Männlicher Walhai in der Installation Ocean Voyager des Georgia Aquarium, Atlanta, GA | Foto: Zac Wolf, Lizenz: CC BY-SA 2.5

Zoos & Aquarien: Meeresverschmutzung bleibt großes Thema

Exklusiv für zoos.media – 07.03.2018. Autor: Philipp J. Kroiß

Moderne Zoos und Aquarien arbeiten daran, dem bedrohten und bedrohlichen Lebensraum Meer zu helfen und seinen Artenreichtum zu bewahren.

Meeresverschmutzung bleibt großes Thema – auch in Zoos & Aquarien

Rund 71% der Erdoberfläche ist von Meeren bedeckt und diese Meere werden immer schmutziger. Selten hat ein Video dies so vor Augen geführt wie dieses Video:

Viel zu selten sieht man solche ungefilterten Aufnahmen, denn es ist wichtig, die Umweltverschmutzung den Menschen vor Augen zu führen. Der Zoo Duisburg hatte in den vergangenen Sommerferien eine eindrückliche Aktion, um die Verschmutzung für die Besucher erlebbar zu machen.

Viel beschworene “Freiheit” hat lebensbedrohliche Probleme

Becken mit Seetang im Birch Aquarium | Foto: Scrippsnews at English Wikipedia, Lizenz: public domain

Im Zoo sieht man häufig ein Ausschnitt eines Habitats im Idealbild und das ist richtig und wichtig. Die Besucher müssen erfahren wie das Meer und seine verschiedenen Lebensräume aussehen, aber auch gleichzeitig informiert werden wie verdreckt das Meer für die wilden Artgenossen diese Tiere ist. Dazu gibt es dann Informationsgelegenheiten vielfältiger Art – das ist auch wichtig, weil man eine große Gefahr bei der Meeresverschmutzung praktisch kaum bemerkt: Mikorplastik. In den Videos oben sieht man sehr gut die offensichtliche Verunreinigung, aber gerade im Lebensraum Wasser ist manchmal das quasi Unsichtbare fast noch tückischer. Auch hier kann man sich in modernen Zoos entsprechend informieren.

So dämmert es den interessierten Besuchern schnell, warum die Arbeit der Zoos zur Erhaltung des Lebensraum Meer so wichtig ist. So hat der Aquazoo extra eine besondere Ausstellung, die sich diesem besonderen Problem widmet. Hier werden dann noch nur die Probleme verständlich erklärt, sondern auch Lösungsanregungen gegeben wie jeder einzelne die Situation der Meere verbessern kann.

Ein Southern Resident Orca des L-Pod jagt einem Lachs nach. | Foto: Kevin Nichols, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Zoogegner stilisieren, besonders für Meerestiere, mit schönfärberischen Worten das “offene Meer”, die “freie See” und anderen blümeranten Begriffen das Meer als paradiesischen Lebensraum hoch, der es leider nicht mehr ist. Delfine, Haie und Rochen wären ja dort viel besser aufgehoben: in Freiheit.

Angesehen davon, dass Freiheit kein Bedürfnis von Tieren ist und sie es, auf Stand der aktuellen Wissenschaft, diesen Zustand auch nicht theoretisieren, ist die Lebenswirklichkeit der Tiere weit entfernt von lebensfreundlicher Freiheit. Die Southern Resident Schwertwale werden jeden Tag mehr und mehr vergiftet und ist die stärkste kontaminierte Meeressäugerpopulation der Welt. Am Ende der Nahrungskette sind sie die größten Opfer der Kontamination, die sie nicht nur über das Wasser, sondern auch konzentriert über ihre ohnehin schon raren Beutetiere aufnehmen. Der einzige Lebensraum, den die Population hat, und die einzige Nahrungsquelle auf die sie spezialisiert ist, wird mit jedem Tag mehr vergiftet. Das ist nicht die Definition von Freiheit. Überall auf der Welt, werden Lebensräume vernichtet – das sieht man so idyllischen Bildern wie dem hier nicht an. Man sieht eine schöne Jagd-Aufnahme eines Orcas – das dieses Tier vergiftet ist und gerade mit der Nahrung auch die nächste Dosis Gift jagt, bleibt dem Auge verborgen, ist aber die harte Realität.

