Crocodylus mindorensis: Philippinen-Krokodil

Philippinenkrokodil-Jungtier im Kölner Zoo | Foto: zoos.media

2016 wurde geschätzt, dass weniger als 200 ausgewachsene Philippinen-Krokodile in der Natur überhaupt noch am Leben sind. Sie waren auf nur drei getrennte Standorte verteilt. Die Populationen gingen im Vergleich zum historischen Niveau stark zurück. Zum Glück hatten sich zu diesem Zeitpunkt Zoologische Gärten der Art schon angenommen. Das Europäische Zuchtbuch (ESB) war schon 2012 worden eingerichtet. Es wird vom Kölner Zoo verwaltet. Alle ESB-Teilnehmer unterstützen vor Ort den Schutz philippinischer Krokodile im Norden.

Für die Zucht wurden 15 junge Krokodile vom Palawan Wildlife Rescue & Conservation Center importiert und vom philippinischen Ministerium für Umwelt und natürliche Ressourcen ausgeliehen. Die erste Zucht in Europa gelang 2013 im Kölner Zoo. Der Zoo in der Domstadt hat sich nicht nur dadurch zu einem Zentrum für umfassende Krokodilforschung, einschließlich Studien zum Sozial- und Fortpflanzungsverhalten, entwickelt. Danach stellten sich auch weitere Zuchterfolge in anderen Zoos ein.

Parallel führten Feldforschungen zur Entdeckung einer neuen Population im Süden der Philippinen. Zudem konnte ein geeigneter Lebensraum für die Einführung von Krokodilen im Paghungawan-Sumpfgebiet auf der Insel Siargao identifiziert werden. Eine ausgewilderte Population von in Menschenobhut gezüchteten Krokodilen hatte sich dort bereits erfolgreich vermehrt. Daher sollen dorthin auch die ersten ESB-Tiere gebracht werden. Hulky und Dodong, die im Juli 2015 im Kölner Zoo im Rahmen der ersten Naturbrut schlüpften, wurden dazu auserkoren. Diese beiden Männchen wurden im Dezember 2020 auf die Philippinen umgesiedelt. Weitere Krokodile folgten.

Videos zum Thema

Crocodylus siamensis: Siam-Krokodil

Thomas Ziegler mit seinem Kooperationspartner Truong Q. Nguyen (links) beim Microchippen von einem Siam-Krokodil im Lao Zoo, das auf genetische Reinerbigkeit überprüft wurde – eine Grundvoraussetzung für Nachzuchtprogramme mit dem Ziel der Wiederauswilderung. | Foto: Lao Zoo

Man weiß bis heute nicht genau, wie viele Siam-Krokodile es in der Natur noch gibt – Forscher gehen von unter 1.000 aus. Man weiß aber inzwischen sehr gut, wie man sie in Menschenobhut züchtet. Daher sind sie dort nicht gefährdet und Auswilderungen konnten bereits realisiert werden. Nach wie vor ist es aber eines der am meisten bedrohten Krokodile der Welt. So hat man dank dem Engagement moderner Zoos und Aquarien zwar schon große Erfolge feiern können, aber im natürlichen Habitat treten auch immer neue Probleme auf.

Das für Menschen recht ungefährliche Krokodil kam ursprünglich durch den Handel mit Krokodilhäuten in Gefahr. Darauf machen Zoos auch sehr deutlich aufmerksam. Inzwischen aber ist es häufiger das Problem, dass die Tiere Bauprojekten im Weg stehen. Im Kambodscha geht es dabei zum Beispiel um grüne Energie, die man sich aus Wasserkraftwerken erhofft. Die werden genau da geplant, wo es die meisten Vorkommen dieser Art gibt. Das sorgt für immense Probleme.

