Elefantenkuh Trinh genießt ein Bad im Elefantentempel des Leiziger Zoos (2009) | Foto: nachbarnebenan, Lizenz: gemeinfrei

Debatte um Zoo-Elefanten: Augsburger Allgemeine, Pro Wildlife & falsche Ansätze

Exklusiv für zoos.media – 24.05.2026. Von: Philipp J. Kroiß

Die Augsburger Allgemeine bietet Pro Wildlife bei der Debatte um Elefanten in Zoos eine unkritische Bühne. Doch ein Blick auch auf die Projekte der Organisation zeigt: Ohne Zoos läuft im Schutz der Elefanten nicht wirklich was.

Blick ins Innere vom Elefanten-Tempel Ganesha Mandir im Zoo Leipzig | Foto: Aagnverglaser, Lizenz: CC BY-SA 4.0

Debatte um Zoo-Elefanten: Augsburger Allgemeine, Pro Wildlife & falsche Ansätze

In einem defizitären Artikel der Augsburger Allgemeinen über Elefantenhaltung, bei dem man durchaus eine gewisse Voreingenommenheit des Autors annehmen könnte, bekommt die „Pro Wildlife“-Angestellte Laura Zodrow daher wenig überraschend Raum. Besonders kritisch wird dabei nicht mit ihr umgegangen. Dabei wäre so viel Platz für kritische Fragen gewesen.

Natürlich kann sie die typischen, aus der Sicht moderner Verhaltensbiologie und Tierwohl-Wissenschaft wohl als überholt anzusehenden Standpunkte der durchaus als fragwürdig ansehbaren Organisation Pro Wildlife weitgehend ohne Einordnung oder gar Widerspruch wiedergeben. Wirklich interessant wird es aber, als sie über Elefanten sagt: „Sie sind vom Aussterben bedroht, weil der Lebensraum schwindet. Und da müssen wir ansetzen, um die Tiere zu retten.“ Wer sollen denn „wir“ sein? Schauen wir doch mal, was Pro Wildlife macht.

Elefanten-„Engagement“ von Pro Wildlife

Elefant vor Zebraherde im Ngorongoro-Krater: In Tansania verschwindet das Wildleben immer mehr. | Foto: Schuyler S., bearbeitet von Daniel Schwen, Lizenz: CC BY-SA 2.5

„Pro Wildlife unterstützt ein Elefantenwaisenhaus in Sambia, das EAGLE-Netzwerk, das gegen illegalen Handel vorgeht, sowie Projekte zur Koexistenz von Menschen und Elefanten in Tansania und Sambia“, heißt es auf der Webseite. Pro Wildlife ist eine eine NGO, die primär Kampagnen- und Lobbyarbeit betreibt. So steht sie auch im Lobbyregister des Bundestages. Schaut man die Arbeit der Organisation an, zeigt sich schnell, dass Pro Wildlife in den bekannten politischen Netzwerken der Tierrechtsindustrie und deren Partnern zu finden ist.

Partner des Elefantenwaisenhaus-Projekts ist aber nicht nur Pro Wildlife, sondern auch zum Beispiel der Colchester Zoo. Das sieht man auch klar auf deren Webseite. PALF (Projet d’Appui à l’Application de la Loi sur la Faune), integraler Bestandteil vom EAGLE-Netzwerk (Eco Activists for Governance and Law Enforcement), unterstützt das Ministerium für Forstwirtschaft und nachhaltige Entwicklung (MEFDD) unter der Schirmherrschaft seines Konsortiums, zu dem unter anderem die Wildlife Conservation Society (WCS) gehört. Die WCS betreibt den Bronx Zoo, den Central Park Zoo, das New York Aquarium, den Prospect Park Zoo und den Queens Zoo.

Beim Projekt der Koexistenz von Menschen und Elefanten ist das Southern Tanzania Elephant Program (STEP) die „Partnerorganisation“ von Pro Wildlife. STEP ist auch zum Beispiel Partner vom Bristol Zoo. Darüber informiert der Zoo auf seiner Webseite. Auch die BIAZA betont auf ihrem Blog die Verbindung der britischen Zoos zur Organisation. Man merkt also: Die Projekte, die Pro Wildlife selbst unterstützt, teilen die Ablehnung gegenüber Zoos nicht, sondern scheinen vielmehr die Zusammenarbeit mit ihnen zu schätzen.

One Plan Approach

Wohlbehütet von Mutter und Herde entdeckt ein Elefantenbaby die weitläufige und naturnahe Außenanlage des Kölner Zoos. | Foto: zoos.media

Nur, wo dann das „Engagement“ von Pro Wildlife im Artenschutz aufhört, fängt es bei zoologischen Gärten gerade erstmal an. Viele weitere, seriöse Organisationen werden von Zoos im Artenschutz unterstützt. Das alles wird nur möglich dank der elefantastischen Botschafter in diesen zoologischen Gärten. Ohne sie, wäre es nicht möglich, solchen Organisationen eine solche Unterstützung zuteil werden zu lassen.

