Quelle: Loro Parque

Zoos sind Fenster zur Wildnis

Erschienen in „Die Welt“ am 30. August 2012. Autoren: Dirk Maxeiner und Michael Miersch

In diesem Kommentar argumentieren die Autoren für die Zoos als ein Einrichtung, die Menschen bereichern und vor allem auch Wissen über Wildtiere vermitteln. Der Liebe zur lebendigen Mitwelt lasse sich nur in Zoos nachgehen.

Der tödliche Unfall einer Tierpflegerin in Köln wird von Peta & Co. als willkommener Anlass genutzt, mal wieder die Abschaffung von Zoos zu fordern. Es ist die seit Jahrzehnten bekannte Leier, die meist von Leuten vorgebracht wird, die seit ihrer Kindheit nicht mehr im Zoo waren und gar nicht mitbekommen haben, wie diese immer schöner und tierfreundlicher wurden. Wir haben jeden dieser ewig gleichen Vorwürfe schon gefühlte tausendmal widerlegt, deshalb beschränken wir uns in dieser Kolumne auf die beiden Grundirrtümer der Anti-Zoo-Polemik.

Erstens: Dass Zoo-Gegner Tiere als Gefängnisinsassen betrachten, zeugt von Unwissen. Wenn schon ein vermenschlichender Vergleich, dann fühlen sich Zootiere eher als Grundstücksbesitzer. Auch in der Wildnis laufen sie nicht frei herum. Sie richten sich lediglich nach unsichtbaren Zäunen, wie etwa den Duftmarken konkurrierender Artgenossen. Wo genügend Nahrung vorhanden ist, rühren sie sich nicht vom Fleck. Kein Löwe geht spazieren. Er bewegt sich nur, um Beute oder einen Partner zu finden. Ist beides vorhanden, erlischt seine Wanderlust.

Grundirrtum Nummer zwei: Zoos seien eine Einrichtung für Tiere. Nein, sie sind für Menschen da! Wie Museen und botanische Gärten gehören Tierparks zu den Kulturstätten. Und dies bereits seit 4000 Jahren als am Hof des chinesischen Kaisers die erste Menagerie erbaut wurde. Heutige Zoos sie sind nicht nur die bestbesuchten und erfolgreichsten Institutionen populärere Wissensvermittlung. Sie dienen außerdem der Forschung. Dies wird häufig unterschätzt. Das Meiste, was wir heute über Wildtiere wissen, wurde in Zoos herausgefunden.

Zoologische Gärten bieten ihren Besuchern ein Fenster in die Wildnis. Was gerade heute besonders wichtig ist, da die meisten Menschen kaum Kontakt zur Natur haben. Den seltsam säuerlichen Geruch eines Gorillas oder die bedächtige Präsenz eines ruhig atmenden Elefanten können Tierfilme nicht vermitteln. Viele Wissenschaftler und professionelle Artenschützer wurden in ihrer Kindheit durch Zoos für Tiere begeistert.

Es gibt Menschen, denen bedeutet der Anblick eines Okapis so viel wie anderen eine Barockkirche oder eine Opernaufführung. Der Evolutionsforscher Edward O. Wilson nannte diese Eigenschaft Biophilie, die Liebe zur lebendigen Mitwelt. Manche Kritiker, die gegen Zoos poltern, können damit nichts anfangen. Sie gleichen Unmusikalischen, die aus Lärmschutzgründen Konzerte verbieten wollen.