Der Pang Sida Nationalpark in Thailand, in der Nähe von Kambodscha, hat ein Projekt zur Wiederauswilderung des siamesischen Krokodils. Eine Reihe junger Krokodile wurde in einem kleinen und abgelegenen Fluss im Park ausgesetzt, der für Besucher nicht zugänglich ist. In den Schutz der Art bringt sich auch die Wildlife Conservation Society (WCS) ein. Sie arbeitet dabei vorwiegend mit der Regierung von Laos. Die WCS verwaltet, neben dem Bronx Zoo, den Central Park Zoo, das New York Aquarium, den Prospect Park Zoo und den Queens Zoo. Im Projekt arbeitet sie auch mit dem Lao Zoo zusammen.

Wiederentdeckungen & Forschung

Hier konnte der Kölner Zoo mit seinen Partnern in Laos ein neues Schutzgebiet für Siam-Krokodile gründen. | Foto: T. Ziegler

2015 & 2018 konnte der Kölner Zoo-Kurator Prof. Thomas Ziegler von Wiederentdeckungen von Populationen in der Natur berichten. In Laos galt die Art zuvor als ausgerottet. Diese Wiederentdeckung bildete die Basis für die Gründung eines Schutzgebiets. Ein Schutzgebiet bedeutet auch die Möglichkeit, Tiere wieder auswildern. Das ist ein großer Schritt nach vorne gewesen.

In einem weiteren Schritt musste aber die Genetik geklärt werden. Es braucht artenreine Tiere für eine Auswilderung. Daher darf auch nur mit entsprechenden Tiere gezüchtet werden. Bei Krokodilen gibt es aber immer wieder Hybriden. So erforschte die Artenschutz-Achse Köln-Hanoi an der Genetik der Tiere in Laos und Vietnam. Hierbei halfen unter anderem Tiere vom Zoo Zürich. Dort waren überhaupt zum ersten Mal in Europa Krokodile dieser Art geschlüpft.

All diese wissenschaftliche Arbeit wäre ohne Zoos, die über Grenzen hinweg zusammenarbeiten, nicht möglich. Jetzt weiß man ganz genau mit welchen Tieren man wie arbeiten kann, damit man sie wo am besten auswildert. Solches Grundlagen-Wissen ist Gold wert.

Columbina cyanopis: Blauaugentäubchen

Blauaugentäubchen (Columbina cyanopis) im nach der Art benannten Reservat in Brasilien | Foto: Hector Bottai, Lizenz: CC BY-SA 4.0 DEED

Die Art kennt man seit dem frühen 19. Jahrhundert, aber sah sie in der Natur immer nur sporadisch. 75 Jahre galt sie als verschwunden, 2015 fand man sie wieder. Da war klar: jetzt muss gehandelt werden. Ziemlich schnell wurde deutlich, dass es auch eine Population in Menschenobhut braucht, um die Wildpopulation zu stärken. Sie besteht nämlich schätzungsweise nur noch aus 15 Tieren [2024].

2023 wuchsen zum ersten Mal Küken dieser Art in Menschenobhut auf. Die Eier waren in der Natur gesammelt worden. Dank dem Experten Joe Wood und seinem Team im Toledo Zoo gelang das Unterfangen gut. 2024 feierte der Chester Zoo schon das weltweit dritte Aufwachsen von Küken dieser bedrohten Art. Das zeigt, dass es möglich ist, diese Art in Menschenobhut aufzuziehen und zu retten.

Ohne moderne Zoologische Gärten wäre es eine Frage von Jahren gewesen bis die Blauaugentäubchen ausgestorben wären. Dank der nun möglich werdenden Erhaltungszucht, hat diese Art eine realistische Chance auf eine Zukunft sowohl in Menschenobhut als auch deshalb langfristig in der Natur. Ohne Zoos wäre die Art wohl verschwunden ohne, dass viele Menschen sie überhaupt gekannt hätten. Die positiven Schlagzeilen zur erfolgreichen Zucht, sorgen erst dafür, dass Menschen überhaupt von der Existenz der Art erfahren.