Viel schwerwiegender als die geldliche Unterstützung, ist auch gerade das, was sich nicht in Geldbeträgen zeigt: Die unersätzliche Erhaltungszucht zum Aufbau von Reserve-Populationen, wichtige Forschung, die in der Natur so nicht durchgeführt werden könnte, sowie auch veterinärmedizinische Erkenntnisse und Erfahrungswerte, um etwa Tiere in Not bestmöglich versorgen zu können. All das wäre ohne Zoos weg. Pro Wildlife könnte das niemals ersetzen, denn die Organisation hat bekanntlich keine Elefanten in vergleichbarer Obhut wie Zoos.

Nur dank Zoos lässt sich also Engagement ex situ und in situ – also außerhalb und innerhalb des natürlichen Lebensraums – in einer Form verbinden, die für das Überleben der Elefanten entscheidend ist. Man folgt nämlich dabei dem One Plan Approach der Weltnaturschutzunion (IUCN). Der schreibt genau das vor: Verbindung von Maßnahmen. Pro Wildlife hingegen versucht ex situ und in situ anscheinend gegeneinander ausspielen zu wollen, wenn man so die Äußerungen im Artikel betrachtet. Das ist ein wesentlicher Irrtum: Artenschutz nur im Lebensraum greift zu kurz.

Unterstützung aus der Wissenschaft

Elefanten-Kalb Maputo erforscht seine Umgebung im Tiergarten Schönbrunn in Wien mit großer Begeisterung. | Foto: zoos.media

„Viel von dem Wissen, was man heute über Elefanten besitzt, habe man in Zoos entdeckt“, zitiert die Augsburger Allgemeine indirekt Univ.-Prof. Dr. Angela Stöger, die selbst durch 20 Jahre Beschäftigung mit den Tieren viel dazu beitrug. Die Expertin berichtet aus der Praxis. Sie machte auch darauf aufmerksam: „[E]s geht den Tieren da draußen alles andere als gut.“

Sie fragte zudem: „[W]enn ich in den Foren lese, nur die Freiheit ist artgerecht, da frage ich mich immer, welche Freiheit hat der Elefant da draußen?“ Dieser Frage entzog sich die Augsburger Allgemeine und schwenkte ab, genauso wie man sich kritische Fragen an Pro Wildlife sparte. So entsteht eine gewisse False Balance im Artikel. Auch Pro Wildlife behauptet auf seiner Webseite: „Nein, artgerecht ist nur die Freiheit.“ Auch das ist längst widerlegt, wie die Wissenschaftlerin durch ihre Frage andeutete.

Wenn nicht nur die wissenschaftlichen Experten, sondern eben auch zahlreiche Artenschutz-Organisationen, sowie auch besonders nochmal Akteure der Projekte, an die sich Pro Wildlife hängt, doch sehr wohl die Wichtigkeit der Elefanten in Zoos belegen, wird doch wohl eigentlich klar, dass Pro Wildlife selbst keine echten, eigenen Alternativen zu haben scheint. Auch das „Engagement“ der durchaus als fragwürdig ansehbaren Organisation für Elefanten kommt letztendlich nicht wirklich komplett ohne Zoos aus.

Seriöse Kritik wäre so einfach gewesen

Giraffes and Elephants at the Pittsburgh Zoo | Photo: Daderot, License: CC0 1.0

„Wie gut geht es Elefanten in deutschen Zoos?“, hatte die Augsburger Allgemeine gefragt. Durch die Einbeziehung von Pro Wildlife verhindert sie selbst, diese Frage beantworten zu können. Tierwohl ist keine Frage für ideologische Anti-Zoo-Vereine. Wer die fragt, weiß vorher schon, was sie sagen werden. Tierwohl ist vielmehr eine Frage der Wissenschaft.

Daraus lassen sich auch spannende, zoo(verbands)kritische Fragen ableiten. Ein Beispiel? Norkaew et al. (2018) fanden heraus, dass Elefanten, die in Nordthailand im Freikontakt im Tourismus im Einsatz sind, bessere Body Condition Scores (BCS) haben als Elefanten in Zoos in Nordamerika und Großbritannien, wo der geschützte Kontakt vorherrscht. Trotz solcherlei wissenschaftlicher Erkenntnisse werden in verschiedenen Zooverbänden (AZA & EAZA) zum Beispiel generelle Pflichten durch Haltung im geschützten Kontakt beschlossen, statt es den Zoos offen zu halten und ihnen die Entscheidung zu überlassen, welche Kontaktform die ideale für die jeweiligen Tiere ist.

Das wäre ein seriöser Ansatz für Kritik gewesen. Die Chance wurde vertan, die Kontaktfrage nur maximal oberflächlich abgefrühstückt. Statt einer Anti-Zoo-Organisation hätte man da Wissenschaftler zu Wort kommen lassen können, sowie etwa auch Dr. Thomas Kölpin, Vorsitzender der Elefanten-Spezialisten-Gruppe der EAZA, dazu befragen können. Das und mehr in Richtung Tierwohl-Wissenschaft hätte durchaus spannend werden können. In jedem Fall wäre es interessanter gewesen, als längst widerlegte Anti-Zoo-Plattitüden gegen Aussagen echter Experten ausspielen zu wollen. Das war anscheinend wohl das tatsächliche Anliegen des Artikels.

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