Erschienen auf gerati.de am 27.10.2026. | Von: Silvio Harnos
Nicht nur, aber auch unter #ARMeToo sammeln sich immer wieder neue Fälle von sexuellen Übergriffen im Kreis und Umfeld der Tierrechtsindustrie. Das wirft auch ein Schlaglicht auf strukturelle Probleme.
Anmerkung: Opfer von sexueller Belästigung, Nötigung und Machtmissbrauch im Rahmen der #ARMeToo-Enthüllungen werden überwiegend Frauen – insbesondere jüngere Aktivistinnen, Angestellte und Ehrenamtliche. Die Täter waren fast ausnahmslos männliche Gründer, Vorstände oder einflussreiche Galionsfiguren. Viele Organisationen bauen stark auf charismatische männliche Anführer als Sprachrohr. Dies führt dazu, dass Fehlverhalten innerhalb der Szene lange Zeit gedeckt oder totgeschwiegen wird, um vorgeblich das „höhere Ziel“ der Bewegung oder das Image der NGO nicht zu gefährden. Über diese Problematik berichtete zoos.media das erste Mal vor rund 8 Jahren.
Während die Basis der Tierrechtsszene zu rund 75-80% aus Frauen besteht, dominieren auf Führungsebene nicht selten Männer das Bild und auch die Entscheidungsfindung. Dieses Phänomen des sogenannten Gläsernen Fahrstuhls ist nicht neu. In Bewegungen wie der Tierrechtsszene schwingt aber die Moral-Keule mit: Kritik an Führungspersonen wird als Verrat an der Bewegung oder gar an den Tieren gewertet. Dies schützt etwa übergriffige Galionsfiguren viel länger als in zum Beispiel klassischen Konzern-Strukturen, weil die Täter-Opfer-Umkehr so pseudo-moralisch belegt wird. Daher trauen sich Opfer oft nicht die Wahrheit zu sagen. Das schützt allerdings die Täter. Allerdings kann dies wiederum dazu führen, dass es noch mehr Opfer geben wird und Täter sich noch sicherer fühlen können.
