Tigeriltis im Zoo Magdeburg - die Art ist durch Umwandlung ihres Lebensraums in landwirtschaftlich genutzte Gebiete bedroht. | Foto: Volker Röhl, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Jamaika-Sondierung: Parteien sollen sich zu Zoos bekennen

Exklusiv für zoos.media – 28.10.2017. Autor: Philipp J. Kroiß

CDU/CSU, die FDP und Grüne sollen sich zu Zoos bekennen, findet Volker Homes, Geschäftsführer des Verbandes der Zoologischen Gärten (VdZ) und erklärt wieso.

Jamaika-Sondierung: Parteien sollen sich zu Zoos bekennen

„40 Millionen Menschen haben im vergangenen Jahr einen unserer Mitgliedzoos besucht“, sagt Volker Homes, Geschäftsführer des Verbandes der Zoologischen Gärten (VdZ). „Unsere Zoos müssen deswegen auf bundespolitischer Ebene als wirtschaftlich und gesellschaftlich relevante Standortfaktoren und als besucherstarke Bildungsorte und Artenschutzzentren anerkannt und entsprechend gefördert werden. Wir fordern deshalb die CDU/CSU, die FDP und die Grünen auf, ein Signal in diese Richtung zu senden – es gibt viele gute Gründe für die 40 Millionen Besuche.“

Delfine springen bei der edukativen Vorstellung im Zoo Duisburg vor vollen Rängen. | Foto: zoos.media

Diese Forderung geht in Richtung der Berliner Bundestagsfraktionen, die gerade um eine Koalition ringen, die man gemeinhin als Jamaika-Koalition oder Schwampel bezeichnet. CDU/CSU, FDP und Grüne wollen da auf einen gemeinsamen Nenner kommen. Aber auch schon am Thema Zoo scheiden sich die Geister: Während Schwarz-Gelb sich zoofreundlich zeigt, sind die Grünen in der Mehrheit alles andere als zoofreundlich. Bei den Grünen vertraut und verbreitet man Populismus aus Tierrechtskreisen, der sich gegen Zoos richtet. Die FDP hingegen stellte sich mit aller Deutlichkeit gegen Haltungsverbote, die sie als freie Demokraten ablehnten.

„Wir gehen davon aus, dass sich diese Wertschätzung unserer Bildungs- und Artenschutzarbeit auch in der politischen Arbeit der nächsten Monate und Jahre bemerkbar macht“, sagt Geschäftsführer Volker Homes zu den Wahlprüfsteinen des Verbandes, die im Vorfeld der Wahl veröffentlicht wurden. Dabei hatte sich die SPD unerwartet den Zoos gegenüber unfreundlich gezeigt.

Der VdZ erklärt in seiner Pressemitteilung: „Die insgesamt 71 Mitglieder im VdZ generieren jährlich fast 300 Millionen Euro Umsatz und stellen rund 6.000 Arbeitsplätze sicher. Jährlich investieren sie etwa 110 Millionen Euro in höheres Tierwohl, weil sie Tieranlangen umbauen und weiterentwickeln. Mehr als 13.000 Unternehmen profitieren von den Aufträgen der VdZ-Mitglieder. In vielen Regionen stellen die VdZ-Zoos die meistbesuchte Freizeiteinrichtung dar und spielen somit für den Tourismus eine wesentliche Rolle.“

Zoos sind wichtig für Mensch und Tier

Annemonenfisch im Aquazoo (2013) | Foto: zoos.media

Ein moderner Zoo ist nicht nur die Stütze einer gesamten Region, sondern entfaltet weltweit Bedeutung als wichtiger Partner in Artenschutz, Forschung und Edukation für viele Projekte. Dazu muss die Politik diese Zoos aber auch unterstützen, denn akkreditierte Zoos haben das Tierwohl als Priorität und erfüllen sogar freiwillig höhere Standards als die vorgeschriebenen. Sieht man bei den subventionierten Zoos das Verhältnis von Subventionen zu Besucherzahlen, ist die Höhe der Subventionen häufig enorm gering, wenn man es mit anderen Sparten der Kulturlandschaft vergleicht. Hier ist auch die Politik gefragt, diese Kulturorte mit genug Geld zu versorgen, um auch große Schritte gehen zu können, so wie man es ja in anderen Sparten auch tut.

Spektakuläre Installationen, wie etwa große Aquarien, locken viele Menschen aus nah und fern in Zoos, was nicht nur der Region auf vielen Ebenen wirtschaftlich gut tut, sondern sie auch vor allem kulturell bereichert. Eine Gesellschaft, die sich immer mehr von der Natur entfremdet, braucht moderne Zoologische Einrichtungen, die artgemäßer Weise Tiere zeigen und hier darf die Politik nicht nur keine Steine in den Weg legen, sondern muss vor allem die Weiterentwicklung der Zoos ermöglichen, was nicht nur bedeutet, alte Anlagen zu modernisieren, sondern auch bereits gute Anlagen, noch besser zu machen.