Blick auf das Brandenburger Tor und den Platz des 18. März von der Dach-Terrasse des Bundestags | Foto: DimiTalen, Lizenz: CC0 1.0

Anti-Zoo-Demo: Polizei widerspricht Robert Marc Lehmann

Exklusiv für zoos.media – 20.10.2026. Von: Philipp J. Kroiß

Was bleibt über vom Narrativ zur angeblichen Verlegung der Anti-Zoo-Demo? Nicht viel, wenn man die Polizei fragt, die es doch bedeutend anders darstellt.

Das Brandenburger Tor in Berlin in der goldenen Abendsonne, aufgenommen aus Richtung vom Platz des 18. März. Im Vordergrund spiegelt sich das Bauwerk samt Quadriga im tiefstehenden Licht klar in einer Pfütze auf der Straße.
Blick auf das Brandenburger Tor und den Platz des 18. März in Berlin | Foto: Patrick Joel Photography, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Anti-Zoo-Demo: Polizei widerspricht Robert Marc Lehmann

Ausgerechnet in einem Video, in dem er Leuten, die er als Zoo-Befürworter framen will, Lügen vorwirft, passt eine Geschichte, die Robert Marc Lehmann erzählt, nicht zu dem, was die Polizei angibt. Dabei geht es nicht mal um die Schätzung der Teilnehmerzahlen.

Was behauptet Lehmann?

Nachvollziehbar auch anhand des Transcripts behauptet Lehmann in diesem Video etwa ab Minute 5 Folgendes: „So, es gab Verwirrungen um den Ort der Demo. Der war ja angegeben mit Pariser Platz, das ist aber quasi auf der Innenseite des Brandenburger Tors. Da hat man das ja eigentlich angemeldet […] und dann wurde aber schnell klar aufgrund der Reaktion in den sozialen Medien, […] das könnten mehr als 2500 Leute werden, dann passen die da nicht mehr hin, weil die Polizei hat eine ganz klare Regel, dass auf dem Pariser Platz maximal 2500 Leute sein dürfen.“

Lehmann behauptet weiter: „Sobald das auch nur einer mehr wird, lösen die die Demonstration auf. Das müssen die auflösen aus Sicherheitsgründen. Also hat die Polizei der Organisatorin gesagt: ‚Ey, pass auf, wir finden das gut, was du machst‘, sinngemäß, ‚bitte mach das doch außerhalb des Brandenburger Tors, also davor. Ähm, dann geht dir nicht Gefahr, dass wir die Demo auflösen müssen. Wir sperren zur Not ab, wenn das groß wird, und so ist ja alles richtig, was ihr macht.'“

„Das heißt, die Polizei war uns wohlgesonnen“, behauptet Lehmann weiter, „und hat es extra nach draußen verlegt, weil es so groß war, damit es nicht aufgelöst werden muss.“ Dann betont er, was er doch für ein großer Fan der Berliner Polizei sei und so weiter. So tischt Lehmann seinen Zuschauern eine nette Geschichte auf. Die unterstreicht natürlich nochmal wie angeblich groß doch die Demo war, deren Teilnehmerzahl von derselben Polizei auf „in der Spitze rund 2500 Menschen“ geschätzt wurde. So ein großer Fan, dass er diese Schätzung übernehmen würde, ist Lehmann dann allerdings wohl nicht.

Was sagt die Polizei dazu?

Blick auf Berlin | Foto: Casp, Lizenz: CC BY-SA 1.0 DEED

Das Narrativ im Video ist, dass die Polizei ja ach so wohlwollend gewesen wäre und die Demo verlegt hätte, weil sie sonst hätte aufgelöst werden müssen, da es über 2500 Leute geworden wären. Schon am 06.10.2026 fragte zoos.media die Berliner Polizei: „Es wurde seitens der Community der anscheinenden Veranstalter immer mit dem Pariser Platz geworben, der Ort des Geschehens war aber der Platz des 18. März. War schon bei der Demo-Anmeldung klar, dass der Pariser Platz nicht der Ort des Geschehens war und somit die Bewerbung unrichtig oder kam es erst später zu einer Verlegung? Wenn ja, wurde diese von Ihnen durchgeführt oder kam die von anderer Seite und mit welcher Begründung?“ Da war das betreffende Video noch gar nicht online.

Die Polizei antwortete: „Die Versammlung ist für den Platz des 18. März angemeldet und ist auch auf diesem durchgeführt worden. Der Pariser Platz liegt jedoch nur auf der anderen Seite des Brandenburger Tores. Es ist möglich, dass sich Versammlungsteilnehmer auch auf dem Pariser Platz aufgehalten hatten.“ Diese Darstellung wäre, laut Lehmann im betreffenden Video, dann falsch gewesen.

