Exklusiv für zoos.media – 20.03.2026. Autor: Philipp J. Kroiß
Mit einer Anzeige gegen einen Landwirt hat sich die radikale Tierrechtsorganisation PETA ausgerechnet Ärger mit dem regionalen Tierschutzverein eingehandelt. Der hält das Vorgehen von PETA für „unverantwortlich“.

Streit um „Vorzeigebetrieb“: PETA gegen Tierschützer
Mal wieder wollte angeblich ein Whistleblower mutmaßliche Tierquälerei dokumentiert haben und die radikale Tierrechtsorganisation erstattete Anzeige wegen angeblichen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz (TierSchG) sowie die Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV). Dabei unterstellt PETA ein „Leiden dauerhaft fixierter Tiere“.
Das Problem für PETA? Die Tiere sind gar nicht dauerhaft fixiert. Einzig eine dauerhafte Anbindehaltung, die jegliche selbst bestimmte Bewegung unterbindet, würde, laut aktueller Rechtsauffassung, gegen § 2 TierSchG unter Umständen verstoßen. In der bisherigen Fassung der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) gibt es für ausgewachsene Rinder kein explizites, pauschales Verbot der Anbindehaltung. Die Anzeige entbehrt jeder Grundlage. Die Fotos können den Vorwurf dauerhafter Fixierung auch gar nicht belegen.
Anbindehaltung kann im Sinne der Tiere sein

Tessy Lödermann von Bündnis 90/Die Grünen ist nicht nur dritte Landrätin, sondern auch Vorsitzende des Tierschutzvereins des Landkreises. Zudem ist sie seit 25 Jahren ehrenamtliche Leiterin des Tierheims in Garmisch-Partenkirchen. Sie ist mit der Darstellung des Betriebs von PETA gar nicht einverstanden, wie der Merkur berichtet.
Sie erläutert, dass eine zeitweise Anbindung aus Gründen der Sicherheit für die Tiere erfolgt, damit sich die betroffenen, hochtragenden Kühe und Ziegen nicht gegenseitig verletzen würden. Das ist übrigens deshalb sinnvoll, weil sowohl Rinder als auch Ziegen ihre Verhandlungen über die Rangordnung nicht pausieren, wenn Tiere hochschwanger sind. Ziegen zum Beispiel setzen dabei ihre Hörner sehr gezielt gerade gegen die Flanken anderer Ziegen ein. Rinder drängeln und stoßen die trägeren, hochschwangeren Kühe von Futterplätzen.
Will man also die letzte Zeit der Schwangerschaft für Muttertier und Nachwuchs sicher gestalten, hilft eine kurzzeitige Anbindung, um wesentlichen Risiken aus dem Weg zu gehen. In einem Tierschutzverein, der seriös arbeiten will, ist das bekannt. Der sieht nur eine dauerhafte Anbindehaltung kritisch, wie Tessy Lödermann das auch tut.
Lobende Wort für den „Vorzeigebetrieb“
Wenn es für die Tiere sicher sei, würden sie auch draußen leben, beschrieb die Politikerin gegenüber dem Merkur. Sie berichtet mehrfach den Betrieb selbst besucht zu haben und bestätigt, wie auch der Sprecher des zuständigen Landratsamtes, dass es sich um einen „Vorzeigebetrieb“ handele.
Die Kombihaltung wird in Bayern nämlich politisch gefördert. Sie gilt als Weg, um traditionelle Bauernschaften zu erhalten. Die liegen nämlich teils in Dorfzentren und teils am Hang, wo der Bau eines Laufstalls physisch unmöglich, aber auch gar nicht nötig ist, weil den Tieren ausreichend Auslauf zum Beispiel auf Almen oder anderen großen Flächen gegeben werden kann.
Aber nicht nur den reichlichen Auslauf, sondern auch den Stall lobte Tessy Lödermann: „Die Ställe sind sauber, hell und gut eingestreut, der Zustand der Tiere ist sehr gut.“ Zudem betonte sie die Bedeutung des Hofes für den Erhalt der Passeier Gebirgsziege oder des Tux-Zillertaler Rindes sowie, dass Tiere dort teils sehr alt würden.
Deutliche Worte gegen PETA

Vor dem Hintergrund empfinde es Lödermann als „unverantwortlich“ eine Strafanzeige zu stellen, denn ein Gespräch mit dem Landwirt, Veterinäramt oder Tierschutzverein war wohl vorher nicht gesucht worden. Sie betonte der Betrieb sei zu Unrecht kriminalisiert worden und das schade auch dem gesamten Tierschutz, so die mehrfach für ihr Tierschutz-Engagement ausgezeichnete Politikerin.
„Peta sollte lieber ihr Augenmerk auf Massentierhaltungsbetriebe oder auf ewig lange Lebendtiertransporte legen. Und nicht auf kleine, vorbildliche Landwirte einprügeln“, findet Lödermann gegenüber dem Merkur. Das unterstreicht, was PETA selbst vor Jahren schon zugab: „Wir machen gar keinen Tierschutz“.
Lödermann wurde auch schon vom Deutschen Tierschutzbund ausgezeichnet – einem Verein, der durchaus eng mit PETA kooperiert. Ebenso kooperiert ihre Partei auf Bundes- und Landesebene mit der Tierrechtsindustrie und ihren Kollaborateuren, deren größter Vertreter in Deutschland PETA ist. Vielleicht nutzt Tessy Lödermann ihre Erfahrungen mit PETA, um in diesen Kreisen Veränderungen im Sinne des seriösen Tierschutzes anzustoßen oder in diesen Kreisen kommt es durch den Vorfall nun zu einem eigenständigen Umdenken.
PETA gegen Tierhaltung & Tierschutz

Der Merkur stellte aber noch etwas heraus, das bei vielen Medien-Berichterstattungen über PETA zu kurz kommt: „Hinter der Strafanzeige steht allerdings auch eine weitergehende Forderung der Organisation: ein politischer Komplettausstieg aus der Tierhaltung.“ Das reiht sich ein in ein Zitat, das schon vor 15 Jahren in der taz in Bezug auf PETA lief: „Wir wollen das Ende jeglicher Tierhaltung“.
So eine Forderung ist nie Teil von Tierschutz. Ziel effektiver und seriöser Tierschutzarbeit ist es mit seriösen Haltern gemeinsam zu einer Verbesserung der Situation von Tieren auf Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen beizutragen. PETA hingegen schürt mit ideologischen Kampagnen den Hass auf Tierhaltung. Dabei schreckt die radikale Tierrechtsorganisation offenbar auch vor Manipulation nicht zurück.
So entsteht natürlich ein Bärendienst für den seriösen Tierschutz. Dass Tierschützer das beginnen zu problematisieren, ist eine entscheidende Entwicklung, um zu versuchen den durch PETA angeschlagenen Ruf wieder gerade zu rücken. Ob das gelingen wird, ist noch offen. Dazu braucht es wohl noch einige klare Positionierungen mehr gegen PETA. Anlässe dafür wird es genug geben.
