Brillen-/Andenbär mit Haarausfall im Taricaya Ecological Reserve | Foto: Carlo Brescia, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Malte Zierden, eine Bärin mit Haarausfall & Zoos

Exklusiv für zoos.media – 13.06.2026. Von: Philipp J. Kroiß

Der Influencer Malte Zierden erzählt die Geschichte einer Bärin Max und macht dabei Zoos schlecht. Recherchiert man die Geschichte, stößt man auf Widersprüche.

Die weitläufige und naturnahe Anlage für Brillenbären im Zoo Duisburg | Foto: zoos.media

Malte Zierden, Zoos & eine Bärin

„Das ist der Beweis“, behauptet Malte Zierden in einem Video. „Menschen tun mal wieder ihre Menschen-Dinge“, leitet er ein und erzählt die Geschichte einer Bärin namens Max, die angeblich aus einem Zoo gerettet werden musste, weil es ihr da so schlecht ergangen sei. Er berichtet gerade über eine Reise für die Organisation Wilderness International und bewirbt dabei deren Projekt für den MA-Forest.

Lässt sich die Bären-Geschichte verifizieren?

Brillenbär klettert im Kölner Zoo hoch hinaus. | Foto: zoos.media

Eine systematische Google-Suche nach einer misshandelten Bärin namens Max mit Haarausfall in Peru lieferte keinerlei Treffer oder dokumentarische Belege. Auch eine umfassende Recherche über das KI-Modell Gemini zeigt, dass ein Bär mit diesem Namen und dieser Krankheitsgeschichte in den öffentlich zugänglichen Daten und Berichten über peruanische Auffangstationen und Schutzgebiete nicht existiert. Die Erzählung aus dem Video lässt sich somit digital und faktisch in keiner Weise nachweisen.

Davon unabhängig wurde auch noch Grok (xAI) befragt. Auch das Modell konnte trotz umfassender Suche in verschiedenen Quellen und Sprachen keine Informationen über eine Max in Peru finden. Auch hier gibt es nur Hinweise auf Bärinnen anderen Namens, auf die wir noch zu sprechen kommen werden. Eine Max findet also weder durch die Google-Suche, noch durch KI-Recherchen. Trotzdem zeigt Zierden bekanntlich ein Tier im Video.

In diesem Bereich vom MA-Forest, in dem sich Wilderness International als aktiv darstellt, gibt es tatsächlich eine Bären-Haltung. Die ist im Taricaya Ecological Reserve. Darin lebt auch eine Bärin, die so aussieht, wie das Tier im Video von Zierden. Mit etwas Wohlwollen könnte man sagen, dass, was Zierden erzählt, auf die Geschichte der Bärin Dominga hinweisen könnte. Allerdings gerade, wenn es um das Thema Zoo geht, weicht Zierdens Erzählung von dem ab, was die heutigen Besitzer der Bärin zu berichten haben.

Was ist tatsächlich passiert?

Dominga und ihre Schwester wurden illegal der Natur entnommen. Sie wurden bei Wildtierhändlern gefunden und konfisziert. Man wusste allerdings nicht wohin mit den Tieren. So kamen sie in einen Zoo. Leider starb dort ihre Schwester.

Der Zoo, gemeinsam mit der Peruanischen Wildtierbehörde SERFOR, sorgten dann für das neue Zuhause des Tieres im Reserve. Also der Zoo war Teil der ganzen Rettungsaktion der Tiere. Er bot Tieren, die nirgendwo anders hin konnten, einen Unterschlupf im Rahmen seiner Möglichkeiten als Übergangslösung an. Ohne ihn hätten die Tiere gar keine Zukunft mehr gehabt.

Der Zoo war also nicht Grund für die Rettung, er war Teil der Rettung. Daraus dann Zoos sprichwörtlich einen Strick versuchen zu drehen und sie als Problem darzustellen, ist bemerkenswert. Wenn es sich um Dominga handelt, stellen sich die Fragen: Warum erzählt man nicht die wahre Geschichte von Dominga? Warum nennt man sie nicht beim richtigen Namen? Es wäre ja richtiger und für die Zuschauer auch nachprüfbarer.

Warum können Andenbären das Fell verlieren?

Brillenbär im Zoo Zürich | Foto: albinfo, Lizenz: CC BY-SA 1.0

Die Fälle, in denen Andenbären so einen Haarausfall zeigen, sind selten. Nicolau et al. (2018) erklärten dazu: „Das Alopezie-Syndrom des Andenbären ist eine erworbene, fortschreitende Alopezie, deren histologische Merkmale auf eine lymphozytäre, immunvermittelte Reaktion gegen die Follikelscheiden und die Epidermis hinweisen. Auslösende Faktoren wurden bislang nicht identifiziert. Weitere Untersuchungen sind erforderlich, um die Charakteristika dieses multifaktoriellen Syndroms zu definieren.“

Van Horn et al. (2019) haben sich mit den auslösenden Faktoren beschäftigt. Sie erklären, dass das Syndrom wäre „eine symptomatische Reaktion auf die langfristige soziale Unterbringung von Bären, die unter natürlichen Bedingungen nicht sozial leben würden.“ Sie empfehlen „weibliche Brillenbären nur dann gemeinsam mit erwachsenen Artgenossen unterzubringen, wenn sich die Weibchen freiwillig für das Zusammenleben entscheiden.“

Man kann also beim aktuellen Forschungsstand gar nicht definitiv sagen, warum die Tiere die Haare verlieren. Es gibt bisher nur Hypothesen. Die vielversprechendsten sind bisher etwaig erworbene Erkrankungen und auch schädliche Sozialgefüge. Das Problem von Dominga und ihrer Schwester war leider, dass sie nirgendwo anders hin konnten. Der Zoo war gezwungen sie in dieser Übergangssituation so zu halten. Sonst hätte keines der Tiere mehr ein Zukunft gehabt.

