil dieser wichtigen Aufgabe zu sein, ist nicht nur eine Ehre für den Zoo Heidelberg, sondern bezeugt auch die Expertise in der Haltung von Primaten und Lemuren des Zoos, weswegen er für diese Wahl in Betracht kam. So zeigt der Zoo einen wichtigen Botschafter seiner Art, die nicht gerade sehr bekannt ist, aber sehr spannend ist und unbedingt erhalten bleiben muss.