Angebliche Zoo-Alternative Ökotourismus wird zum Problem

Für ihn sind Korallen lebenswichtig: Barriereriff-Anemonenfisch (Amphiprion akindynos) – Pixie Garden, Ribbon Reefs, Great Barrier Reef, 2005. | Foto: Richard Ling (www.rling.com), Lizenz: CC BY-SA 2.0

Die Idee, dass Ökotourismus nun das Heilmittel sein soll, ist trügerisch. Zoogegner wollen die Zoos schließen und doch lieber zum Ökotourismus ermutigen. Die Rechnung dafür aber zahlen die Populationen und die Lebensräume, in denen sie wohlen.

So wird oft Whale Watching als Alternative zu Delfinarien genannt, dass dies für die Tiere schädlich sein kann, weil die Anbieter nicht nur Vorgaben nicht einhalten, sondern diese selbst auch nicht hoch genug sind und deshalb Whale Watching mehr schadet als nützt, ist hinlänglich bekannt. Das wird aber gerne ignoriert, weil es zahlreiche Beispiel für Kooperationen zwischen Whale Watching Unternehmen und der Tierrechtsindustrie gibt.

Aber man soll ja, wenn es nach den Tierrechtlern geht, auch nicht ins Aquarium gehen, sondern doch lieber tauchen – etwa am Great Barrier Reef. Auch hier wird ignoriert, dass diese Tauchvergnügungsfahrten, dem Riff sogar ganz deutlich schaden. So wird nicht nur das ohnehin labile Ökosystem gestört, sondern es gibt auch eine weitere, meist unbekannte, weil unsichtbare Gefahr: die Sonnencreme der Touristen im Wasser. Die ist nämlich meistens nicht korallenfreundlich und bleicht so eben diese Korallen. Die Idee mit dem Ökotourismus gegen die Korallenbleiche vorzugehen, hat sich so drastisch ins Gegenteil verkehrt.

Nah am Tier und nah am Naturschutz

Georgia Aquarium: Besucher gehen auf Tuchfühlung mit Rochen und Haien | Foto: David Iliff, Lizenz: CC-BY-SA 3.0

In Zoos kommen die Leute den Tieren trotzdem nahe, aber ohne ihnen oder dem Ökosystem zu schaden – die Forschung legt sogar nahe, dass Kuhnasenrochen in Menschenobhut solche Interaktionen genießen. Zudem lernen die Besucher dort auch etwas über das Ökosystem und werden zum Schutz dessen motiviert. Hinzu kommt, dass in und/oder mit Zoos wichtige Forschung erst möglich wird, die dann schließlich zu besserem Tier-, Arten- und Naturschutz führt. Im Zoo ist man also nah am Tier und nah am Artenschutz.

Edukative Präsentationen oder Show runden das Erlebnis der Besucher noch ab und bieten eine weiter Informations- und Motivatiosquelle bezüglich der Biologie und des Schutzes der Tiere. Wale stoßen beim Training Glückshormone aus und genießen die Interaktion mit den Trainern sehr. Sie sind wichtige Botschafter ihrer wilden Artgenossen, die leider in keinem Paradies leben, sondern in einem, durch die Handlungen bestimmter Menschen, immer lebensfeindlicher werdenden Ökosystems.

Moderne Zoos wollen Lösungen finden, um dem Lebensraum Meer und seinen Bewohnern zu helfen und es ist wichtig, dass die Besucher sie dabei unterstützen und eben nicht auf jede Zoogegner der Tierrechtsindustrie, die, statt wirklich zu helfen, nur mehr mehr Probleme schaffen wollen, reinfallen.