Peru: Zoos helfen Bären in Not

Brillenbär im Chester Zoo | Foto: Hans Hillewaert, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Der Fall von Dominga weckt Erinnerungen an den Fall von Cholita. Die Bärin wurde auch illegal der Natur entnommen. Dann kam sie in Besitz von einem anscheinend unverantwortlichen Circus, der das Tier angeblich verstümmelte. In seriösen Circussen findet sowas nicht statt. Auch dieses Tier verlor Haare. Schließlich wurde sie beschlagnahmt. Auch hier sprang ein Zoo ein, um sie vorübergehend unterzubringen, bevor sie schließlich in eine Haltung kommen konnte, in dem sie ihren Lebensabend verbringen konnte.

Zoos sind in Peru aber nicht nur Notunterkunft für gerettete Bären. Der Smithsonian’s National Zoo beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit den Andenbären in Peru. Verschiedene Zoos unterstützen Spectacled Bear Conservation bei ihrer Arbeit. Der DierenPark Amersfoort hat auch schon ein Auffangzentrum des Projektpartners Bioparc Conservation unterstützt. Die Liste der positiven Inputs von Zoos für den Schutz von Andenbären ließe sich weiter fortsetzen.

So haben Zoos auch an den Guidelines für die Rettung von Andenbären mitgearbeitet. Darin werden die seriösen zoologischen Gärten natürlich auch als Teil der Lösung präsentiert. Herausgegeben wurden die Guidelines 2016 von der Weltnaturschutzunion (IUCN). Erneut zeigt sich: Moderne Zoos sind die Möglichmacher einer Zukunft für Andenbären. Das gilt sowohl für einzelne Tiere als auch für die ganze Art.

Zoo-Bashing funktioniert nicht

In dem Zusammenhang also Zoos schlecht machen zu wollen, scheitert an den Fakten. Vielmehr sind Zoos der Grund, warum die Art eine Zukunft hat. Dazu muss man auch gar nicht in die Ferne schweifen. Der Tierpark Berlin konnte sich nicht nur über Enzo freuen. Das kleine Bärchen ist bezaubernder Botschaft für ein Projekt der Freunde der Hauptstadtzoos zur Rettung der Art. Wie das mit der so wichtigen Botschafter-Funktion funktioniert, erklärte auch bereits der Frankfurter Zoo.

Wer also auch eine Zukunft für die bedrohten Bären schaffen will, kommt an zoologischen Gärten nicht vorbei. Sie sind schon seit Jahren da und helfen den Tieren. Wenn man bei den Fakten bleiben will, spricht man darüber. Einige versuchen aber natürlich angebliche Geschichten zu erzählen, um Zoos schlecht darzustellen. Solche Geschichten sind emotional, sie bringen Klicks. Viele fragen sich nicht: „Lässt sich die Geschichte überhaupt verifizieren?“ Stattdessen passt es für sie in ein ohnehin vorgefertigtes Bild und sie denken: „Wird schon stimmen.“

Glaubwürdigkeitskrise für den Tierschutz

Solche Rezeption ist ein großes Problem von Medien generell. Das gab es auch schon vor dem Internet-Zeitalter. Auf Instagram zum Beispiel erhalten solche Geschichten aber schnell eine große Reichweite. Sie lassen sich zwar dann rasch widerlegen, aber für die, die solchen Geschichten dann Glauben geschenkt haben, wird es zu einem großen Problem. Natürlich schadet sowas aber auch seriösem Tierschutz. Es kratzt an der Glaubwürdigkeit, wenn angebliche Tierschutz-Geschichten, die eine große Reichweite erhalten, dann doch nicht so stimmen.

Wenn man kreativ mit der Wahrheit umgehen kann, wird es möglich Geschichten natürlich besonders aufmerksamkeitserregend zu erzählen. Man kann sie so arrangieren, dass sie viel Reichweite bekommen. Seriöse Tierschützer, die sich an Fakten halten, können das nicht. Die bleiben bei den Tatsachen und erzählen nur die. Diesen echten Geschichten fehlt dann die Aufmerksamkeit. Die nehmen ja dann schon andere, kreativere Geschichten für sich ein. Das ist ein großes Problem. Dazu kommt eine fragwürdige Rechtsprechung zum Terminus „Tierquälerei“.

Das stürzt den seriösen Tierschutz generell in eine Glaubwürdigkeitskrise. Hier liegt auch das eigentliche Problem. Damit Tierschutz funktioniert, muss er sich auch selbst gegen solche Geschichten wehren. Das wird zu wenig getan. Stattdessen hat sich der seriöse Tierschutz über weite Strecken schon von der Tierrechtsindustrie entern lassen. Manche verkaufen das als strategischen Schachzug. Allerdings geht diese Strategie nicht auf. Seriösem Tierschutz fehlen immer mehr Geld und Aufmerksamkeit. Letztendlich ist das also ein Bärendienst am Tierschutz.

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