Pandamutter Jungtier (10 Monate) im Tiergarten Schönbrunn Wien | Foto: Manfred Werner / Tsui, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Welche Aufgaben hat ein Zoo?

Dass Zoologische Gärten durch Zuchtprogramme versuchen, bedrohte Tierarten vor dem Aussterben zu schützen ist weithin bekannt. Doch sie haben noch andere Aufgaben.

Über die vielen Jahrhunderte, die Zoos existieren, haben sich ihr Erscheinungsbild und ihre Ziele stark verändert. Moderne Zoos haben nur noch wenig mit ihren Vorläufern im 19. Jahrhundert gemein. Doch schon früh wurden Leitbilder formuliert, die bis heute gelten.

Mit der Öffnung der Zoos für die gesamte Bevölkerung etablieren sich die Tierparks vorwiegend als Orte der Erholung. Aber schon damals spielte auch Bildung eine Rolle. So schrieb im Jahr 1859 David Friedrich Weinland, der Gründer der Zeitschrift „Der Zoologische Garten“, in der ersten Ausgabe seines Heftes zu den Aufgaben des Zoos:

„Um daher den Garten wirklich auch zu einem Institute für Volksbildung und nicht blos – was man ihm vorgeworfen hat – für Volksbelustigung zu machen, muss das Interesse für eine ernstere Beobachtung der Thiere durch wissenschaftliche Belehrung und Aufklärung über die wichtigsten Phänomene des Lebens derselben, insbesondere auch weil sie im Garten selbst zu Tage treten, geweckt und erhalten werden.“

Wissenschaftlich orientierten Zoodirektoren ging es bereits vor über einem Jahrhundert um um Bildung und  Forschung. Sogar der Erhalt seltner Arten war bereits  ein Thema.

„Neben dem Zwecke der naturwissenschaftlichen Belehrung aber hat sich die Zoologische Gesellschaft, die unseren Garten ins Leben gerufen hat, noch einen zweiten vorgesetzt; es ist der der Acclimatisation neuer Arten oder neuer Racen von Hausthieren.“

Solche  Ziele verfolgten in den Anfängen besonders fortschrittliche Zoos, wie die von Frankfurt und London. Sie emanzipierten sich von den Ansprüchen der Volksbelustigung und errichteten Gebäude, die sich an der biologischen Systematik orientierten.

Und Zoos heute?

Heute sind Zoos in erster Linie Bildungs- und Forschungseinrichtungen. Gemeinsam mit Universitäten und  Forschungsinstituten werden in Zoos wissenschaftliche Erkenntnisse über Tiere gewonnen.

Obendrein  bieten sie Menschen Gelegenheit zur Begegnung mit Tieren und vermitteln gleichzeitig biologische und ökologische Zusammenhänge.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts rückte Erhaltung bedrohter Tierarten immer mehr in den Fokus. So gibt es insgesamt 1440 internationale oder nationale Zuchtbücher und Zuchtprogramme für 850 Arten und Unterarten.

Aber auch weiterhin bieten Zoologische Gärten ihren Besuchern Erholung und Unterhaltung, und sorgen dafür, dass sie ganz nebenbei Naturwissen aufnehmen.

Im Bundesnaturschutzgesetz sind Vorgaben zu den Aufgaben der Zoos in Deutschland festgehalten. So heißt es in der Zoo-Richtlinie § 42 (3) Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG):

(3) Zoos sind so zu errichten und zu betreiben, dass

1.bei der Haltung der Tiere den biologischen und den Erhaltungsbedürfnissen der jeweiligen Art Rechnung getragen wird, insbesondere die jeweiligen Gehege nach Lage, Größe und Gestaltung und innerer Einrichtung art- und tiergerecht ausgestaltet sind,

  1. die Pflege der Tiere auf der Grundlage eines dem Stand der guten veterinärmedizinischen Praxis entsprechenden schriftlichen Programms zur tiermedizinischen Vorbeugung und Behandlung sowie zur Ernährung erfolgt,
  2. dem Eindringen von Schadorganismen sowie dem Entweichen der Tiere vorgebeugt wird,
  3. die Vorschriften des Tier- und Artenschutzes beachtet werden,
  4. ein Register über den Tierbestand des Zoos in einer den verzeichneten Arten jeweils angemessenen Form geführt und stets auf dem neuesten Stand gehalten wird,
  5. die Aufklärung und das Bewusstsein der Öffentlichkeit in Bezug auf den Erhalt der biologischen Vielfalt gefördert wird, insbesondere durch Informationen über die zur Schau gestellten Arten und ihre natürlichen Biotope,
  6. sich der Zoo beteiligt an
  7. a) Forschungen, die zur Erhaltung der Arten beitragen, einschließlich des Austausches von Informationen über die Arterhaltung, oder
  8. b) der Aufzucht in Gefangenschaft, der Bestandserneuerung und der Wiederansiedlung von Arten in ihren Biotopen oder
  9. c) der Ausbildung in erhaltungsspezifischen Kenntnissen und Fähigkeiten.