Chelodina mccordi: McCords Schlangenhalsschildkröte

McCords Schlangenhalsschildkröte im Zoo von Lissabon | Foto: Salix / Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA 3.0

William Patrick McCord hat selbst viele Spezies entdeckt und so wurde die erst 1994 beschriebene Schildkröten-Art nach ihm benannt. Dass Haltung Arten rettet, weiß der Schildkröten-Experte. Er hat selbst die größte Sammlung von lebenden Schildkröten im US-Bundesstaat New York. Das eine der größten in den Vereinigten Staaten. Die nach ihm benannte Spezies zählt zu den 25 weltweit am stärksten vom Aussterben bedrohten Süßwasser-Schildkröten. Artenschutz tut also Not. Zum Glück ist dieser dank Zoos auch möglich.

Das EEP führt der schwedische Tierpark Nordens Ark. 2016 startete ein großangelegtes Projekt zur Rettung der Art. Nach dessen Planung sollen bis 2026 insgesamt 500 Tiere aus Zoos und Aquarien sowie einer Zuchtstation auf der Insel Roti ausgewildert werden. Die Zucht läuft international gut. So konnte zoos.media zum Beispiel über Nachwuchs im Taipei Zoo und in der ZOOM Erlebniswelt Gelsenkirchen berichten. Erfolge gab es aber natürlich auch andernorts. So sichern immer mehr McCords Schlangenhalsschildkröten das Überleben der Art. Das ist von großem Wert.

Daher ist auch für diese Schildkröten-Art die Haltung und Zucht in Menschenobhut essentiell. Zoologische Institutionen arbeiten hier sowohl bei sich selbst also auch im natürlichen Lebensraum. Ohne solcherlei Institutionen wäre die Rettung der McCords Schlangenhalsschildkröten mehr als fraglich. Würde man also moderne Zoos und Aquarien einfach schließen, wären diese besondere Schildkröten zum Aussterben verdammt. Das Überleben der Schildkröten hängt auch am Überleben von Zoologischen Gärten. Das ist offensichtlich. Zum Glück für diese Schildkröten gibt es Zoos.

Centrocercus urophasianus: Beifußhuhn

Dem Beifußhuhn wird in Kanada die höchste Priorität im Zusammenhang mit Naturschutz eingeräumt. | Foto: Bob Wick, BLM, Lizenz: CC BY 2.0

Die Populationen des Großen Salbeihuhns, wie die Art auch genannt wird, war in den vergangenen Jahrzehnten um 98 % zurückgegangen. Auch das Geschlechterverhältnis wurde immer ungünstiger. Wenn man nichts täte, so war die Befürchtung, könnte die Art in 10 Jahren aussterben. So entstand vor eigen Jahren im Calgary Zoo eine Keimzelle zur Rettung der Art. Weitere Organisationen schlossen sich an. Alle sind vereint in einem Ziel: dieses Huhn vor dem Aussterben zu bewahren.

Bei der Rettung der Art verfolgt man einen One Plan Approach. Man vereint also Maßnahmen im natürlichen Lebensraum und außerhalb dessen. So wird zum Beispiel vom Zoo ausgehend, eine Ex-Situ-Population aufgebaut, um die Art abzusichern. 2022 konnte die Art zum ersten Mal in Menschenobhut nachgezüchtet werden. Das war ein wichtiger Erfolg und hoffentlich der Startschuss für den Aufbau eines großen Zuchtprogramms.

Gäbe es moderne Zoos nicht, wäre das Beifußhuh dem Untergang geweiht. Nur mit Institutionen wie dem Calgary Zoo lassen sich solche Projekte überhaupt umsetzen. Zudem haben sie die Chance eine Spezies bekannt zu machen. Das Beifußhuhn ist nämlich trotz seiner Bedrohung nicht in aller Munde. Zoologische Gärten aber können hier eine Faszination wecken, aus der dann Motivation für den Schutz der Art erwächst.