Daher suchte zoos.media erneut den Kontakt zur Berliner Polizei, konfrontierte sie mit Lehmanns Darstellung und bekam die Antwort: „[D]en Informationen der Versammlungsbehörde zufolge, ist die in Rede stehende Versammlung ‚Für Tiere in Freiheit‘ für den 04.10.2026 auf dem Platz des 18. März angezeigt worden.“ Die Polizei bekräftigte also, dass die Versammlung gar nicht erst für den Pariser Platz behördlich angezeigt und folglich auch nicht nachträglich verlegt wurde. Damit widerspricht sie Lehmanns Darstellung ein zweites Mal.

Wie es – laut Polizei – wirklich war

Nahaufnahme des Straßenschilds »Platz des 18. März« in Berlin | Foto: Surst, Lizenz: CC BY-SA 1.0

Aufgrund einer dritten Nachfrage tat sie das abermals: „[G]rundsätzlich wird, wie auch im vorliegenden Fall, im Vorfeld von möglichen Versammlungslagen ein Kooperationsgespräch zwischen der Polizei Berlin und der versammlungsanmeldenden Person geführt. Im in Rede stehenden Fall war es bereits frühzeitig absehbar, dass mehr als 2.000 Personen an der Kundgebung teilnehmen werden. Bezüglich des Pariser Platzes gibt es jedoch eine Auslastungsgrößenordnung von 2.000 Personen, die aber keine Regel darstellt.“

Es geht also nicht um 2.500 Menschen, sondern um 2.000 Teilnehmer. Zudem handelt es sich auch gar nicht um eine Regel. Aber die Polizei erklärt noch weiter: „Ein Überschreiten der angemeldeten Personenanzahl führt im Regelfall nicht zwangsläufig zur Auflösung einer Versammlung. Jede Versammlung unterliegt einer Einzelfallprüfung.“ Damit fällt die ganze Geschichte, die im Video erzählt wird, schließlich in sich zusammen.

Die Berliner Polizei führt weiter aus: „Der Pariser Platz war daher in dem in Rede stehenden Fall nicht als Kundgebungsort geeignet. Bei Versammlungslagen, die die Kapazitätsgrenze des Pariser Platzes überschreiten, wird grundsätzlich eine neue Örtlichkeit im Rahmen von Kooperationsgesprächen kooperiert. Im gemeinsamen Austausch mit der versammlungsanmeldenden Person ist die in Rede stehende Kundgebung daher für den angrenzenden Platz des 18. März angezeigt worden.“ In so einen Vorgang lässt sich am Ende auch wohl kaum besonderes Wohlwollen interpretieren. Es wäre bei jeder anderen Kundgebung mit jedem anderen Anliegen auch so passiert.

Warum? Das erklärt die Polizei so: „Bei der Beurteilung der Auslastungsgrenze des Pariser Platzes werden unter anderem die dreiseitige Bebauung, die Arbeitsfähigkeit von Anliegenden (u. a. zwei Botschaften) und Faktoren der Personensteuerung, wie zum Beispiel Entfluchtungsflächen und/oder Flucht- und Rettungswege, beachtet.“

Was bleibt (übrig)?

Skyline von Berlin | Foto: Der Robert, Lizenz: CC BY 2.0

Am Ende bleibt von Lehmanns Erzählung nicht viel: Die Demo wurde weder nachträglich verlegt, noch gab es eine starre 2.500er-Grenze, bei deren Überschreitung die Polizei sofort aufgelöst hätte. Auch von einem behördlichen „Wohlwollen“ kann wohl keine Rede sein – es handelte sich anscheinend vielmehr um ein ganz gewöhnliches Routineverfahren der Berliner Versammlungsbehörde aufgrund von Sicherheits- und Anliegerinteressen.

Während in den Netzwerken der Community und im Umfeld der Demonstration durchgehend mit dem prominenten Pariser Platz als Veranstaltungsort geworben wurde, stand für die Behörden durch das Kooperationsgespräch im Vorfeld längst fest, dass die Kundgebung auf dem Platz des 18. März stattfinden würde. Warum man den Anhängern bis zuletzt etwas anderes vermittelte und im Nachhinein die Kommunikation mit der Polizei so anders dargestellt wurde, wissen wohl nur die dafür Verantwortlichen der „Mission Erde“-Community.

Dass ausgerechnet in einem Video, das angeblich Lügen und Framing entlarven sollte, eine Geschichte, die man als völlig verdreht beschreiben könnte, über die Polizei und den Ablauf der eigenen Demonstration aufgetischt wird, verleiht der Sache eine besondere Note.

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