Caretta caretta: Unechte Karettschildkröte

Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta) | Foto: ukanda, Lizenz: CC BY 2.0

So unecht ist diese Schildkröte gar nicht, wie ihr Name einem weiß machen will. Es könnte sie aber bald nicht mehr geben, denn die Meeresschildkröte ist stark bedroht. Bei der Unechten Karettschildkröte handelt es sich um eine der vielen Botschafter-Arten für die Meeresverschmutzung. Hinzu kommt, dass Menschen sie auch durch ihre Anwesenheit großen Risiken aussetzen: Bootsverkehr und Fischerei sind wesentliche Bedrohungsfaktoren. Die sorgen für Probleme.

So kommt es dann auch immer wieder zu Unfällen. Hier können dann Zoos und Aquarien helfen: Durch ihr medizinisches Knowhow lassen sich die Verletzten versorgen und halten. Wenn sie dann wieder bereit sind, können sie wieder in die Natur gebracht werden. Aus diesen Momenten, in denen die Schildkröten vom Strand in die Wellen wandern, machen viele zoologische Institutionen edukative Erlebnisse besonders für Schulklassen. Zudem gibt es auch sonst Auswilderungen von Tieren. Zum Beispiel wilderte das Oceanogràfic València 17 Unechte Karettschildkröten aus [Stand: 2024].

Auch die Loro Parque Stiftung hat ein Projekt. Das schaut besonders auf die kanarischen Inseln. Die heimischen Tiere werden gerettet, gesund gepflegt und wieder ausgewildert. Aber nicht jede Schildkröte kann wieder zurück in die Natur. Bei zu starken Verletzungen und einer lebenslangen Angewiesenheit auf menschliche Pflege bieten Zoos und Aquarien den Tieren auch eine langfristige, artgemäße Unterbringung an. So werden die Tiere zu Botschaftern. Auch als solche helfen sie der Spezies. Sie repräsentieren die Projekte. Diese sollen das Überleben sichern. Dadurch bekommt die Art eine Chance.

Capra ibex: Alpensteinbock

Alpensteinbock im Tierpark Bern | Foto: Kambui, Lizenz: CC BY 2.0

Alle Steinböcke, die man heute in den Alpen sieht, stammen von Tieren ab, die aus Zoologischen Gärten in die Natur gebracht wurden. Ohne diese Auswilderungen durch Zoos wäre die Art ausgestorben. Sie war in Europa fast ausgerottet bis auf eine kleine Population in Grajischen Alpen. Zum Glück gab es noch Tiere in Menschenobhut. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die ersten Tiere ausgewildert. Es folgten zahlreiche weitere Projekte mit Zoo-Beteiligung.

Inzwischen gilt der Wildbestand wieder als weitestgehend gesichert. Das ändert aber nichts daran, dass nicht weiterhin auch Tiere ausgewildert werden. 2023 und 2024 waren es 10 und 11 Tiere aus EAZA-Zoos, die in die Natur gebracht wurden. Die Jahre vor waren es im Mittel jeweils 6 Tiere. Dass sie aktuell nicht mehr bedroht sind, heißt nicht, dass man sie außer Acht lassen sollte. Daher helfen Zoologische Gärten mit, dass die Erfolge nicht wieder verloren gehen. Dazu hat sich die Spezies auch noch nicht zu 100% erholt.

Ohne Zoologische Gärten gäbe es die Alpensteinböcke nicht mehr. Bevor also die Weltnaturschutzunion (IUCN) gegründet und lange bevor der One Plan Approach to Conservation formuliert wurde, haben Zoologische Gärten bereits mit einer Kombination aus Maßnahmen ex situ und in situ Arten gerettet. Die Rote Liste gibt beziehungsweise gab 2024 eine Erholungsrate der Spezies von 79% an und die Wildpopulation gilt nur noch als mäßig erschöpft. Das ist ein riesiger Erfolg moderner Zoos.